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Eröffnung und Anrufung
Gottesdienst geschieht nicht im luftleeren Raum. Ich komme aus meinem bewegten Leben und bringe meine Welt in die Kirche hinein: Das, was mich in den letzten Stunden, gar der letzten Woche beschäftigt, gefreut oder geärgert hat, meine Sorgen, meine Erfolge, meinen Streit. Dies entfaltet der Eingangsteil des Gottesdienstes in einer Art Dramaturgie.
Die Stille zu Beginn lässt mich zu mir selbst kommen und gibt mir Zeit für meine Gedanken und zum Atem holen Das Glockenläuten macht mir bewusst: Dies ist ein besonderer Tag in der Woche. Die Musik zum Eingang stimmt mich ein auf die Begegnung mit Gott.
Im Eingangslied komme ich selbst zu Wort. Aber ich singe nicht allein. Im Mitsingen der alten und neuen Texte zeigen sich die Gottesdienstbesucher als Gemeinde, die Gott feiert.
Erst jetzt tritt der Gottesdienstleiter/die Gottesdienstleiterin in Aktion. Er begrüßt die Gemeinde und macht im Votum deutlich, in wessen Namen sie versammelt ist: "Im Namen des Vaters und des heiligen Geistes". Gott, keine andere Macht steht über dieser Feier. Die Gemeinde bekräftigt das mit dem hebräischen "Amen", ja, "so ist es /so soll es sein".
Mit einem so genannten Vorbereitungsgebet wendet sich nun die Gemeinde an Gott. In den traditionellen Gottesdiensten wird an dieser Stelle das Confiteor gesprochen: Ein knappes, formelhaftes Schuldbekenntnis mit der Bitte um Vergebung ("der allmächtige Gott erbarme sich unser. Er vergebe uns unsere Sünde und führe uns zum ewigen Leben"), gefolgt von einem Zuspruch der Gnade und Liebe Gottes. Der Mensch kann vor Gott nicht bestehen. Er bedarf täglich neu der Vergebung. Dies wird zum Beginn des Gottesdienstes zeichenhaft dargestellt: Alles, was belastet und trennt wird in dieser Stunde abgelegt. Manchen widerstrebt es heute, sich Sonntag für Sonntag "klein zu machen" Sie bevorzugen das Eingangsgebet. In moderner Sprache, mit Impulsen und Elementen der Stille, geben sie dem Einzelnen Gelegenheit, vor Gott zu Besinnung zu kommen. Letztlich geschieht in beiden Formen das Gleiche: Ein Ablegen vor Gott, um unbelastet zu sein. Manche vergleichen das Eingangsgebet mit der Garderobe bei einem Besuch: ohne das Gepäck, das mich belastet, kann ich dem Gastgeber viel freier begegnen.
Der Introitus, das Psalmgebet, ist seit dem frühen Mittelalter Bestandteil des Gottesdienstes. Nur in Bayern wird er noch in den meisten Gemeinden sonntäglich noch im Wechsel gesungen, seltener gesprochen. Ursprünglich sangen sich die Mönche die Verse zu. Jedem Sonntag ist ein Psalm zugeordnet, eines jener uralten Lieder aus dem Gottesdienst des Volkes Israel, die die Fülle des Lebens - Lob und Klage, Dank und Zorn, Ermutigung und selbst das Bedürfnis nach Rache - vor Gott bringen.
Meist unmittelbar daran schließen sich Kyrie und Gloria an – ebenfalls Wechselgesänge zwischen dem Liturgen /der Liturgin und der Gemeinde.
Kyrie eleison – Herr erbarme dich
Christe eleison - Christe erbarme dich
Kyrie eleison – Herr erbarm dich über uns.
Mit diesem Huldigungsruf, der in der Antike weltlichen Herrschern galt, bekennen die Christen, dass allein Gott die Anbetung gehört. Seine Herrschaft steht über aller weltlichen Macht – und relativiert die Absolutheitsansprüche totalitärer Staaten. Der dreimalige Ruf erinnert daran, dass sich Gott in drei Personen offenbart hat: Als Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Das Gloria (Ehre sei Gott in der Höhe – und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen) und das nachfolgende Lied bestärken diese Aussage: Allein Gott in der Höh sei Ehr.
Nach dem Ankommen und Ablegen vor Gott, nach dem Gesang seiner Herrlichkeit und dem Bekenntnis zu seiner Macht, ist der Gottesdienstbesucher eingestimmt auf die Begegnung mit Gottes Wort. Im Tagesgebet oder Kollektengebet, das nichts mit der später eingesammelten „Kollekte“, sondern mit seinem zusammenfassenden Charakter zu tun hat, wird das Thema des Gottesdienstes benannt und auf die Lesungstexte hingeführt. Kennzeichnend für dieses Gebet ist seine strenge, altertümlich anmutende Form. Jahrhundertelang wurde es vom Liturgen auf einen Ton gesungen.





