Wie hilfreich finden Sie diesen Artikel?
gut Bewertung 1 Bewertung 2 Bewertung 3 Bewertung 4 Bewertung 5 Bewertung 6 schlecht

Was macht Sie glücklich?

Ein guter Zeitplan

Ein guter Augenblick

Das Ungewisse

Das Gewisse



nur Ergebnisse anzeigen


Es haben bisher 301 Benutzer abgestimmt
 
  • Diese Seite bei Technorati bookmarken.
  • Diese Seite bei Twitter bookmarken.
  • Diese Seite bei MySpace bookmarken.
  • Diese Seite bei Netvibes bookmarken.
  • Diese Seite bei Yahoo bookmarken.
  • Diese Seite bei Delicious bookmarken.
  • Diese Seite bei Mr. Wong bookmarken.
  • Diese Seite bei Stumpleupon bookmarken.
  • Diese Seite bei Facebook bookmarken.
  • Diese Seite bei Google bookmarken.

"Unter dem Kreuz ist es gut, zu leben"

Karfreitag
München, St. Lukas
22. April 2011, 10 Uhr
Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler

„Das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist’s eine Gotteskraft.“
(1. Korinther 1, 18)
 

"Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder!

Unter dem Kreuz feiern wir unseren Gottesdienst. Am Karfreitag stellt sich in besonderer Weise die Frage: Was bedeutet das Kreuz für uns? Es ist ein alltägliches Zeichen geworden. Und wie kein anderes Zeichen ist es Symbol der Christenheit und christlicher Prägung überhaupt geworden. Liturgie und Brauchtum der Kirche haben sich das Kreuz angeeignet. Kreuze in kirchlichen Gebäuden, in Friedhofshallen und auf Gräbern, Kreuze am Straßenrand, an Weggabelungen, auf Berggipfeln, Kreuze in Klassenzimmern und Wirtshausstuben.

Kreuze aus Holz, Eisen, Marmor, Granit. In den Auslagen der Juweliere aus Silber und Gold, Kreuze auch im Signum und Namen zahlreicher Organisationen, Rotes Kreuz, Weißes Kreuz, Blaues Kreuz; sogar ein Bundesverdienstkreuz gibt es. Das Kreuz ist zum Kulturgut geworden. Aber sein Sinn? Manchmal scheint es, als sei das Kreuzessymbol zur Folklore verkommen. Oft ganz fraglos, besinnungslos ist es im Gebrauch als traditionelle Regelmäßigkeit, die einem diffusen Gefühl nach ,irgendwie christlich' ist. Für alles Mögliche und Unmögliche muss das Kreuz herhalten.

Der Weg zum Kreuz braucht den Abschied von der Vereinnahmung

Es kann Frömmigkeit signalisieren, Trauer und Pietät, es kann aber auch als bloße Zierde Damen- und Herrenhälse schmücken – ein Symbol, das jeder nach seinem Geschmack und Gutdünken inhaltlich füllen mag…. Der Weg zum Kreuz, der Weg zu dem, was wir in Lesungen hören und in Liedern besingen, braucht den Abschied von der Vereinnahmung des Kreuzes! Und es braucht die Erinnerung an seine Herkunft. Ursprünglich ist das Kreuz ein Folterinstrument gewesen, mit dem die Justiz des römischen Imperiums Feinde des Kaisers und des Reiches zu Tode quälte.

Erfunden wurde die Kreuzigung wahrscheinlich von den Persern. Bald ist sie von den Despoten anderer Völker verwendet worden als abschreckendes Mittel der Staatsräson. Hunderttausende – Partisanen, Kriegsgefangene, entlaufene Sklaven – starben am Kreuz. Ausgestreckt angenagelt an zwei Holzbalken, mussten sie stundenlang auf den Erschöpfungstod warten, der ihre Qualen beendete, meist unter dem Spott der Soldaten, die den Befehl hatten, das staatlich verordnete Krepieren bis zur letzten Minute zu bewachen.

Ein Gespür für die Verkündigung bekommen

Nicht anders ist das Kreuz Jesu. Äußerlich betrachtet, ereignet sich das Geschehen auf Golgatha, übersetzt Schädelstätte im Rahmen einer irrsinnigen Normalität. Menschen erheben sich gegen Menschen, morden im Dienste der Macht: Eine unendliche Geschichte. So wenig, wie wir gewöhnlich zur Kenntnis nehmen, geschweige denn uns anhaltend davon erschüttern lassen, dass in der Elfenbeinküste, im Sudan, in Libyen Menschen gefoltert und umgebracht werden, so wenig erregt die Kreuzigung Jesu in der damaligen Welt Aufsehen. Einige Frauen weinen. Einige Jünger weinen. Sonst ist da nichts.

Mit der üblichen zynischen Unauffälligkeit ist wieder einer hingerichtet worden: Das ist das Kreuz. Es ist entscheidend für unsere eigene Frage nach dem Kreuz und seiner Bedeutung, ob wir diese gänzlich irdische, ,normale' Realität der Kreuzigung Jesu wahrzunehmen bereit sind. Denn nur dann werden wir ein Gespür dafür bekommen, warum die Verkündigung des gekreuzigten Jesus Christus – wie Paulus sagt – ,den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit' ist, wörtlich: ein ,skandalon', also ein Skandal für den gesunden Menschenverstand.

Die "Krise aller von uns selbstgemachten Gottesbilder" überwinden

Dieser, wie unzählige andere auch als Verbrecher verurteilte und liquidierte Jesus von Nazareth soll ja ,Gottes Kraft und Gottes Weisheit' sein für uns Christen! Das war und das ist wirklich eine maßlose Provokation für jeden, der sich um eine vernünftige Religiosität und ein wohltemperiertes Gottesbild bemüht. Gott als ewiges Prinzip, als zeitlose Energie – das erscheint plausibel. Gott als allmächtiger, weit über alles Menschliche erhobene Richter, der allenfalls durch Gesetzestreue und fleißige Moral verehrt werden kann – auch das ist vorstellbar.

Aber ein Gott, der seinen eigenen Sohn am Kreuz sterben lässt zur ,Kraft der Weisheit' für uns? Der Apostel Paulus ist für dieses Wort ausgelacht und angespuckt worden. Und Jesus am Kreuz wurde verhöhnt: ,Steig doch herab vom Kreuz, damit wir sehen und glauben!'. Was bedeutet das Kreuz für uns? Das Kreuz als Erinnerung an die Kreuzigung Jesu dokumentiert die Krise aller von uns selbstgemachten Gottesbilder, in denen Gott auf Distanz gehalten, in einen fernen Himmel, in ein abstraktes Ideal oder ins Allerheiligste hinter den Tempelvorhang verbannt wird.

Anpassen sollte er sich. Er aber wollte nicht.

Jesus, der Sohn Gottes entzieht sich gerade nicht, wie alte Gottesbilder es erwarten ließen, mit himmlischer Macht seinen Peinigern. Jesus leidet und stirbt wie die beiden Kriminellen, die an seiner Seite mit dem Tod kämpfen. Eine furchtbare Zumutung – nicht zuletzt für die Jünger, die offen oder insgeheim stets gehofft hatten, Jesus würde vielleicht doch noch handeln, wie ein ,ordentlicher' Gottessohn eben handeln müsste. Oft genug war Jesus von seinen Freunden gebeten worden, doch von dem Weg der Unscheinbarkeit und der Erniedrigung Abstand zu nehmen.

Oft genug hatten seine Feinde ihn gewarnt, ihm Vorhaltungen gemacht, ihm mit dem Tod gedroht. Anpassen sollte er sich. Er aber wollte nicht. Und nun muss er die Folgen am eigenen Leibe erleben: die Konsequenzen dessen, dass er nicht nur Judas so bitter enttäuschte; die Konsequenzen aber auch seiner Vergehen gegen das Sabbatgebot; die Konsequenzen seiner unverschämt öffentlichen Feste mit den Ausgestoßenen und Verachteten, den Zöllnern, den Huren, den Aussätzigen; die Konsequenzen vor allem des Aufruhrs, den er im Tempelvorhof wider die religiöse Geschäftigkeit anzettelte.

Was Menschen Gott antun und sich selbst antun können

Jesus hatte die Grenze des Erträglichen überschritten. Weder entsprach er dem Bild, das sich die Jünger vom Messias ausmalten, noch entsprach er dem Bild eines Rabbi, als welchen ihn die Pharisäer und Schriftgelehrten gerne gesehen hätten. Jesus verkörperte das Bild Gottes, das unerwünscht war und ist. Deshalb schlugen sie ihn ans Kreuz.

Erst von Ostern her wird die Wahrheit des Kreuzes deutlich. Der Auferstandene ist der Gekreuzigte. Der lebendige Herr, dem alle Vollmacht gehört im Himmel und auf Erden, ist derselbe, der vor den Toren Jerusalems am Kreuz hängt. An Ostern erst wird erkennbar, dass bei aller äußeren Vergleichbarkeit die Kreuzigung Jesu zum Höhepunkt treibt, was Menschen Gott antun und sich selbst antun können. Weil Jesus als der wahre Sohn Gottes in der Auferstehung bezeugt wird, darum geschieht mit seiner Verdammung auch die Verdammung Gottes, damit die Selbstverdammung der Menschen.

Der Todesschrei brüllt die Gottesverlassenheit einer Welt hinaus

Der Spiegel, in dem sich die Menschen wieder neu als Ebenbilder Gottes hätten entde-cken können, wurde von ihnen selbst zerbrochen. Das Kreuz ist Gottes Ende unter den Menschen und das Ende der Menschen bei Gott. Von Ostern her bekunden die Evangelisten die Reichweite des Kreuzes: ,Finsternis kam über das ganze Land', erzählen sie, und ,der Vorhang des Tempels zerriss von oben nach untern'! Der Todesschrei Jesu ,Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen' brüllt die Gottverlassenheit einer Welt hinaus, die Christus kreuzigt, um weiter in Ruhe ihre Religion pflegen zu können.

,Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun', betet Jesus nach der Überlieferung des Lukas. Nur wer sich die Ostererfahrung schenken lässt, weiß, was das Kreuz bedeutet. Deshalb ist die leidige Diskussion darüber, ob nun Karfreitag oder doch Ostern der ,höchste Feiertag' der Christen sei, Symptom eines erheblichen Missverständnisses, das zu trennen versucht, was untrennbar zusammengehört. Der Kreuzestod Jesu ohne seine Auferstehung könnte nur als statistisch erfassbares Ereignis in einem Meer der Brutalität und Unmenschlichkeit begriffen werden.

Gott macht bei seiner Suche nach den Menschen an keiner Grenze Halt

Und die Auferstehung Jesu ohne seinen Kreuzestod wäre keine Bekräftigung und Verewigung dessen, wofür Jesus eingetreten ist mit seinem Leben: Dass Gott nämlich bei seiner Suche nach den Menschen an keiner Grenze, keiner religiösen, keiner weltlichen haltmacht! Bis in die Finsternis, bis in die Nacht des Todes hinein will Gott den Verlorenen nahe kommen mit seiner freiwillig ohnmächtigen Liebe! Dafür ist Jesus ,hinabgestiegen in das Reich des Todes', wie wir bekennen. Früher wurde noch viel drastischer davon gesprochen, Jesus sei ,niedergefahren zur Hölle'.

Ja: Es ist wirklich die Hölle, aus der heraus der Gekreuzigte aufersteht, die ,Hölle' nicht nur im Sinne der antiken und im Mittelalter restaurierten Mythologie von einer Unterwelt, in der die Toten ihr Dasein fristen, sondern die Hölle unserer Welt. In ihr regieren so oft Tod und Sünde und zur Religion geordnete Gottlosigkeit. Es ist die Hölle einer radioaktiv verseuchten und dem Untergang geweihten Insel, der verstrahlten Arbeiter und Kinder, die Hölle der Gewalt, die Hölle auch aller Lieblosigkeit und Hartherzigkeit, die in religiösen Ritualen viel von ,Gott' reden und gleichzeitig Menschen verkümmern lassen.

Jesus hat seine Passion als Wirksamkeit der Liebe Gottes verstanden

In diese Hölle steigt Jesus hinab, aus dieser Hölle wird der Auferstandene erhöht, damit ihre Macht gebrochen werde durch die entwaffnende Wahrheit Gottes. Warum war die Kreuzigung Jesu nötig? Hätte es nicht auch anders, unblutiger gehen können? Eine Erklärung von Theologen lautet: Jesus habe von Gott geopfert werden müssen als Sühne für die Sünde der Menschen, er sei also zu Tode gemartert worden, um den strengen Gott-Vater gnädig zu stimmen … Dem Gottesbild Jesu selbst aber widerspricht diese Antwort.

Jesus hat seinen himmlischen Vater niemals als Vertreter eines gnadenlosen Gerechtigkeitsprinzipes verkündigt, der gar nicht anders kann, als seinen Sohn quälen zu lassen. Jesus hat auch seine eigene Passion nie als Zwangsläufigkeit juristischer Logik und göttlichen Starrsinns verstanden, sondern als Wirksamkeit der Liebe Gottes. Nicht um die Menschen lieben zu können, wie es die Sühnetheologie letztlich behauptet, ist Jesus am Kreuz gestorben, sondern weil er die Menschen selbst in den Abgründen ihrer Existenz liebt!

Kreuze als Stationen zum Innehalten, Aufschnaufen, zum Blick ins Weite

In diesem Sinne ist Jesus an uns und für uns gestorben, in diesem Sinne nahm er unsere Sünde, unseren Unglauben auf sich. Sein Gehorsam gilt nicht einem Tyrannen-Gott, der seinen Sohn aus prinzipiellen Gründen zum Sterben abkommandiert, sondern dem gnädigen Gott, der ihn durch Tod und Hölle hindurch uns vorangehen lässt ins ewige Leben! Darin liegt die Versöhnung, die in der Einheit von Kreuzigung und Auferstehung aufleuchtet. Ich bin deshalb immer wieder dankbar, wenn ich an einem Gipfelkreuz stehen kann.

Diese Kreuze sind Stationen zum Innehalten, zum Aufschnaufen, zum Blick ins Weite. Unser Leben hat immer Haltestationen, an denen wir einen Blick darauf werfen, wo wir stehen, wie weit wir gekommen, wie weit wir von unserem Ziel noch entfernt sind. Haltestationen, an denen wir erschöpft ankommen, wenn der Weg steinig und steil war. Es gibt Haltestationen im Leben, an denen Pläne durchkreuzt werden – und solche, an denen uns überhaupt erst wieder neue Ideen für unser Leben geschenkt werden. Gipfelkreuze erinnern an den Kreuzweg Jesu.

Ein Leben in Fülle, allem Leid zum Trotz

Er ist ja auch in einer Erzählung verdichtet unser Lebensweg, wie wir ihn gehen: Über Jahrzehnte hinweg oder schmerzlich zusammengeballt in wenigen Wochen und Monaten. Das Kreuz lenkt den Blick auf einen em- und sympathischen Gott, der alle Lebenswege mitgeht, weil er am eigenen Leibe erfahren hat, was Leiden ist, was auch Menschen einem antun können. Und weil er uns allem Leid zum Trotz ein Leben in Fülle zeigen will. Das Kreuz ist Erinnerung an unsere Endlichkeit und zugleich Zeichen der Hoffnung auf ein Leben über den Tod hinaus.
 
Denn das Kreuz ist nicht das Ende, es bleibt nicht beim Leiden stehen. Das Kreuz verherrlicht kein Leiden, sondern nimmt es in seiner Abgrundtiefe ernst. Unser Herr scheint auf vielen Kreuzen mit ausgebreiteten Armen über den gekreuzten Balken zu schweben. Christus kommt uns vom Kreuz entgegen. In einem Abendmahlsgebet von Hippolyt aus dem 2. Jahrhundert nach Christus heißt es: ,Am Kreuz breitete er die Hände aus, um die verlorene Welt zu umarmen.' Der am Kreuz hängt, ist Gottes wahrer Mensch. Einer, der andere nicht seinem Diktat unterwirft, sondern sie leben lässt. 

Er ist wahrer Mensch von unendlicher Größe, unbeirrt sich selbst treu

Der sich und andere bejaht - unabhängig von der gesellschaftlichen Stellung, dem Einkommen und dem Image, das jeder sich selbst verpasst, und der Rolle, in der die Mitmenschen einen gerne sehen möchten. Er ist wahrhaft menschlich, weil er aufmerksam zuhört und hinschaut, weil er einfühlsam ist und fürsorglich, weil er fähig ist zum Mitleiden und sich vor der Not des anderen beugt, ihm oder ihr auf jede erdenkliche Weise zu helfen versucht. Er ist wahrer Mensch von unendlicher Größe, weil er unbeirrt sich selbst treu bleibt.

Zu allen Zeiten haben Menschen die Konfrontation mit soviel Liebe, Gnade und Freiheit nicht mehr ertragen und nur noch mit Vernichtung reagieren können. Menschen klein und abhängig zu halten, stabilisiert irdische Herrschaftssysteme in Familie und Partnerschaft, in Gesellschaft und Staat. Umgekehrt werden diese Systeme verunsichert, wenn Kinder, Frauen und Männer sich geliebt und akzeptiert wissen, so, wie sie sind. Wenn sie die Angst verlieren, nichts zu taugen und sich ihrer Gott gegebenen Würde bewusst werden. Das macht stark und zuversichtlich, auch wenn man schwach und hilflos ist.

Mit einem Kopf voller Zweifel und einem Herzen voller Angst

Jesus stirbt, damit wir leben können. Damit Kinder, Frauen und Männer in Gottes Namen lernen, sich selbst zu akzeptieren - weil sie sie selbst sind, von Gott gewollte und geliebte Menschen. Mit lebendigen Spuren von Lachen und Weinen im Gesicht und den Narben auf Körper und Seele; mit Sinn für Nähe und Zärtlichkeit; mit der Gabe, zuzuhören und anzupacken. Mit Selbsterkenntnis und Verständnis für sich und andere; mit einem Kopf voller Zweifel und einem Herz voller Angst. Mit allem, was ein Leben in seinen Höhen und Niederungen ausmacht.

Das Wort vom Kreuz ist Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist’s eine Gotteskraft. Gottes Kraft ist mit uns an den Gipfelpunkten des Lebens genau so wie in den Tälern, die wir zu durchschreiten haben. Wir können es täglich neu wagen, uns mitten ins Leben zu stürzen. Das Kreuz ist Zeichen der Gewissheit, dass uns im Angesicht vielfältigen Leidens vom lebendigen Gott Leben verheißen ist. Das Kreuz ist Ausdruck dessen, was Menschen anrichten, Ausdruck menschlicher Gottesferne – und zugleich im Glauben lebendiges Zeichen der Nähe und Liebe Gottes. 

Erleuchte die Finsternis meines Herzens

Paradox genug – wir dürfen mit Dankbarkeit aufs Kreuz schauen. Den Stimmen aber, die wir dann vielleicht in uns hören, und die uns sagen: Nein, das kann nicht sein, dass Gott so klein wird; er ist und bleibt der ferne unnahbare Gott, von dem du, Mensch, nur zu spekulieren vermagst in deinen Ahnungen …, - diesen Stimmen sollten wir getrost das Kreuz als unser Zeichen entgegenhalten, als Zeichen unserer Geborgenheit bei Gott und unserer Freiheit durch Gott. unter dem Kreuz, nur unter dem Kreuz ist es gut, Gottesdienste zu feiern. Unter dem Kreuz ist es gut, zu leben.

Ich bete im ökumenischen Geist mit den Worten des Franz von Assisi, die er vor dem Kreuz von San Damiano sprach:

Höchster, glorreicher Gott,
erleuchte die Finsternis meines Herzens
und schenke mir rechten Glauben,
gefestigte Hoffnung
und vollendete Liebe.

Gib mir, Herr,
das rechte Empfinden und Erkennen,
damit ich deinen heiligen
und wahrhaften Auftrag erfülle.

Amen."

Die Predigt herunterladen