"Sie wollen wissen, was wir für Antworten haben: Der Sprecher der landeskirchlichen Dozenten für Konfirmandenarbeit im Interview
Zwischen Palmsonntag und Pfingsten lassen sich in Deutschland jedes Jahr rund 250.000 evangelische Jugendliche konfirmieren. Vor dem Fest haben sie mehrere Monate den Konfirmandenunterricht besucht. Dessen Form und Inhalte stehen heute vielerorts auf dem Prüfstand. Mit dem Sprecher der landeskirchlichen Dozentinnen und Dozenten für Konfirmandenarbeit, Pfarrer Thomas Böhme-Lischewski, sprach epd-Mitarbeiterin Imke Plesch.
epd: Jugendliche sind grundsätzlich zufrieden mit ihrem Konfirmandenunterricht. Das ist das Ergebnis der ersten bundesweiten Studie zur Konfirmandenarbeit von März 2009. Neben der positiven Grundhaltung äußerten die Befragten aber auch Kritik. Was hat sich seitdem verändert?
Böhme-Lischewski: Wir haben die Studie seit ihrer Veröffentlichung in den Landeskirchen noch mal gesondert vorgestellt und intensiv mit ihr gearbeitet. Vor allem die Gestaltung der Gottesdienste und die Arbeit mit den Ehrenamtlichen wurden in der Studie als verbesserungswürdig kritisiert. Bei den Gottesdiensten zeigt sich, dass die Zufriedenheit wächst, je mehr die Jugendlichen selbst am Gottesdienst beteiligt werden. Um hier interessante Ansätze zu finden und weiterzugeben, haben wir in der Landeskirche Westfalen mit einem Wettbewerb Konfirmandengruppen aufgefordert, gemeinsam mit Erwachsenen einen Gottesdienst zu erarbeiten. Jetzt werten wir die Einsendungen aus. Ebenso hat sich gezeigt, wie wichtig die Mitwirkung von Ehrenamtlichen ist. Deshalb wollen wir mehr Schulungen anbieten und die Abstimmung zwischen Konfirmanden- und Jugendarbeit verbessern.
epd: Was erwarten die Jugendlichen vom Konfirmandenunterricht?
Böhme-Lischewski: Die Jugendlichen kommen aus eigenem Antrieb und mit einem inhaltlichen Interesse in den Unterricht. Sie möchten von den Pfarrern und anderen Kirchenmitarbeitern etwas über Glauben und Kirche lernen. Sie wollen wissen, was wir für Antworten haben, wie zum Beispiel ein vernünftiges Zusammenleben aussehen kann. Kirche hat für Jugendliche auf jeden Fall Potenzial.
epd: Wer legt die Themen fest, die im Unterricht behandelt werden?
Böhme-Lischewski: Welche Inhalte in der Konfirmandenzeit behandelt werden, bestimmen nach Auswertung der Studie weitgehend die Pfarrer. Dabei orientieren sie sich ganz überwiegend an Themen, die Bibel und Katechismus entnommen sind. Dazu zählen die zehn Gebote, Jesus Christus, die Bibel, Gottesdienst und Abendmahl, seltener Brot für die Welt und Diakonie. Konfirmanden vermissen dabei allzu oft den Alltagsbezug. Sie wünschen sich Themen wie Freundschaft, Sinn des Lebens, Gerechtigkeit und Verantwortung für andere, die auf ihre Identität und das verantwortliche Miteinander bezogen sind. Die Studie zeigt, dass ehrenamtliche Mitarbeiter beides miteinander verbinden: Das Interesse an den Themen aus Bibel und Katechismus und an denen der Jugendlichen. Sie sind "Themenscouts". Darum müssen wir ihre Mitwirkung fördern und ausbauen.
epd: Wie wirkt sich die auf zwölf Jahre verkürzte Gymnasialzeit auf die Konfirmandenarbeit aus?
Böhme-Lischewski: Der reine Wochenstundenunterricht wird sicher noch weniger werden. Wir müssen die vielfältigen Organisationsformen wie Samstagsunterricht oder längere Freizeiten nutzen und gleichzeitig unsere Inhalte attraktiv gestalten. Das Feedback der Jugendlichen in der bundesweiten Studie zeigt, dass sie die Konfirmandenzeit nicht als stressig empfinden, wenn sie das Gefühl haben, inhaltlich etwas mitzunehmen.
epd: Und wie wollen Sie die inhaltliche Konfirmandenarbeit verbessern?
Böhme-Lischewski: Unsere Zukunftsaufgabe ist es, in der Konfirmandenarbeit noch stärker den Alltag und das Leben der Jugendlichen einzubeziehen. Wenn wir über Taufe oder Abendmahl reden, müssen wir auch darüber reden, was das mit unserem Leben zu tun hat. Es geht darum, mit den Konfirmanden in einen Dialog zu treten.
epd: Die Zahlen der letzten zehn Konfirmationsjahrgänge ist bis auf demographische Schwankungen stabil geblieben. Wird das Ihrer Meinung nach in der Zukunft so bleiben?
Böhme-Lischewski: Vor allem in den ostdeutschen Bundesländern ist die Konfirmation leider eine Minderheitensache. 2007 kamen von den rund 250.000 Konfirmanden nur rund 15.000 aus den östlichen Landeskirchen. Wir müssen aufpassen, dass sich das nicht noch weiter verstärkt. Auch in den großen Ballungszentren und Großstädten wie Hamburg, Bremen oder Berlin lässt der Anteil der Konfirmanden nach. Das ist zum einen wohl eine Folge der allgemeinen Säkularisierung. Deshalb müssen wir Werbung für den Konfirmandenunterricht machen, um in Zukunft mehr Jugendliche zu erreichen, die nicht konfessionell gebunden sind. Aber auch die familiäre Situation kann für manche ein Grund sein, sich nicht konfirmieren zu lassen. Die hohen Erwartungen, die viele an die Konfirmation als Familienfest haben, können von Alleinerziehenden oder Patchworkfamilien nicht immer erfüllt werden. Manchen Familien fehlt das Geld, um eine Konfirmationsfeier ausrichten zu können.
epd: Warum sollte man sich also konfirmieren lassen?
Böhme-Lischewski: In der Konfirmandenzeit gibt es etwas Wichtiges über das eigene Leben zu erfahren. Sie zeigt eine andere Dimension, die religiöse Dimension des Lebens auf. Leben ist mehr als Kaufen, Schlafen, Arbeiten und Essen. In der Konfirmandenzeit sollen Jugendliche an anderen Menschen erleben und erfahren, wie man Christsein leben und als Christ verantwortlich handeln kann.



