Zusammenarbeit der Kirchen unverzichtbar

Aufruf des Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel

Der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel (Istanbul), seine Heiligkeit Bartholomaios I., das Ehrenoberhaupt der Orthodoxen Kirchen, hat die Dritte Europäische Ökumenische Versammlung mit einem Aufruf an die Kirchen zu voller sichtbarer Einheit eröffnet. Die deutlichen Worte des ökumenischen Patriarchen wurden von den mehr als 3000 Vertretern europäischer Kirchen begeistert aufgenommen.

Bartholomaios nutzte die Gelegenheit nicht nur um die Aufgabe der dritten ökumenischen europäischen Versammlung von Anfang an klar zu benennen, sondern gab einen deutlichen Hinweis darauf wie sich die orthodoxe Welt seiner Ansicht nach Ökumene vorstellt. Das letzte Gebet Jesu Christi (Johannesevangelium Kapitel 17) beschreibt nach Bartholomaios das ökumenische Miteinander der Kirchen als ein trinitarisches Mit- und Ineinander. So wie der Sohn, Jesus Christus, in dem Vater lebt und doch von ihm unterschieden ist, müssen die Kirchen der unterschiedlichen Tradition sichtbar eins werden und doch von einander unterschieden sein. Nur so zeigt sich die Fülle Gottes und seiner Kirchen in der Lebendigkeit des Heiligen Geistes. „Dieses Vermächtnis“, so der Patriarch, “müssen wir erfüllen, damit die Welt zum Glauben komme.“. „Wir erstreben […] die Verwirklichung der vollen Gemeinschaft der Kirche mit allen Folgen, die das mit sich bringt, nicht aber eigene Interessen oder die Mehrung unserer eigenen Macht und unseres Einflusses oder übermäßige Betonung der Exklusivität und kirchlicher Einzigartigkeit.“

Der ökumenische Patriarch unterstrich ausführlich wie wichtig, ja unverzichtbar angesichts der aktuellen politischen Lage und der Nöte der Menschen weltweit, die Zusammenarbeit der Kirchen ist. Die Kirchen in Europa können dabei auf eine lange Tradition des aufeinander Zugehens bauen. Ein Weg, der für die Kirchen in Europa einen Höhepunkt in der Unterzeichnung der Charta Oecumenica 2001 in Straßburg gefunden hat. Die Charta Oecumenica nimmt die zweite ökumenische europäische Versammlung in Graz 1997 auf. Sie ist die Konzentration auf das Wesentliche. Die Charta unterstreicht die gemeinsame Glaubensbasis der Kirchen und schafft die Voraussetzung der Zusammenarbeit der Kirchen für ein neues Europa. Ein Europa, das sich für die Bewahrung der Schöpfung einsetzt, ein Europa des Friedens, indem die Menschenrechte gewahrt werden und der soziale Frieden gesucht wird und ein Europa, indem die Religionen gemeinsam für das Wohl der Menschen zusammenarbeiten. Aufgabe der dritten ökumenischen europäischen Versammlung muss sein, wie es das Thema vorgibt, Europa zu bezeugen, dass „das Licht Christi wirklich allen leuchtet“.

Von Kirchenrat Ivo Huber