"Das passt zu mir!"

"Was ziehe ich bloß bei meiner Konfirmation an?" Diese Frage bereitet vielen Jugendlichen Kopfzerbrechen. Konfiweb, das Konfirmandenportal der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, hat zwei ehemalige Konfirmanden gefragt, was sie zu ihrer Konfirmation getragen haben und warum ausgerechnet diese Kleidung. Wir präsentieren: Clara aus Feldafing und Julius aus Starnberg!

Der Stoff ist seidig, fließend, weich, umspielt locker-leicht ihre Beine. Prüfend dreht sich Clara (Foto unten) vor dem Spiegel hin und her, beguckt sich kritisch von oben bis unten. Ihre Freundin Kim ist neugierig, steckt den Kopf in die Umkleidekabine. „Und?“, fragt sie aufgeregt, guckt gespannt auf ihre Freundin Clara. Die wirft noch einen Blick in den Spiegel. Dann breitet sich ein Lächeln über ihr Gesicht. „Super, das nehme ich!“, die Schülerin strahlt: sie hat das perfekte Konfi-Kleid gefunden!

Clara ist 14 Jahre alt und kommt aus Feldafing bei Starnberg, ungefähr eine Stunde von der Stadt München. Die eben beschriebene Szene in der Umkleidekabine ereignete sich im Frühling 2009, kurz bevor Clara konfirmiert worden ist. Es war an einem Samstag im April, als die Schülerin mit ihrer 15-jährigen Freundin Kim mit der S-Bahn extra nach München düste: um ein komplettes Konfi-Outfit zu suchen, ein Kleidchen, ein Kettchen und schöne Schuhe. „Ich hatte eine bestimmte Vorstellung im Kopf“, erzählt Clara. „Mein Idealkleid war schneeweiß und mit Spaghettiträgern, von der Länge her bis zum Knie.“

„Lass uns da jetzt echt mal reingehen“

Die beiden Freundinnen hatten was zu Trinken mitgenommen, wollten später beim Shoppen eine Pause einlegen, in irgendeinem Café in der City. Erstmal aber hieß es: Kleid suchen gehen! „Wir haben überall gesucht, haben bei ,Ludwig Beck’ und beim ,Fashion Club’ geguckt, aber das war alles so schrecklich teuer“, grinst Clara. Mehr als 100 Euro wollte sie nicht ausgeben, zumindest nicht alleine für das Kleid. Die beiden waren schon ganz verzweifelt, „da kamen wir an einem ,H&M’ vorbei. Und da hab ich zu Kim gesagt, ,lass uns da jetzt echt mal reingehen, vielleicht finden wir da was!’“, erzählt Clara.

Und da hing es: ein Kleid, champagnerfarben, im supersüßen Baby-Doll-Stil. „Ich habe es gesehen und habe sofort gedacht: ,Das ist schön! Das probiere ich an! Das passt zu mir!“, lächelt Clara. Ein paar Stirnrunzelmomente in der Umkleidekabine hat es dann schon noch gegeben, „irgendwie habe ich dann doch gedacht, ,hm, vielleicht doch nochmal woanders gucken? Vielleicht ist woanders noch ein besseres Kleid?’“, erinnert sich die Schülerin lachend. Aber nein, dann hat sie sich doch gleich entschieden und den champagnerfarbenen Traum eingepackt. Fand danach noch hohe zarte Riemchenschule, „richtige High Heels!“ und ein Halskettchen „mit einem vanille-cremefarbenem Stein“. Fertig war das Konfi-Outfit!

„Ich wollte schon immer Stöckelschuhe!“

Bei der Konfi selbst, im Mai 2009, hat sie mit ihrem Kleid dann herausgestochen, „die meisten anderen Mädchen hatten eher was Dunkles an. Ich wollte aber gerne was Helles, ich finde, das passt besser, zu so etwas Schönem, Fröhlichem, wie die Konfi.“ Und weil die so schön und so fröhlich ist, war es Clara auch ganz wichtig, zu diesem Anlass etwas Besonderes anzuziehen. „Ich wollte schon immer unbedingt mal Stöckelschuhe anziehen! Auch wenn ich dann gemerkt habe, dass man auf denen nicht besonders gut laufen kann“, erzählt Clara augenzwinkernd. Im Großen und Ganzen aber wollte sie „die Gelegenheit nutzen, mich mal so richtig schick zu machen. Das kommt ja so schnell nicht wieder“.

Diesen Gedanken hatte auch Julius, 14 Jahre, aus Starnberg. Julius ist ebenfalls im Mai 2009 konfimiert worden, und zu seiner Konfi sollte der Schüler eigentlich seine erste eigene Armbanduhr bekommen. „Mein Onkel wollte mir die schenken. Ich trage aber keine Uhren, ich mag das nicht, so am Handgelenk. Da hat er gesagt, ,hey, wie wär’s: ich schenk Dir einen Anzug zur Konfi.“ Ein Angebot, das Julius reizvoll fand. „Mein Onkel ist Geschäftsmann, der trägt selbst immer Anzüge“, und irgendwie sah das ja immer schon ganz cool aus. Da überlegte Julius, ,klar, warum nicht? Mal sehen, wie ich im Anzug aussehe!’

„Man sieht viel älter, viel erwachsener aus!“

Dachte es und machte sich mit seinem Onkel auf den Weg mit der S-Bahn ins benachbarte Nürnberg. „Es war an einem Tag in den Osterferien, wir wollten einen richtigen ,Männerstadttag’ einlegen und solange suchen, bis wir alles haben, einen Anzug, ein Hemd und passende Schuhe.“ Stundenlang zogen sie von Laden zu Laden und stießen dann schließlich auf einen braunen Anzug, einem schwarzen Hemd zum drunter ziehen. Anfangs beäugte sich Julius schweigend in der Umkleide, „das war erst ein bisschen ungewohnt. Ich hatte ja noch nie einen Anzug an. So richtig hab ich mich da nicht wohl drin gefühlt.“ Was würden wohl die anderen sagen, wenn sie ihn so sähen? Bei der Konfi steht man ja im Mittelpunkt, alle gucken einen an, und man fühlt sich alleine deswegen schon ganz komisch. Und wenn man sich dann auch noch in den Klamotten nicht so wohl fühlt, bewegt man sich ja auch nicht so sicher: Was würden die anderen dann wohl über ihn denken?

Julius überlegte hin und her. Schließlich warf er alle Zweifel über Bord, kaufte mit seinem Onkel den Anzug, der ihn von Augenblick zu Augenblick immer mehr gefiel, „gerade weil diese Klamotten so anders waren“, lächelt Julius im Rückblick. „Da sieht man ja viel älter drin aus, viel erwachsener. Und irgendwie ist das total cool.“

Text: Almut Steinecke

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