Gerechtigkeit
Gedanken von Ingrid Naess Holen, Changemakers, Norwegen im Plenum, Freitagmorgen
Ein Maedchen laueft zur Schule. Ploetzlich stolpert sie und faellt der ganzen Laenge nach hin. Ihre Knie sind aufgeschuerft und die Wunde brennt.
Am naechsten Tag auf dem Schulweg geschieht es zum zweitenmal. Wieder faellt sie der Laenge nach auf den Boden, wieder verletzt sie sich. Warum faellt sie? Sie findet eine unsichtbare Schnur, die ueber die Strasse und den Gehweg in Kniehohe gespannt ist.
In den darauffolgenden Tagen stolpern viele Menschen der Stadt ueber unsichtbare Schnuere. Sie stolpern, verstauchen Arme und Beine, brechen Arme und Beine. Was tun?
Die Stadt baut daraufhin neue Krankenhaeuser, um die vielen Verletzten versorgen zu koennen.
Natuerlich ist damit das Problem nicht geloest. Aber oft verhalten wir uns in Westeuropa genau nach diesem Muster.
Statt die unsichtbaren Schnuere wahrzunehmen und abzuschneiden, versorgen wir nur immer wieder die Opfer.
Dabei bauen wir in Westeuropa viele unsichtbare Schnuere fuer unsere Geschwister in anderen Kontinenten.
Zum Beispiel mit unserem Zollsystem, das Europa abschottet, um nur ein Beispiel zu nennen.
Es geht hier aber nicht nur um eine wirtschaftliche Ungerechtigkeit, sondern in Wahrheit geht es um Leben. Diese unsichtbare Schnur behindert und verhindert Leben in Afrika.
Wir Christen sind aufgefordert nicht nur zu verbinden, sondern diese unsichtbare Schnuere wahrzunehmen und diese dann zu zerschneiden.
Christen in Europa fragen sich: Wo sind wir verantwortlich? (Das heisst, die Augen oeffnen und die Realitaeten wahrzunehmen in einer groesseren Perspektive.)
Wie koennen wir diese unsichtbaren Schnuere zerschneiden? (Das heisst, kreativ und konkret aktiv zu werden. Sich einzumischen.)
Moeglichkeiten dazu bieten sich viele.



