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Ein Gottesdienst - viele Aktive
„Die Kirche hält der Pfarrer“ – weit gefehlt! Der Gottesdienst entsteht in dem Zusammenspiel vieler unterschiedlicher Kräfte und Gaben. Die Harmonie von Wort und Musik, die Gestaltung des Kirchenraums, alles bedarf der Vorbereitung und der feinen Abstimmung – auch wenn man das häufig nicht sieht. Aber wir erleben es, wenn der Gottesdienst einfach „stimmt“. Wenn die Musik die Seele berührt, wenn sich die Schönheit und Ruhe des Kirchenraums auf die Gottesdienstbesucherinnen und Gottesdienstbesucher übertragen und ein Wort zu Herzen geht, dann ist der Gottesdienst so, wie er gemeint ist: ein Gesamtkunstwerk. Die Menschen, die den Gottesdienst Woche für Woche ermöglichen, sollen hier vorgestellt werden.
Pfarrerinnen und Pfarrer
Sie sind die „Frontfrauen und –männer“ der Gemeinde, die den Ablauf des Gottesdienstes koordinieren. Sie bürgen dafür, dass der Gottesdienst wöchentlich stattfindet und stellen den Gottesdienstplan auf. In der Predigt legen sie die Bibel aus, sie sprechen mit den Kirchenmusikern die Lieder ab, und feiern das Abendmahl und sind „Vorbeter“ der Gemeinde. Sie führen die Gemeinde in die Begegnung mit dem Gott und sprechen der Gemeinde seinen Segen zu. Mehr zum Berufsbild von Pfarrerinnen und Pfarrern finden Sie hier.
Prädikantinnen und Prädikanten
Die biblische Botschaft in Worte zu fassen, in heutige Sprache, für die heutige Zeit: das ist nicht nur eine verantwortungsvolle Aufgabe für hauptamtliche sondern auch für ehrenamtlich engagierte Mitglieder der Kirchengemeinde. Dazu betraut die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern auch nicht ordinierte Mitglieder mit dem Predigtamt und der Sakramentsverwaltung: die Prädikantinnen und Prädikanten. Persönliche Eignung, eine umfangreiche theologische Fortbildung und eine Einsegnung in ihr Amt befähigt sie dazu. Neben der Freude, von ihrem Glauben zu sprechen und dem theologischen Interesse bringen Prädikantinnen und Prädikanten ihren ganz eigenen Hintergrund mit: ihre Lebens-, Berufs-, und Glaubenserfahrung. Auch nach Abschluss der offiziellen Ausbildung bietet die Kirche zahlreiche Weiterbildungsangebote, in denen Prädikantinnen und Prädikanten mehr zu Themen wie Predigtbearbeitung, Gesangbuch, Predigtlehre und Rhetorik erfahren. Im Gottesdienst sind sie meist an einem schwarzen Talar mit rotem Kragen zu erkennen. Auch Lektorinnen und Lektoren dürfen Gottesdienste halten. Sie verlesen jedoch vorgefertigte Predigten und liturgische Texte. Insgesamt mehr als 2500 Männer und Frauen üben das Prädikanten- oder Lektorenamt in Bayern ehrenamtlich aus. Nähere Informationen über die Fortbildug zur Prädikantin/zum Prädikanten erhalten Sie hier.
Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker
Wenn die Glocken verstummen und die Orgel braust, dann ist es wirklich Sonntag. Für viele ist das Schönste am Sonntagsgottesdienst die Musik: die ungewohnt mächtigen Orgelklänge und der eigene Gesang. Ganz im Sinne der Reformation – war es doch Martin Luther, der den Gemeindegesang durch seine deutschen Kirchenlieder maßgeblich vorangetrieben hat. Die Orgel dagegen war noch bei den Reformatoren umstritten. Luther gab schließlich auch dem Orgelspiel seinen Segen: Wenn es hilfreich und förderlich sei, das Evangelium aufzunehmen, und "um des jungen Volkes willen", sollten seinetwegen die Glocken läuten, die Orgeln pfeifen und alles klingen, was klingen kann.
Heute ist die Musik - gerade auch die Orgelmusik - aus den christlichen Kirchen nicht mehr weg zu denken. Und das völlig zu recht: Musik kann zum Medium religiöser Erfahrung werden, in vielen Bereichen des christlichen Lebens hat sie ihren Ort. Ermöglicht wird das durch die ca. 120 haupt- und 2300 nebenamtlichen Kirchenmusiker, die Woche für Woche in Bayerns Gottesdiensten musizieren. Sie sind viel mehr als nur „Organisten“. Sie sind Chorleiter und Sängerinnen, Expertinnen und Experten in Fragen der Liturgie und Musikgeschichte und spielen oft mehrere Instrumente. Immerhin ist evangelische Kirchenmusik ein eigener Studiengang, der in Bayern in Bayreuth studiert werden kann. Weitere Informationen zum Berufsbild des Kirchenmusikers/ der Kirchenmusikerin finden Sie hier.
Mesnerinnen und Mesner
Mesnerinnen und Mesner, auch Kirchner genannt, sind die guten Geister im Hintergrund, die dafür sorgen, dass der Kirchenraum im Winter warm ist und im Sommer gut gelüftet. Sie sind verantwortlich für die Ordnung im Kirchenraum, zünden Kerzen an und schmücken den Altar mit Blumen. Die Liedertafeln und das Glockengeläut, die richtigen Paramente („Altartücher“) und der reibungslose Ablauf beim Abendmahl sind ihr Werk. Meist wissen sie hervorragend Bescheid über Veranstaltungen in „ihrer“ Kirche, kennen die Eigenheiten der Pfarrerinnen und Kirchenmusiker und die Nöte der Gemeindemitglieder. So sind sie oft Managerinnen und Auskunft, Handwerkerinnen und Seelsorger in einer Person. Weitere Informationen zum Berufsbild des Mesners/der Mesnerin erhalten Sie hier.
Weitere Beteiligte
Die Konfirmandin, die mit dem Klingelbeutel durch die Reihe geht, der Kirchenvorsteher, der nach dem Gottesdienst Geld zählt oder die Gemeindemitglieder, die Gottesdienstbesucher an der Kirchentür begrüßen, sich ehrenamtlich um den Blumenschmuck in der Kirche kümmern und Lesungen übernehmen - sie alle spiegeln die Vielfalt der Beteiligungsmöglichkeiten am Gottesdienst wider und zeigen, wie bunt und vielfältig die Gemeinde Jesu Christi ist. Jedes Gemeindemitglied, das im Gottesdienst mitsingt und mitbetet, trägt zum Gelingen des Gottesdienstes bei.



