Evangelische Kommunitäten und geistliche Gemeinschaften
Die Existenz evangelischer Kommunitäten überrascht, wo doch der Reformator und gewesene Augustinermönch Martin Luther das Klosterleben seiner Zeit aufs Schärfste kritisierte. Er entdeckte, dass Gott nicht nur in der Weltabgewandtheit eines Klosters gedient werden kann, sondern dass dies gerade in der Welt, im Alltag zu geschehen hat. Die Reformatoren sahen im monastischen Leben alles Laster der damaligen Papstkirche versammelt. Daher lehnten sie Mönch- und Nonnentum innerhalb der evangelischen Kirche ab. Dabei übersahen sie aber, dass das Mönchtum keine Erfindung der mittelalterlichen Kirche war.
Die Wurzeln des christlichen Mönchtums reichen zurück bis ins Urchristentum. Schon in der Alten Kirche war geistlich verbindliches, spirituell verdichtetes und gemeinschaftliches Leben ausgerichtet auf die Anbetung Christi und eng verknüpft mit tätiger Nächstenliebe. Die heutigen evangelischen Kommunitäten berufen sich auf diese alten Wurzeln wie auch auf die Tradition des Diakonissentums, die im 19. Jahrhundert ins Leben gerufen wurde.
In Bayern leben insgesamt rund 250 Männer und Frauen in kommunitären Gemeinschaften, die in der »Konferenz der evangelischen Kommunitäten in Bayern« unter dem Dach der Landeskirche zusammengeschlossen sind. Die evangelischen Kommunitäten richten ihr Leben nach den drei evangelischen Räten (Armut, Keuschheit und Gehorsam) aus. Sie sehen sich persönlich von Gott berufen zu einem Dienst mit Gott für den Nächsten. Spirituelle Gedanken bilden einen der Schwerpunkte im gemeinschaftlichen Leben.
Auch in den Kommunitäten macht sich der Wandel der Gesellschaft, die Entwicklung weg vom tradierten Glauben, bemerkbar. Ein Generationenwechsel steht vielfach an, aber oft mangelt es an Nachwuchs. Die Kommunitäten begegnen dem, indem sie neue Wege finden, ihre Lebensform attraktiv zu halten. Es entwickeln sich neue Formen kommunitären Lebens wie z.B. Familienkommunitäten und Basisgemeinden. Auch Nichtmitglieder können vom reichen Angebot profitieren: in Kursen, im Kloster auf Zeit oder als Tertiärgeschwister. Jede Kommunität setzt dabei ihren eigenen Schwerpunkt gemäß ihrer Ausrichtung und Form.
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