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Kirchenmusik und Verkündigung
In seinem Choral „Vom Himmel hoch da komm ich her“ - einem der bekanntesten Weihnachtslieder - lässt Martin Luther den Engel zu Wort kommen: „... ich bring euch gute neue Mär; der guten Mär bring ich so viel, davon ich singn und sagen will.“ (Evangelisches Gesangbuch 24,1). Angesichts der traditionell großen Bedeutung von Verkündigung und Predigt in der evangelischen Kirche fällt hier der Vorrang des Singens vor dem Sagen auf. Dass diese Formulierung nicht zufällig, sondern bewusst ist, zeigt sich in Luther’s Vorrede zum Septembertestament 1522, wo es heißt: „Evangelion ist ein griechisch Wort und heißt auf deutsch gute Botschaft, gute Mär … davon man singet, saget und fröhlich ist“.
Das Evangelium betrifft den Menschen in ganzheitlicher Weise. Und wenn der Mensch darauf antwortet, so will diese Antwort nicht allein aus Rede bestehen, sondern möchte Ausdruck des ganzen Menschen sein. Insbesondere im Singen drückt sich der Mensch ganzheitlich aus.
Zugleich bietet die Musik die Möglichkeit, dass sich eine Gemeinde gemeinsam „ein-stimmt“ auf das Lob Gottes und so ihre Gemeinschaft „artikuliert“. Umso schöner, wenn der Gesang der Gemeinde Unterstützung findet durch das beschwingende Orgelspiel eines Kantors oder einer Kantorin, und das Lob Gottes auch durch Chor und andere Instrumente bereichert wird. So ist Kirchenmusik „das zur Botschaft hinführende, auf die Verkündigung des Heils antwortende Handeln der Gemeinde, die mit Gesang und Spiel, im Maß der verliehenen Gaben und Kräfte, durch einzelne, durch Gruppen oder als Gesamtheit, bezeugt, was ihr in Jesus Christus zuteil geworden ist“ (Manfred Mezger, Kirchenmusik, in: Praktisch Theologisches Handbuch, Stuttgart 1970, S. 306)
Die Auswertung einer Befragung von Gottesdienstbesuchern in Bezug auf die Kirchenmusik kommt zu dem Ergebnis: „Kirchenmusik nimmt eine selbstverständliche und unverzichtbare Rolle für die Kirchgänger ein. Kirchenmusik gehört für sie … ganz einfach zum Gottesdienst.“ (Die Einstellung der evangelisch Getauften zum Gottesdienst – Thesen zur Kirchenmusik 2006). Eine EKD-Stellungnahme stellt fest: „Kirchenmusiker und Kirchenmusikerinnen ermutigen Menschen dazu, laut werden zu lassen, was im Innern schon da ist, und Echo zu sein für den Klang des Evangeliums. Kirchenmusik ist Antwort auf Gottes Wort. Als solche wird sie selbst Verkündigung und ruft zum Glauben.“ („Kirche klingt“ – Die Bedeutung der Kirchenmusik für das kirchliche Leben, 2007, S. 13). „Eine vielgestaltige Kirchenmusik ist als ein wesentliches ‚Alleinstellungsmerkmal’ der evangelischen Kirche in ihrer missionarisch-kulturellen Bedeutung für die Zukunft kaum zu überschätzen.“ (ebd., S. 23). Kirchenmusik ist demnach eine wesentliche Lebensäußerung der Kirche und nimmt teil am Verkündigungsauftrag der Kirche.






