Sterbehilfe
Unser Leben ist uns von Gott geschenkt vom ersten bis zum letzten Atemzug. Wer dagegen die Würde des Menschen missachtet, wer Lebensschutz nur abgestuft betreiben möchte, munter von aktiver Sterbehilfe parliert und gerne gründlich beim Selbstmord assistiert, statt Menschen bis zu ihrem letzten Atemzug liebevoll zu begleiten, der tritt die Wurzeln der Humanität mit Füßen.
Heute sind Menschen, Junge und Alte gleichermaßen, oft nur dann interessant, wenn sie Kaufkraft haben; werden sie schwach, krank, hilfsbedürftig, dement, dann denkt man schon gerne mal über aktive Sterbehilfe nach. Sie ist europaweit kein Tabu mehr – Leben scheint nur noch unter bestimmten Bedingungen lebenswert. Ein Blick in die Niederlande, auch wenn die Zahlen angeblich rückläufig sind, zeigt, wohin der Weg der fälschlich so genannten aktiven Sterbehilfe führt – die in Wahrheit Tötung auf Verlangen ist: Sterbenskranke, Pflegebedürftige, Behinderte, psychisch Kranke, Säuglinge mit Behinderungen werden getötet… Wenn der Mensch sich zum Herrn über Leben und Tod macht, dann ist die Humanität am Ende. Mittlerweile reden auch hierzulande viele der Tötung auf Verlangen das Wort.
Hinsichtlich der (ärztlichen) Beihilfe zum Suizid muss ernsthaft die Frage nach der Autonomie des Menschen diskutiert werden. Was bedeutet es für unser Verhältnis zum Leben, wenn der Mensch sich das Recht vorbehält, über sein Ende zu bestimmen, selbst zu entscheiden, wann er sterben möchte – statt eigenes Leben und Sterben vertrauensvoll in die Hände Gottes zu legen? Zu einer solchermaßen grundsätzlich veränderten Einstellung zu Leiden und Tod kommen die ungewissen, vor allem wirtschaftlichen Interessen, die mit dem Gedanken der Verfügbarkeit des Todes einhergehen.
Gar nicht so selten wird inzwischen darauf hingewiesen, was es kostet, Menschen zu pflegen, die schwer krank sind. Und: Was sind die Folgen eines solchen Mentalitätswandels im Blick auf die Ärzteschaft? In Ländern, die neben der Tötung auf Verlangen auch den ärztlich assistierten Suizid gestatten, wächst das Misstrauen gegenüber dem Arztberuf, der dazu beiträgt, Leben zu nehmen, statt es zu erhalten.
Im Namen der Humanität müssen all diese Entwicklungen höchst kritisch gesehen werden. Menschen, die ihre Situation als ausweglos empfinden, hilft man nicht mit Gift und Todespillen. Sondern mit liebevoller, zärtlicher und geduldiger Begleitung, bei Kranken mit bestmöglicher Pflege, palliativer Medizin und Seelsorge – und indem man ihnen Zeit und Nähe schenkt. Als Christenmenschen wollen wir weiter wach, bei Trost und bei Verstand die Möglichkeiten zum Lebensschutz fördern und bekannt machen, anstatt den schnellen Tod durch die Hand der Mitmenschen herbeizureden.
Autorin: Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler, Ständige Vertreterin des Landesbischofs. Die Autorin ist Mitglied der Bioethik-Kommission der Bayerischen Staatsregierung.


