Zwei Beispiele für Andachten mit Demenzkranken
Beide Andachten wurden von Pfarrerin Lenore Kleinert-Holfelder gestaltet.
>> Andacht zum Thema „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen (Jes 43,1)
>> Andacht zum Thema: „Der Herr ist mein Hirte.“ (Psalm 23)
(jeweils innertext-links)
Andacht zum Thema „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen (Jes 43,1)
Vorbereitung
Um einen ovalen Tisch entsteht eine Stuhlrunde. Auf dem Tisch liegen 3 Tücher – blau, rotgold, braun in Dreiecksform, so dass in der Mitte ein Dreieck frei ist, auf das ich 2 Kerzenleuchter, das Kreuz und einen Blumenstrauß stelle. Rings um das Oval des Tisches lege ich bunte zum Dreieck gefaltete Tücher mit der Spitze zur Mitte, sich an den Seiten berührend. Auf jedem Dreieck steht ein Kerzenhalter mit einem Teelicht. Am Fuß des Kreuzes liegt ein regenbogenfarbener kleiner Handgymnastik-Ball
3x erklingt die Klangschale, dazu:
Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Gruß
Gott sei mit uns allen jetzt und alle Zeit. Amen.
Hinführung
Wir sind zusammen gekommen, um vor Gott unser Leben zu bedenken: Wer sind wir in Gottes Augen?
Zuspruch
Gott spricht: Fürchte dich nicht: Denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein. (Jes. 43,1)
Meditation über unseren Namen
Ich habe einen Namen, einen Vornamen und einen Nachnamen. Er gehört zu mir. Ich horch auf, wenn jemand meinen Namen ruft. Wenn ich gefragt werde: „Wie heißt du, wer bist du?“, dann antworte ich: „Ich heiße…“ und nenne meinen Namen. Meine Eltern gaben mir meinen Namen.
Ich gehe zurück an den Anfang meines Lebens bis zum Tag meiner Geburt. Geworden im Leib meiner Mutter, gehalten, umschlossen, geborgen kam ich zur Welt aus dem Dunkeln ins Licht. Einem Menschen, meiner Mutter, in die Arme, ans Herz gelegt, wurde ich angesehen mit Liebe, Freude und Dankbarkeit. Ich bekam meinen Namen. Ich wurde begrüßt: „Schön, dass du da bist!“
Und dann kamen andere, um mich zu sehen, zu halten, beim Namen zu nennen, ihre Freude zu zeigen: „Schön, dass du da bist!“ Dann wurde ich älter, irgendwann erwachsen. Im Laufe meines Lebens haben immer wieder Menschen zu mir gesagt: „Schön, dass du da bist!“. Bei meiner Taufe wurde mein Name, mein Leben mit Gott verbunden. Seither kennt Gott mich mit meinem Namen und ich habe Gnade vor deinen Augen gefunden. (Ex. 33,12) Gott vergisst mich nicht. Er hat meinen Namen ins Buch des Lebens geschrieben. Ja, er hat mich sogar in seine Hände gezeichnet (Jes. 49,16a). Deshalb hat Jesus gesagt: „Freut euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.“ (Lk 10, 20b)
Aktion
Namenskarten schreiben und zu den bunten Tüchern legen
Ich schreibe nun von jeder / jedem den vollen Namen auf ein Namenskärtchen und lege es auf das bunte Tuch vor ihnen. Durch die bunten Tücher sind wir alle miteinander verbunden. Wie ein bunter Regenbogen bekommen wir Licht und Glanz von Gott in unserer Mitte.
Wenn Gott zu uns spricht, wenn Gott uns bei unserem Namen ruft, fällt sein Lichtglanz auf unser Leben: „Du bist mein. Du bist mir lieb und wert. Schön, dass du da bist!“
Weiterreichen des regenbogenfarbenen Balles mit oder ohne die Worte: „Schön, dass du da bist!“
Weil Gott zu uns sagt : „Schön, dass du da bist!“ können auch wir einander oder wortlos sagen und zeigen: „Schön, dass du da bist!“. Ich nehme den Ball in meine Hände und schaue meine Nachbarin an und sage: „Schön, dass du da bist!“ So wollen wir den Ball weiterreichen. (Ich begleite den Ball, helfe aus, wo das Weiterreichen schwer fällt.)
Anzünden des Teelichtes, des Lebenslichtes.
Ich zünde nun für Jede / Jeden von uns ein Kerze bei dem Namensschild an. Denn so lange Leben in uns ist und wir atmen, wissen wir: Gottes Lebensfunke ist in uns lebendig. Und wenn mein Lebenslicht eines Tages erlischt, dann gibt Gott mir eine neue Gestalt.
Lied: Weißt du, wie viel Sternlein stehen? (Strophe 1 + 3)
Gebet
Vaterunser
Segen
Lied: Der Mond ist aufgegangen
Verabschiedung
Ich verabschiede mich namentlich und mit Händedruck von Jeder/ Jedem.
Andacht zum Thema: „Der Herr ist mein Hirte.“ (Psalm 23)
Vorbereitung
Der ovale Tisch ist gedeckt mit einer braunen Tischdecke. Auf einem gelben Tuch stehen die beiden Kerzenleuchter mit brennenden Kerzen, ein Kreuz und sechs noch nicht brennende Teelichter im Kreis, in deren Mitte ich eine Bibel lege. Es liegt eine weiße Serviette ausgebreitet auf dem Tischtuch, darauf stehen ein Blumenstrauß, ein kleiner mit Traubensaft gefüllter Glaskrug und ein leeres Glas, ein Teller mit geschnittenem süßen Brot, abgedeckt mit einer Papierserviette. Neben der weißen Stoff- Serviette steht ein Fläschchen mit gut riechendem Hautöl.
3x Klangschale dazu:
Im Namen Gottes ….. wollen wir heute Gottesdienst feiern.
Biblisches Votum zur Begrüßung
Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Ich kenne die Meinen, und sie kennen mich. Ich setze mein Leben ein für meine Schafe. (Joh, 10, 14.15)
Wir hören und erleben den 23. Psalm aus der Bibel:
Der Herr ist mein Hirte (ich stelle einen kleinen Hirten aus Holz auf die braune Tischdecke).
Mir wird nichts mangeln (Holzschafe und ein Holzhund kommen zu dem Hirten dazu).
Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser (ein dunkelgrünes Tuch lege ich hin, an das sich ein blaues Tuch anschließt. Die Figuren setze ich auf das grüne Tuch in der Nähe des blauen Tuches).
Er erquicket meine Seele (auf die Bibel lege ich ein rotes Herz).
Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen (ich lege ein hellgrünes Tuch hin und darauf kleine bunte Steine in der Form einer Straße).
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück (ich lege ein dunkelbraunes Tuch und größere Steine, die das Tal markieren, auf den Tisch).
Denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich (Hirte, Schafe und Hund stelle ich eng beieinander in das finstere Tal).
Du breitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde (ich nehme die Papierserviette vom Brotteller und reiche ihn in der Runde herum).
Du salbest mein Haupt mit Öl (ich nehme die kleine Ölflasche, mache damit eine erste Runde, lasse alle riechen und gebe etwas davon auf die Hände oder auf die Stirn und lasse sie selbst verreiben und stelle die Flasche zurück an den ursprünglichen Ort).
Du schenkest mir voll ein (ich entleere die Karaffe in das Glas und gehe mit dem Glas in die Runde und lasse den trinken, der möchte).
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar (ich stelle das Kreuz auf die Bibel und zünde die 6 im Kreis stehenden Teelichter an).
Zum Schluss spreche ich noch einmal den ganzen Psalm und zeige vertiefend auf die entsprechenden Partien auf dem Tisch.
Lied
Das wünsch ich sehr, dass immer einer bei mir wär ….
Gebet und Vaterunser
Segen
Verabschiedung
Ich verabschiede mich namentlich und mit Händedruck von Jeder/ Jedem.
Weitere Andachten und Material:
Seelsorgerliche Begleitung demenziell erkrankter Menschen. Grundlagen zur Entwicklung eines Konzeptes und Beispiele aus der Praxis, Hamburg 2004.
>> Bezug über das Diakonische Werk Hamburg, Tarpenbekstr. 107, 20251 Hamburg; Tel: 040-4669 405; info@dfa-hamburg.de.



