Wochenlied: 128
Pfingstsonntag
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Revolution für das Leben
Von Elisabeth Hann von Weyhern
„,Es muss ich sich etwas ändern. So können wir nicht mehr weiterleben.' Auf einmal waren solche Sätze in der Welt; Twitter und Internet verbreiteten sie durch den afrikanischen Kontinent. Die Botschaft lässt sich nicht aufhalten. Menschen in Ägypten, Tunesien; Libyen und anderen Ländern des nahen Ostens stehen auf gegen Unterdrückung, gegen soziale Ungerechtigkeit, gegen Perspektivlosigkeit und Willkür. Ein Aufstand wie aus dem Nichts gekommen. Getrieben von Sehnsucht nach Freiheit, Menschenwürde und Gerechtigkeit kehren sich die Machtverhältnisse um: Revolution gegen die alten Mächte, für ein Leben frei von Repression, Zerstörung, Hoffnungslosigkeit. Gewalt und Tod in Libyen und überall da, wo die alten Machthaber zurückschlagen, zeigen: Diese Revolution für das Leben ist gefährdet.
Die radikalste Macht, die uns bedroht, ist die Macht des Todes. Gegen diese Macht scheitert jeder Aufstand. Karfreitag sah es so aus als würde Gott scheitern. Drei Tage sah es so aus, als würde auch Gott vor dem Tod kapitulieren müssen. Sein Sohn Jesus Christus hängt tot am Kreuz. Aufgestanden war er für die Würde des Menschen, hat sich auf die Seite von Armen, Kranken und Suchende gestellt und sich mit den Mächtigen angelegt, Frieden statt Hass gepredigt, Liebe statt Gewalt, Vergebung statt Vergeltung. – und jetzt: ein, nein der Revolutionär für das Leben gescheitert am Tod?
Dann geschieht, was bis dahin keiner glauben konnte und bis heute mit dem Verstand nicht fassbar ist: die Macht des Todes wird außer Kraft gesetzt. Gott lässt seinen Sohn von den Toten aufstehen. Plötzlich wird sichtbar: Niemand lebt aus eigener Macht. Gott erweist sich als Schöpfer, der Herr über das Leben ist und damit auch über den Tod.
Drei Tage nach der Kreuzigung suchen Frauen das Grab des toten Jesus auf und begegnen dem Auferstandenen. ,Er ist auferstanden', ruft ihnen ein Engel zu – das ist der österliche Ruf des Lebens. Die Botschaft ist revolutionär: der Tod hat nicht das letzte Wort, seine Macht ist gebrochen. Einmal in der Welt ist der Ruf nicht mehr zurückzunehmen. Auch ohne Twitter und Internet verbreitet er sich wie ein Lauffeuer – kein Wunder bei der Botschaft.
Ostern feiern Christen diese Revolution für das Leben. Wenn dem Tod die Macht des letzten Wortes genommen ist, dann kann sich in etwas ändern, dann kann man anders weiterleben, schon vor dem Tod. Überall, wo die kleinen Tode spürbar sind, wo sich Hoffnungslosigkeit in den Vordergrund drängt, wo festgefahrene Verhältnisse und Machtstrukturen in Firmen, in Familien, in Schule und Ausbildung das Leben ersticken. Leben und nicht der Tod sind das Vorzeichen vor jedem Leben. Wer Ostern die Revolution für das Leben feiert, kann getrost den Aufstand wagen, aufstehen um zu leben.
– Revolutionär oder?"
Oberkirchenrätin Elisabeth Hann von Weyhern
ist Regionalbischöfin im Evang.-Luth. Kirchenkreis Nürnberg
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