"Besser als Halloween"

(c) MerzSeit 2003 gibt es in Wernberg-Köblitz (Oberpfalz) das jährliche „Reformationstagsläuten“ für Kinder. „Ich hatte keine Lust auf Halloween“, erklärt Pfarrer Stefan Merz die Entstehung dieser Tradition. Er wollte weder den Kindern, die am 31. Oktober an seiner Tür klingelten, die gewünschten Süßigkeiten einfach zustecken, noch Ihnen mit einem strengen Verweis auf den Reformationstag den Spaß verderben.

Glockenläuten und Altardecken

„Also habe ich alle Kinder, die an der Türe klingelten, für 19 Uhr zur Kirche eingeladen. Dort habe ich ihnen dann erklärt, warum ausgerechnet an Halloween, also am Vorabend von Allerheiligen der Reformationstag ist.“ Vier Kinder durften die Glocken einschalten, um den Feiertag einzuläuten. Dann wurde gemeinsam der Altar für den Festgottesdienst am foglenden Sonntag gedeckt: rot in der Farbe des Reformationsfests. Ein gemeinsames Vaterunser beendete die gemeinsame "Andacht", bevor die Kinder die Glocken wieder ausschalten durften.

Lutherbonbons und Zitronensaft

Heute weiß in der Ortschaft jedes Kind, dass, wer an Halloween zur Kirche kommt, nicht mit leeren Händen wieder geht, aber dafür auch etwas tun darf. Denn „Süßes und Saures“ gibt es dann natürlich auch – im Gemeindesaal bei Lutherbonbons und Zitronensaft. „Zuerst gab es nur die Zitrone“, schmunzelt Stefan Merz. „Sie wollten ja ‚Süßes oder Saures’.“

Thesenanschlag einmal anders

In den vergangenen Jahren hat Merz in dem katholisch geprägten Wernberg-Köblitz schon einiges unternommen, um den Reformationstag zumindest den Jüngsten ins Bewusstsein zu bringen: So ließ er malen, wie sie sich ihre Kirche wünschen und schlug zusammen mit den Kindern diese Bilder als „Thesen“ an der Kirchenpforte an. Und als der 31.Oktober auf einen Samstag fiel, hängten sie gemeinsam die Kirchenfahnen für den Festgottesdienst am folgenden Sonntag heraus. Auch die Wartburg aus Playmobil, die der Pfarrer zum Reformationstag im Gemeindehaus aufgestellt hatte, kam bei kleinen Gespenstern und Vampiren gut an. Gut ausgestattet zogen sie danach wieder ab – mit Lutherbonbons und einigen neuen Geschichten über Martin Luther.