Gegen allen Augenschein
Von Oberkirchenrat Christian Schmidt
München (epd). "Wenn ich in ein Taxi steige, vertraue ich dem Fahrer mein Leben an. Ich rechne damit, dass er mich unversehrt an den Bestimmungsort bringen wird. Wir vertrauen den Ärzten das Leben unserer Angehörigen an. Grundvoraussetzung für die Heilung ist dies Vertrauen in das ärztliche Können.
Ähnlich ist es bei Gott. Ihm gilt es sich anzuvertrauen. In seine Hand dürfen wir unser eigenes Leben legen. Er will, dass wir besonders in Zeiten der Not Krankheit und Gesundheit, Leben und Tod, Leistung und Versagen in diese Hand legen und ihm alles anheimstellen. Zum Vertrauen muss dann die Geduld kommen. Im Neuen Testament bedeutet das griechische Wort dafür zunächst: der Wille, unter der mir aufgelegten Last zu bleiben. Oft meinen wir, Lasten seien dazu da, abgeschüttelt zu werden, wenn sie uns zu schwer werden. Umgekehrt lernen wir aber: Sie sind dazu da, so lange vonuns getragen zu werden, wie Gott es will.
Zu Vertrauen und Geduld muss das Gebet kommen. Es ist der Ort, an dem sich alles entscheidet: ob sich ein Herz in Verzweiflung oder in Hass vor Gott und den Menschen verschließt oder aber, ob es sich seinem Gott gegenüber öffnet. Denn beten heißt mit Gott reden. Wir haben einen lebendigen Gott, der mit sich reden lässt, der hört und dann antwortet. Wichtig dabei ist, dass wir mit diesem Gott im Gespräch bleiben.
Vielen Menschen kommen in den Tagen um den Ewigkeitssonntag immer wieder notvolle Gedanken. Denkt man doch in diesen Tagen mehr als sonst an die Vergänglichkeit, an die Endlichkeit unseres Lebens. Gerade der Ewigkeitssonntag führt uns auch auf den Friedhof. Die Ewigkeit kommt ins Blickfeld. Da wird es hilfreich sein, sich gegen allen Augenschein der Erfahrung nicht von Gott und der Hoffnung auf ihn und das neue Leben abbringen zu lassen. In Vertrauen, Geduld und Gebet. Denn dann bleiben unsere Gedanken nicht an den Gräbern stehen und unser Blick wird über das Grab hinaus gerichtet auf den kommenden Herrn. Es tut gut zu wissen: ,Der Herr wird dein ewiges Licht sein, und die Tage deines Leides sollen ein Ende haben'(Jesaja 60,20).
Mit diesem Wissen kann man getrost leben. In diesem Bewusstsein kann man getrost und getröstet vom Friedhof wieder nach Hause gehen und so manche dunklen Tage und Nächte bestehen. Es gehört auch zum Bedenken am Ewigkeitssonntag, dass wir unsere Toten im Licht des auferstandenen und kommenden Jesus Christus sehen und vielleicht bringen wir es sogar fertig, wenn wir an diesem Tag an sie denken,
mit den Worten des Kirchenvaters Hieronymus zu beten: ,Wir wollen nicht trauern, dass wir sie verloren haben, sondern dankbar dafür sein, dass wir sie gehabt haben, ja auch jetzt noch besitzen. Denn wer heimkehrt zum Herrn, bleibt in der Gemeinschaft der Gottesfamilie und ist uns nur vorausgegangen.'"
Oberkirchenrat Christian Schmidt ist Regionalbischof im Kirchenkreis Ansbach-Würzburg


