Wochenlied: 128
Pfingstsonntag
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Fröhliches Fest der Dankbarkeit
Von Oberkirchenrat Dr. Hans-Martin Weiss
München (epd). "Derzeit haben viele Menschen ein besonderes Interesse daran, ihr Leben fröhlich zu gestalten: Im Spätsommer und Frühherbst ist der Festkalender gut gefüllt – beispielsweise mit der ,Wiesn' in München und der ,Färder Kärwa' in Fürth. In diesem Festkalender hat das Erntedankfest seinen festen Platz, insbesondere in den Kirchengemeinden. Gerade in den Landgemeinden sind die Kirchen wunderschön mit Erntegaben geschmückt. Aber auch in städtischer Umgebung wird dieses Fest intensiv begangen.
Ich erinnere mich gerne an die Erntedankgottesdienste in meiner früheren Gemeinde der Himmelfahrtskirche München-Pasing: Das war stets ein Familiengottesdienst bei vollbesetzter Kirche, auf den wir uns intensiv vorbereitet haben. Zu den Erntegaben zählten viele Blumen: Die wurden nach dem Gottesdienst mit einer Grußkarte an die Gottesdienstbesucher verteilt und von ihnen weiter getragen zu bettlägerigen Gemeindegliedern. So und anders haben viele Gemeinden ihre Erntedanktradition.
Am Erntedanktag ist der Gottesdienstbesuch besonders hoch: ein fröhliches Fest der Dankbarkeit wird da gefeiert! Oft ist dabei die Rede von Gottes guter Schöpfung, die uns Leben ermöglicht. Im 104. Psalm wird diese gute Schöpfung ganz intensiv gepriesen: ,Herr, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weislich geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter!'
Es erscheint mir dringlich, diese Rede von Gottes Schöpfung und solche Art der Achtung und des Lobpreises auch außerhalb von Erntedankgottesdiensten zu pflegen. Viel zu sehr hat sich etwa die Redeweise eingeschlichen von der "Nahrungsmittelproduktion". Von Feldern und Wiesen wird gesprochen wie von Fabriken, in denen der Geist und die Hand des Menschen das Wachsen und Gedeihen lenken. Hier laufen verschiedene Diskussionen: über gentechnisch veränderte Lebensmittel, über die Herstellung von Treibstoffen aus Lebensmitteln und so fort.
Mir ist wichtig, dass dabei doch immer wieder Gedanken der Heiligen Schrift zu Wort kommen und uns Orientierung geben sollten. Dass die Erde voll ist von Gütern, die Gott weislich geordnet hat, gilt es täglich wahrzunehmen.
Das Staunen darüber, wie alles in einem großen sinnvollen Zusammenhang steht, regelmäßig einzuüben, kann gut tun. Im Licht solcher Empfindungen lässt sich das eigene Reden über die Natur und ihre Zusammenhänge selbstkritisch überdenken.
Ich bin überzeugt, dass biblische Schöpfungsgedanken nicht überholte Betrachtungsweisen transportieren. Vielmehr mache ich immer wieder die Erfahrung, dass sie unser Menschsein und seine Bedingungen in angemessene und sachgemäße Perspektiven rücken. Das ändert nicht nur unsere Sprache, sondern auch unser Bewusstsein. Wir können fröhlich sein, weil wir dankbar sein dürfen. Und das ist wahrhaftig ein Grund zum Feiern."
Der Autor, Oberkirchenrat Dr. Hans-Martin Weiss, ist Regionalbischof des Kirchenkreises Regensburg



