„Wir sagen euch an den lieben Advent“
Im Gottesdienst und im Religionsunterricht, im Kindergarten und am Familientisch gehört „Wir sagen euch an den lieben Advent“ zu den bekanntesten und beliebtesten Adventsliedern. „Freut euch, Ihr Christen, freuet euch sehr!“ – wo das gesungen wird, da wächst bei Klein und Groß die Freude auf Weihnachten. In ganz einfachen Worten wird hier Woche für Woche – während eine Kerze nach der anderen angezündet wird – erzählt, wie sich Menschen auf die Ankunft Gottes vorbereiten können.
Mit diesem Spezial wollen wir von Bayern-evangelisch.de Ihnen dieses einfache Lied der Österreicherin Maria Ferschl wieder näher bringen und Ihnen Ideen anbieten, sich innerlich auf das Fest vorzubereiten.
„Wir sagen euch an den lieben Advent. Sehet, die vierte Kerze brennt!
Gott selber wird kommen, er zögert nicht. Auf, auf, ihr Herzen, und werdet licht.
Freut euch ihr Christen, freuet euch sehr, schon ist nahe der HERR.“
Sehen Sie ein Video des Liedes "Wir sagen euch den lieben Advent", aufgeführt vom Chor der Pfarrei Gmünd-Neustadt
„Gott selber wird kommen, er zögert nicht. Auf, auf, ihr Herzen, und werdet licht.“ Die vierte Adventswoche richtet sich schon ganz auf Weihnachten aus. Jetzt ist die Geburt des heiligen Kindes nicht mehr weit. Zeit, die Herzen weit auf und hell zu machen! Warum ist die Zeit um Weihnachten trotz aller Hektik und Ruhelosigkeit so hell und besonders macht? Das fragt auch der Theologe und Psychotherapeut Hans-Gerhard Behringer in unserem Impuls zum 4. Advent. Und er beobachtet: An Weihnachten strahlen unsere Augen und Herzen, weil das Kind in uns wieder aufleben darf.
Stille Nacht, heilige Nacht?
„Da kommt eine Zeit auf uns zu, die oft als Zeit der Stille ausgegeben wird – und doch ist sie für viele voller Unruhe und Hektik. Warum eigentlich? …Stille und Frieden herrschen relativ selten in den Wochen der Adventszeit vor Weihnachten, am Weihnachtsfest selbst und in der Zeit danach. Eine große Spannung also zwischen dem Reden und der eigenen Praxis in Familien.
Das Fest der Kinder
Was ist also so besonders an Weihnachten? Was ist es, was es beinahe zum größten Fest der Christenheit gemacht hat? Ist es vielleicht deshalb so beliebt, weil es so stark jene Seite in uns anrührt, die wir als Erwachsene sonst so leicht vergessen, die wir uns ja „nicht leisten können" im Kampf ums Dasein: unsere Kind - seite!? Und hier ist nun eine Zeit, in deren Mittelpunkt steht der Erwartung eines Kindes (Advent), seine Geburt (Weihnachten), das Leben eines Kindes also - und die Freude, die Freude von Kindern, die Freude des Beschenkens der Kinder, so kommerzialisiert und pervertiert es geworden ist ...
Strahlende Augen und weiche Züge
Gibt diese Zeit vielleicht dem missachteten, fast verhungerten Kind in uns endlich die Gelegenheit, mal Luft zu schnappen, zu fühlen, aufzuleben und zu zeigen: Ich bin auch noch da! Das eingesperrte, vernachlässigte Kind, das in jedem von uns lebt, wird plötzlich ins Zentrum gerückt. Und alles dreht sich um das Kind. Und weil das so öffentlich erlaubt ist, so scheinbar ohne Bezug zu uns selbst, deshalb können wir uns darauf einlassen, „unser" Kind zum Vorschein kommen zu lassen, es aufleben zu lassen. Da „dürfen" dann auch unsere Augen wieder scheinen, unsere Gesichter beim Kerzenschein sanft und selig strahlen, die Masken fallen und die Züge weich werden. Weil es da erlaubt ist, Kind zu sein, am "Fest der Kinder" und in seiner Vorbereitungszeit.
Das ganze Jahr lang Weihnachten
Ist das vielleicht ein Grund, warum Weihnachten ein unausrottbares Fest ist und immer gewesen ist? Wollen wir - wollen Sie - das weiterhin reduzieren auf Advent und Weihnachten, dass Sie Ihrem staunenden, spielenden Kind in sich Raum geben? Dass Sie sich das gönnen, selbst mal wieder ganz Kind sein zu dürfen, freudig, versonnen, feiernd, außer sich und dabei doch ganz bei sich? Wenn nicht, so können Sie Weihnachten immer haben: Dann ist „das ganze Jahr Weihnachten"! Einkehr und Hinkehr zum Kind - dem ewigen, dem eigenen, dem inneren Kind.“
Zur Person: Hans-Gerhard Behringer ist Theologe, Dipl.-Psychologe, Psychologischer Psychotherapeut (Approb.), Seminartrainer und Schriftsteller, Davos/Schweiz


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