Segen
Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht über dir leuchten und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. (4. Mose 6, 24-26)
Segen verstehen
Segen im kirchlichen Leben
Segen im täglichen Leben
Der Ursprung des Segens
Es ist eine alte, menschliche Erfahrung, dass von Menschen Segen und Fluch ausgehen können. Durch Berührung oder durch Worte wird Kraft auf andere übertragen. Um sich vor dem Fluch anderer zu bewahren, haben Menschen ihr Gesicht verändert oder ihren Namen nicht preisgegeben. Nach dem Verständnis der Bibel trägt der Mensch seit seiner Erschaffung durch Gott Segenskraft in sich, die er weitergeben kann. Alttestamentliche Geschichten erzählen davon, wie der Segen von Generation zu Generation weitergegeben wird, wie zum Beispiel in der Geschichte von Isaak, Esau und Jakob. Der Ursprung des Segens ist nach christlichem Verständnis der dreieinige Gott. Von ihm geht die Kraft aus, die im Segen einem anderen Menschen zugesprochen wird. Gott spricht zu Abraham: "Ich will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. In dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden." Mit diesem Segen beginnt die besondere Geschichte Gottes mit dem Volk Israel. Aaron, der Bruder des Mose, wird beauftragt, das Volk zu segnen. Dieser Aaronitische Segen wird auch heute am Ende des Gottesdienstes gesprochen.
Der Inhalt des Segens
Der Segen sagt Gottes Begleitung zu: Gott behütet dich. Er geht mit dir und bleibt bei dir. Gott wendet sich dir zu, und du bist bei ihm angesehen. Der Segen erinnert an Gottes Verlässlichkeit. Er verspricht Gottes Nähe auch in leidvollen Erfahrungen. Segen wirkt sich im Leben aus; er ist mit Händen zugreifen: Die Fruchtbarkeit der Erde, von Mensch und Tier, das Gelingen einer Beziehung, der Erfolg einer Arbeit, auch der Wohlstand gehören zum Segen Gottes. Kinder sind ein Segen Gottes, und Menschen können einander zum Segen werden. Doch vom äußeren Wohlergehen lässt sich nicht auf Gottes Liebe oder Zorn schließen. Gott ist mächtiger als alle bösen Mächte oder Kräfte. Deshalb bitten wir an allen Wegkreuzungen unserer Lebensgeschichte um seinen Segen und um seinen Schutz. Gott ist unverfügbar. Sein Segen will empfangen, gehört und geglaubt werden.
Wer darf segnen?
Jede und jeder darf den Segen Gottes für andere erbitten und ihn zusprechen. Dabei segnen nicht wir Menschen, sondern Gott tut das durch uns. Menschen sprechen anderen den Segen zu in der Gewissheit, dass Gott zu seiner Verheißung steht. Seit Jesus Christus kann der Segen mit dem Kreuzeszeichen verbunden werden. Sich zu bekreuzigen hat Luther als einen guten Brauch verstanden. Wenn wir uns bekreuzigen, dann zeigen wir, dass das Kreuz Christi für uns zum Segen geworden ist.
Wo wir einen neuen Schritt im Leben wagen, bitten wir Gott um seinen Segen, dass er uns begleite und stärke.
Taufe
Bei der Taufe wird das Kind mit dem Kreuzeszeichen gesegnet. Gott ruft das Kind bei seinem Namen und sagt zu, bei ihm zu sein. Eltern und ganze Familien empfangen den Segen für ihren gemeinsamen Weg.
Konfirmation
Bei der Konfirmation werden die Jugendlichen gesegnet. Der Segen Gottes soll sie stärken, das Leben zu wagen in einer Zeit ihrer Lebensgeschichte, in der vieles im Umbruch ist.
Trauung
In einem Traugottesdienst steht die Segnung des Paares im Mittelpunkt. Sie wollen einen gemeinsamen Weg gehen, deshalb ist es gut, Gott um Hilfe zu bitten.
Sterben und Tod
Wenn ein Mensch stirbt, kann er durch einen Segen auf seinem letzten
Weg gestärkt werden. In der Aussegnung nehmen die Angehörigen Abschied vom Verstorbenen im Vertrauen auf Gott, der Lebende und Tote in seiner Hand hält. Am Grab bitten wir Gott um gütiges Geleit für die Toten in der Hoffnung,
dass Gott sie zum ewigen Leben erwecken wird.
Segnungsgottesdienste
Wo Menschen in der Kirche eine neue Aufgabe übertragen bekommen, kann das in einem eigenen Einführungsgottesdienst geschehen; für diese Aufgabe werden sie mit Handauflegung besonders gesegnet. In Segnungsgottesdiensten können Menschen in ihrer Lebenssituation Gottes Beistand und Begleitung persönlich zugesagt bekommen. Das Gleiche gilt auch für den Beginn neuer Lebensabschnitte, wie zum Beispiel den Eintritt in die Schule.
Grüße als Segen
Jeder christliche Gruß ist im Grunde ein kleiner Segen: "Grüß Gott (Gott grüße und segne dich)". Wir wünschen einem Menschen Gottes Nähe. Beim Abschied ist es die kürzeste Form der Fürbitte: "Gott behüte dich". Wenn wir uns jetzt trennen, so möge es Gott sein, der mit dir geht. Einem anderen Menschen etwas Gutes zu wünschen, meint, Gottes Güte für sie oder ihn zu erbitten: Leben und Gesundheit vermögen wir nicht zu gewähren. Gott möge dich gesund erhalten.
Einander segnen im Alltag
Es gibt viele Gelegenheiten zu segnen: beim Verlassen des Hauses, vor großen Herausforderungen, in schwierigen Zeiten. Wer segnet, legt dem Kind, der Partnerin, dem Partner oder einem anderen Menschen die Hand auf den Kopf, auf die Schulter oder drückt die Hand und spricht ein Segenswort. Es gibt viele zärtliche Gesten, die Zuwendung ausdrücken. Das Segenswort kann kurz sein: "Gott segne dich" oder mit einem Wunsch verbunden, flüchtig oder ausdrücklich, leise oder bestimmt, manchmal unhörbar.
Segenswünsche
Möge dein Weg dir freundlich entgegenkommen,
möge der Wind dir den Rücken stärken.
Möge die Sonne dein Gesicht erhellen
und der Regen um dich her die Felder tränken.
Und bis wir beide, du und ich, uns wieder sehen,
möge Gott dich schützend in seiner Hand halten.
Der Herr sei vor dir, um dir den rechten Weg zu zeigen. Der Herr sei neben dir, um dich in die Arme zu schließen und dich zu schützen. Der Herr sei hinter dir, um dich zu bewahren vor der Heimtücke böser Menschen. Der Herr sei unter dir, um dich aufzufangen, wenn du fällst, und dich aus der Schlinge zu ziehen. Der Herr sei in dir, um dich zu trösten, wenn du traurig bist. Der Herr sei um dich herum, um dich zu verteidigen, wenn andere über dich herfallen. Der Herr sei über dir, um dich zu segnen. So segne dich der gütige Gott.
Reisesegen
Den Weg des Friedens führe uns der allmächtige und barmherzige Herr. Sein Engel geleite uns auf dem Weg, dass wir wohlbehalten heimkehren in Frieden und Freude.
Unsern Ausgang segne Gott, unsern Eingang gleichermaßen; segne unser täglich Brot, segne unser Tun und Lassen. Segne uns mit sel'gem Sterben und mach uns zu Himmelserben.
Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.
Herr, wir bitten dich: Segne uns. Halte deine schützenden Hände über uns und gib uns deinen Frieden. Amen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen. (Philipper 4,7)


