Am Grab

GrabNach der Trauerfeier in einer Kirche oder Trauerhalle am Friedhof zieht die Trauergemeinde zum Grab. Hinter dem Kreuz, das als Zeichen für die Hoffnung auf die Auferstehung vorneweg getragen wird, folgen der Sarg, die bzw. der Geistliche und die engsten Angehörigen. So vorhanden wird die Totenglocke geläutet. Manche Trauerzüge werden von Musik begleitet.

Am Grab angekommen wird der Sarg von den Sargträgern in das Grab abgelassen. Dieser Moment ist für die Angehörigen sehr schmerzhaft. Erstmals verschwindet der Sarg aus ihrem Blick und kommt dort an, wo er seine letzte Ruhestätte gefunden hat.

Die Pfarrerin bzw. der Pfarrer spricht zunächst ein stilles Gebet am offenen Grab und wendet sich dann mit einem Schriftwort an die Trauergemeinde. Es folgt der dreimalige Erdwurf mit den Worten: Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub.

Gott, du bringst Leben hervor und nimmst es wieder auf. Voll Vertrauen auf deine Liebe und Barmherzigkeit nehmen wir Abschied von … Wir legen sie/ihn in deine Erde:
Erde zu Erde
Asche zu Asche
Staub zu Staub.
Wir tun dies in der Hoffnung, die uns in Jesus Christus gegeben ist.

Ein Bibelwort zur Auferstehung der Toten schließt sich an. Dann betet die versammelte Trauergemeinde das Vaterunser und erhält zum Abschluss der Trauerfeier den Segen durch die bzw. den Geistlichen.

Kondolieren am Grab

Schlafender Engel mit Kranz

Bitte, Herr Pfarrer, sagen Sie noch an...:
„Von Beileidsbezeigungen bitte ich auf Wunsch der Angehörigen Abstand zu nehmen.“ Pfarrerinnen und Pfarrer können solche Wünsche am Ende der Trauerfeier weitergeben. Oder in der Traueranzeige wurde der entsprechende Hinweis abgedruckt. Die Hinterbliebenen drücken damit aus, dass Sie in Ihrer Trauer auf Distanz gehen wollen.

Aber: Ist es wirklich gut? Nimmt man sich etwas, das trägt und stützt? Sind nicht eine stumme Umarmung und ein herzlicher Händedruck gerade jetzt das beste Zeichen wohltuender Zuneigung? Oder herrscht die Angst vor, dass man sich vor ungewollten Bezeugungen nicht schützen kann?

Wenn Pfarrerinnen und Pfarrer gebeten werden, Sätze wie oben zu sagen, dann meistens aus der Sorge: „Ihr könnt mir in diesem Moment nichts geben. Ich habe Angst vor euren Worten und Gesten – so stark bin ich nicht“.

Es ist gut und richtig, wenn Hinterbliebene mit sich selbst rücksichtsvoll umgehen und sich vor Überforderung schützen. Wir wollen aber die Chance nutzen und hier die Frage stellen: Erfüllt der Tod nicht alle Menschen mit Angst und Furcht? Und könnte nicht das Begräbnis eine Möglichkeit sein, wo sich die Sterblichen ihre Verbundenheit durch Worte und Gesten ausdrücken?

Mit Ihrem Wunsch, auf Beileidsbezeugungen am Grab zu verzichten, verunsichern Sie eventuell die Trauergemeinde: Andere wissen dann nicht, wann, wo und ob sie Sie überhaupt auf Ihre Trauer ansprechen dürfen und meiden evtl. aus Unsicherheit den Kontakt mit Ihnen. Oder Sie verschieben evtl. für sich selbst das Problem: Man spricht Sie vielleicht später in anderen Situationen auf Ihre Trauer an, in denen es nicht passt. Wenn Sie unsicher sind, wie Sie mit den Beileidsbezeugungen umgehen wollen, können Sie diese Frage mit Ihrer Pfarrerin bzw. Ihrem Pfarrer besprechen.

Grabreden und Nachrufe

Lebensbuch als GrabschmuckGrabreden und Nachrufe können sehr hilfreich sein, weil Arbeitgeber, Kollegen und Freunde tröstende Worte finden. Manchmal sind Nachrufe aber auch belastend für die trauernden Angehörigen. Die Regel heißt: Es soll nur das am Grab gesagt werden, was die Verstorbene bzw. den Verstorbenen ehrt und gleichzeitig den Angehörigen gut tut.

Innerhalb der Abfolge der Bestattung werden die Grabreden in der Regel zwischen dem Segenswort der bzw. des Geistlichen und dem letztmaligen Herantreten der Angehörigen an das offene Grab gehalten. Dieser Moment ist belastet, denn viele Angehörigen fürchten sich vor dem letzten Schritt ans Grab. So ist der durch die Grabrede gewährte Aufschub vielleicht eine willkommene Zeitspanne von der man hofft, sie möge nie vorüber gehen.

Im Angesicht des Todes ist es besonders schwierig, etwas Sinnvolles und Eindeutiges zu sagen. Die Situation ist aufgeladen mit Erinnerungen, Mehrdeutigem und Symbolen. Die Trauer engt die Wahrnehmung ein und führt zu befremdlichem Empfinden. Es gibt noch weitere Gründe, warum die Worte am Grab, sei es als Grabrede oder Nachrufe, besonders sorgfältig zu wählen sind.

Manchmal ist es besser, die Worte am Grab zurückzuhalten und eine Woche nach der Beerdigung ein paar persönliche Zeilen an die zu schreiben, die jetzt in großer Trauer sind. Es tut gut zu wissen, dass man mit seiner Trauer nicht allein ist.

Bitte achten Sie bei der Wahl Ihrer Worte darauf, dass Sie Ihre – tief empfundene und ehrliche – Trauer den Angehörigen nicht noch zusätzlich aufladen.