Den Herzschlag der Reformation zum Klingen bringen

Initiator und Organisator von "366+1": Klaus-Martin Bresgott

„366 + 1 – Kirche klingt 2012“: so lautet der Titel der Kampagne zum neuen Jahr der Kirchenmusik, die das Kulturbüro der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) gemeinsam mit den Musikern der Landeskirchen für 2012 veranstaltet. Denn das neue Jahr ist das Jahr der Kirchenmusik, in dem es an jedem Tag im Jahr quer durch alle Bundesländer ein Konzert geben soll, so der Plan. Und wo ist der Auftakt zu „366 +1“? Natürlich in Bayern!

„Musik verbindet – über Glaubensunterschiede, Generationen und Grenzen hinweg. Deshalb habe ich gerne die Schirmherrschaft über dieses herausragende Projekt im Themenjahr Reformation und Musik übernommen“. Mit diesen Worten würdigt Bernd Neumann, der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien die Kampagne „366 + 1 – Kirche klingt 2012“. Sie wird veranstaltet vom Kulturbüro der EKD und den Musikern der Landeskirchen.

„Im Miteinander Tausender bringen mit ,366 + 1 – Kirche klingt 2012' die verschiedensten Musici bundesweit einen künstlerischen Schatz der Reformation in vielfältiger Tradition zum Klingen: ihre Musik“, informieren die Veranstalter. An allen 366 Tagen des Schaltjahres 2012 soll es vor diesem Hintergrund ein Konzert geben, beginnend am 1. Januar 2012, endend am 31. Dezember 2012. "Die Idee ergab sich aus der eigenen Praxis", verrät Initiator und Organisator Klaus-Martin Bresgott, 45. "Jahrelang war ich als freiberuflicher Musiker bundesweit unterwegs und stellte fest, dass es überall agile Kirchenmusiker und eine ermutigende kirchenmusikalische Arbeit gibt – aber niemand weiß so recht vom anderen. Jeder und jede ackert auf je eigenem Feld. Ein gegenseitiges Zuhören oder eine thematische Zusammenarbeit findet außerhalb der kirchenjahreszeitlichen Verbindung kaum statt."

Mit allen Kantoren eins sein in der Auswahl der Leit-Lieder

Mit „366 + 1, Kirche klingt 2012“ sollte die Möglichkeit geschaffen werden, unter einer gemeinsamen Idee gemeinsam zu musizieren und durch den Stafettencharakter nicht nur voneinander zu wissen, sondern sich auch gegenseitig zuzuhören, so Bresgott: "Das haben wir beispielsweise durch die Übergabe der Chronik so angeregt: Ich kann als Konzertveranstalter entweder bei meinem Vorgänger zu Gast sein, um dort die Chronik abzuholen – oder ich trage die Chronik weiter zu meinem Nachfolger und kann erleben, wie er musiziert, was er aus der gemeinsamen Idee macht."    

Jeden Tag in 2012 ein Konzert, konsequent an jedem Tag im Jahr, quer durch sämtliche Landeskirchen, ein klingendes Band, das seinen Bogen mithilfe sowohl professioneller Ensembles als auch Bläserchören kleiner Dorfkirchen von Ort zu Ort quer durch die Bundesrepublik spannt – dahinter steckt ein wahnsinniger organisatorischer Aufwand, bestätigt Bresgott. "Der Aufwand, den jede mitwirkende Gemeinde für ihr eigenes Konzert betreibt, vervielfältigt sich in der Vorbereitung von 367 Konzerten und den besonderen Kriterien, durch alle Landeskirchen und Bundesländer zu laufen, bestimmte jahreszeitliche Notwendigkeiten zu berücksichtigen (wie etwa die Sommerzeit an Nord- und Ostsee oder die Reformationszeit in Mitteldeutschland)  – und schlussendlich auch mit allen Kantorinnen und Kantoren eins zu sein in der Auswahl der Leit-Lieder etc.", erzählt der Initiator. 

Chor- und Orchesterkonzerte - musikalische Gottesdienste und Soireen

"Begonnen habe ich mit den Vorarbeiten im November 2009; seit dem Frühjahr 2010 ging es dann in die konkrete Vorbereitung einer etwaigen Routenführung, die alle Landeskirchen und Bundesländer berücksichtigt. Parallel dazu ging eine kreative Runde in die Vorbereitung und Auswahl der Leit-Lieder und des daran geknüpften Chorbuches ,Frau Musica spricht … Chorbuch Reformation' (Bärenreiter Verlag), für das bundesweit Komponisten und Kompositionsklassen angefragt wurden, um dem Projekt ein innovatives Chorbuch an die Hand geben zu können, das die Vernetzung durch das gemeinsame Nutzen reformatorischen Liedgutes im neuen musikalischen Gewand beflügeln sollte."

Die Jahre 2010 und 2011 schließlich hätten der Vernetzung untereinander gedient, sowie der Klärung notwendiger Bedingungen und Absprachen mithilfe der Wochenmanager, Kantorinnen und Kantoren, die in ihren Regionen jeweils eine Woche organisiert und unter ihren Fittichen haben; So kämen nun tatsächlich alle 366 Tage des Jahres, alle 52 Wochen 2012 jeweils in großer Unterschiedlichkeit zum Klingen, freut sich Bresgott. "Mit Chören, Bläsern, Orgel- und Orchesterkonzerten, mit musikalischen Gottesdiensten und Soireen."

"Musik als Mittlerin für den Einklang mit sich selbst und in der Gesellschaft"

Er hofft, dass "366+1" die Zuhörer ebenso berührt, wie die Schaffenden. "Die Musizierenden selbst erfahren immer wieder, wie Musik verbindet und die Seele resonant werden lässt", sagt Bresgott. "Menschen, die in ihrem Alltag auf den unterschiedlichsten Pfaden unterwegs sind, verbindet die Musik in Probe und Konzert zu einer klingenden, erfüllten Gemeinschaft. Genauso ergeht es den Hörenden – sie erfahren die Musik als Mittlerin für den Einklang mit sich selbst und in der Gesellschaft. Diese Urerfahrung, über die schon Martin Luther gesprochen hat, möchten wir zu einem Erlebnis werden lassen."

Darüber hinaus sei es den Veranstaltern ein Anliegen, "die Strahlkraft reformatorischer Musik und ihre enge Verbindung mit dem muttersprachlichen Wort als ein besonderes Kulturgut" wertzuschätzen und "die Qualität unserer Lieder und Motetten in den Fokus nehmen. Dafür ist unter anderem eigens für dieses Themenjahr ,Reformation und Musik' auch die CD ,BOTEN' (edition chrismon) mit einem Stammbaum der deutschsprachigen geistlichen Chormusik von Johann Walter bis Hugo Distler, von Martin Luther bis Dietrich Bonhoeffer erschienen".      

Sich bewegen lassen vom Herzschlag der Reformation: von der Musik

Alle Konzerte sind in der Regel kostenfrei. "Sie sind eine Einladung an uns alle, im Rahmen der Lutherdekade im Themenjahr ,Reformation und Musik" den Herzschlag der Reformation - die Musik - wahr zu nehmen und sich von ihrer Kraft bewegen zu lassen", sagt Bresgott. "Dass dies so möglich ist, verdanken wir insbesondere der wohlwollenden Unterstützung seitens des Staatsministers bei der Bundesregierung und Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Bernd Neumann, und der Projektgruppe Reformationsjubiläum des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie den verantwortlichen Stellen im Kirchenamt der EKD."   

Ihren geheimnisvollen Namen hat die Kampagne, weil an 366 Tagen 367 Konzerte erklingen, was Bresgott mit dem „Geheimnis Osterns“ erklären: "Am Karsamstag und Ostersonntag gibt es nicht nur zwei, sondern sogar drei Konzerte. Dies liegt in der christlichen Osterbotschaft begründet, die in der Osternacht ihren Anfang nimmt. Das Konzert +1 - in der Osternacht - wird in der Frauenmünsterkirche in Fritzlar gefeiert werden."

Und wo ist der Auftakt? Natürlich in Bayern!

Michael Bresgott blickt mit Spannung auf das neue Jahr. "Der nicht zu leugnenden Erschöpfung einer überaus vielfältigen Vorbereitung mit den unterschiedlichsten Menschen und Traditionen von Westerland bis Konstanz, von Bottrop bis Görlitz weicht in diesen Tagen die Vorfreude und Neugier, wie unser gemeinschaftliches Planen und Vorbereiten schlussendlich gelingen wird", sagt er. "Noch hat niemand vor uns eine derart umfängliche Stafette über 367 Stationen an 366 Tagen gewagt. Wir wissen, dass nur die gemeinsame Anstrengung Aller zum Gesamtgelingen beiträgt und der Staffelstab – das Überbringen der Chronik von Tag zu Tag – nirgends fallen darf. Aber wir sind frohgemut in dem Vertrauen, dass es Hand in Hand und mit dem richtigen Ton gelingen wird und wir einem leuchtend klingenden Lauf durch das Jahr entgegen sehen dürfen."

Und wo ist der Auftakt zu "366+1"? Natürlich in Bayern! "Wenn wir an Neujahr den Auftakt in St. Anna in Augsburg mit der prachtvollen Bach-Kantate ,Nun danket alle Gott' im Dabeisein von Landesbischof a.D. Dr. Johannes Friedrich feiern, ist der klingende Reigen eröffnet. Die Musikerinnen und Musiker und ihre Gemeinden sind bestens vorbereitet. Dafür danke ich ihnen herzlich. Ich freue mich sehr, die Stafette in den ersten Tagen von Augsburg über Miesbach und München bis Erlangen begleiten zu können und werde dies übers Jahr immer wieder tun. Wer aus der Ferne dabei zuschauen will, wird auf www.ekd-366plus1.de die Reise verfolgen können.     

Alle weiteren Konzerttermine für Bayern finden Sie hier!
Sämtliche Informationen zu „366 + 1“ gibt es hier!

Zur Person: Klaus-Martin Bresgott M.A. - ist Initiator und gemeinsam mit den Wochenmangerinnen und Wochenmanagern auch Organisator von "366+1 - Kirche klingt 2012". Der studierte Germanist und Kunsthistoriker ist Referent im Kulturbüro der EKD und selbst Sänger und Chorleiter; seine Gesamtaufnahme der "Geistlichen Chormusik op. 12 und der Weihnachtsgeschichte op. 10" von Hugo Distler wurde 2008 mit dem "Preis der Deutschen Schallplattenrkitik" gewürdigt. Ein großer Erfolg wurde auch 2010 seine Einspielung "O Heiland, reiß die Himmel auf – Vergessenen Strophen der Weihnacht" mit dem Ensemble Athesinus Consort Berlin