Klassische Wallfahrten zu heiligen Stätten

Der Jakobsweg

Rucksäcke von PilgernDer Jakobsweg setzt sich aus vielen verschiedenen Wegen zusammen, die alle zum Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela in Spanien führen. Den Jakobsweg gibt es in Deutschland, in der Schweiz, in Österreich, in Belgien, in den Niederlanden, in Großbritannien, in Polen und natürlich in Frankreich und Spanien, wo seine Schwerpunkte liegen. Die Benediktiner durchzogen ganz Frankreich mit einem Netz aus Verbindungen nach Südwest, an deren Knotenpunkt meist ein Kloster entstand. In Spanien führt ein Hauptweg, der Camino Francés, von den Pyrenäen bis ans Ziel.

Entstanden ist die Tradition des Jakobswegs etwa im 10. Jahrhundert. Jakobus galt als der Schutzheilige der asturischen Königsdynastie. Nachdem König Alfonso II. im Jahr 840 das Grab des Apostels gefunden hatte, begann langsam die Wallfahrt dorthin. Als im Mittelalter das Wallfahrtwesen zu seiner Blüte gelangte, entwickelte sich Santiago de Compostela zu einem der größten Wallfahrerorte Westeuropas. Um 1075 begann man mit dem Bau einer Kathedrale, die 1120 Sitz des Erzbischofs wurde.

Nach dem Niedergang im Pilgerwesen im nachreformatorischen Europa setzte im 17. Jahrhundert ein erneuter Aufschwung ein. Man begann damit, die Kathedrale aus- und umzubauen. 1769 war das Werk vollendet. In der darauf folgenden Zeit erlebte der Jakobsweg zunächst einen Rückgang der Pilgerzahlen, bevor eine neue Blüte einsetzte. Besonders seit der Mitte des 20. Jahrhunderts machen sich immer mehr Pilger auf, den Jakobsweg zu erlaufen. 1987 wurde er vom Europarat zum ersten europäischen Kulturweg ernannt. 2003 kamen über 74.000 Pilger, 2004, im Heiligen Compostelanischen Jahr, schon 179.932.

Als Zeichen, dass ein Pilger den Jakobsweg gegangen ist, erhielt er ein Abzeichen in Form einer Jakobsmuschel. Dies ist bis heute das Zeichen der Jakobspilger geblieben. Unterwegs ist der Pilger nicht alleine. Neben zahlreichen Weggefährten haben sich im 20. Jahrhundert im Mittelalter verbreitete Jakobsbruderschaften neu bzw. wieder gegründet. Ihre Aufgabe ist es, den Pilgern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und sich um die Infrastruktur der Wege zu kümmern. Des Weiteren erhält der Pilger einen Pilgerausweis, auf dem die einzelnen Stationen seiner Reise eingetragen werden.

Es gibt zahlreiche regionale Abschnitte des Jakobsweges, die durch Deutschland laufen. Reizvolle Routen sind dabei die Strecken von Rothenburg ob der Tauber bis Rottenburg am Neckar, von München über Lindau und Bregenz nach Rohrschach („Münchner Weg“), von Köln über Trier nach Schengen oder von Aschaffenburg über Heilbronn nach Basel. Informationen mit Karten, Photos, Hotels, genauen Beschreibungen der Etappen finden Sie unter http://www.jakobsweg.info/,  unter http://www.fernwege.de/ oder unter http://www.jakobus-info.de/.

Pilgerwege in Bayern

JakobsmuschelDie Jakobswege durch Bayern sind in Mittelfranken vom Fränkischen Albverein Nürnberg mit einer Muschel auf blauem Grund markiert worden. Die meisten Jakobskirchen am Weg sind geöffnet und laden zum Gebet ein. Die Jakobuskirchen zwischen Nürnberg und Rothenburg sind in folgenden Orten zu finden: Nürnberg, Stein-Oberweihersbuch, Roßtal, Buttendorf, Heilsbronn, Weihenzell, Häslabronn, Rothenburg. In ihnen erhält man Pilgerkärtchen als spirituellen Proviant. Die Pilger können die Meditationsworte auf ihrem Weg meditieren.

Rothenburg ob der Tauber etwa liegt auf dem Jakobsweg. Der Gäste- und Touristenpfarrer von St. Jakob in Rothenburg, Oliver Gußmann, bietet den Pilgerinnen und Pilgern, die zur St.-Jakobs-Kirche unterwegs sind, eine spirituelle Begleitung an. Wenn diese z.B. ihre Jakobs-Wegetappe in Rothenburg beginnen und Richtung Ulm pilgern, bringt er sie mit einem Pilgersegen auf den richtigen Weg.

Der Glaubensweg

Ein weiterer Pilgerweg durch Bayern ist der Glaubensweg, der die Gemeinden Adelshofen, Ohrenbach und Uffenheim und somit die beiden evangelischen Dekanatsbezirke Rothenburg o.d.T. und Uffenheim  verbindet. Die Themen der vier Wegstationen „Geschaffen“, „Leiden“, „Erlösung“ und „Versöhnung“ orientieren sich an dem christlichen Glaubensbekenntnis und sind jeweils mit einem dreieinhalb Meter hohen Symbolstein aus fränkischem Muschelkalk dargestellt. Die Stationen liegen in der Flur an ruhigen Orten und laden zum Innehalten ein. Der als Rundwanderweg angelegte Glaubensweg kann zu Fuß, mit dem Rad oder als Busgruppe erlebt werden.

>> Weitere Informationen zum Glaubensweg gibt es unter http://www.glaubensweg.de/.