Die internationale Abschlussfeier der Donau-Friedenswelle

Neun Monate lang fanden zwischen Ulm und Rumänien ökumenische Gottesdienste unter dem Leitmotiv „Es ströme das Recht wie Wasser“ (Amos 5,24) sowie Veranstaltungen statt, in denen Projekte zur Gewaltüberwindung vorgestellt wurden. Zum Projekt-Abschluss am 2. Juli hatten die Bischöfe der Donau-Friedenswelle nach Neu-Ulm und Ulm eingeladen.

In der evangelisch-lutherischen Petruskirche in Neu-Ulm fand zunächst der Festakt statt. Ein kurzer Rückblick auf die Stationen des Projekts in Ulm, Niederaltaich, Wien, Komárno, Budapest und Sibiu/Hermannstadt wurde anhand einer Diashow veranschaulicht und von den ungarischen und österreichischen Schirmherren stimmungsvoll mit Musik und Gesang aus Osteuropa begleitet.

Leitbild: gerechter Frieden

Der Generalsekretär des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK), Dr. Olav Fykse Tveit, reflektierte kurz die Internationale Ökumenische Friedenskonvokation, zu der der ÖRK 1000 Delegierte der Mitgliedskirchen zum Abschluss der Dekade zur Überwindung von Gewalt nach Kingston / Jamaika eingeladen hatte. Als Netzwerkkongress – so der Generalsekretär – sei die Versammlung ein Erfolg gewesen. Es habe aber auch kritische Stimmen gegeben, die über mangelnde Austausch- und Diskussionsmöglichkeiten klagten. Gerade die Kritik werde sehr ernst genommen. Von besonderem Interesse sei für ihn die Weiterführung der Arbeit am Leitbild des gerechten Friedens.

"Menschen Heimat geben"

Nach der Kaffeepause mit Donauwelle stand der Festakt unter dem Hauptthema „Menschen eine Heimat geben“. Nicht musikalisch, sondern als ein engagierter Mann, der benachteiligten und traumatisierten Kindern und Jugendlichen Schutzräume – und damit eine Heimat – gibt, trat der Rockmusiker Peter Maffay auf. Er hatte die Schirmherrschaft für die bayerische, rumänische und württembergische Kirche übernommen und berichtete über die Arbeit seiner Stiftung. Genauer erläuterte er das jüngste Projekt – ein Therapiezentrum für Kinder und Jugendliche im rumänischen Radeln -, die die ganze Härte der sozialen Ungerechtigkeit zu spüren bekommen. Zu diesem Projekt hat der im rumänischen Kronstadt (Brasov) geborene Musiker eine besondere Beziehung. Dank seiner charismatischen Ausstrahlung und seiner Glaubwürdigkeit gewann er in kürzester Zeit das Interesse und die Herzen des Publikums. Mit Bezug auf den von ihm in den 1980er Jahren veröffentlichten Song „Eiszeit“ betonte er: „Es darf keine Eiszeit zwischen den Menschen herrschen, denn dies ist immer auch der Nährboden für Intoleranz, Hass und Fremdenfeindlichkeit. Es ist großartig, dass diese Initiative, deren Abschluss wir heute hier feiern, so viel Erfolg hatte“.

Ein buntes Kaleidoskop an Themen

Anschließend diskutierten die sechs Bischöfe der Donau-Friedenswelle die Frage, wie über das Projektende hinaus im Donauraum das Zusammenleben mit Zuwanderern und ethnischen Minderheiten in gemeinsamer Verantwortung gestaltet werden kann. Aufgrund der kompetenten und charmanten Moderation durch die Journalistin Sabine Sauer vom Bayerischen Rundfunk war die Gesprächsrunde getragen von einer Mischung aus humorvollen Beiträgen und persönlichen Migrationserfahrungen der Bischöfe. Ein buntes Kaleidoskop an verschiedenen Schwerpunkten und Herausforderungen in den einzelnen Ländern wurde dem Publikum geboten: Islamfeindlichkeit in Deutschland, Roma-Diskriminierung in Ungarn, die Situation der evangelischen Minderheit im rumänischen Siebenbürgen und vieles mehr kam zur Sprache. Am Schluss waren sich alle Bischöfe einig, dass sie die Zusammenarbeit im Donauraum nicht nur den Banken, der Wirtschaft und der Politik überlassen dürfen: „Die Friedenswelle muss weitergehen und darf nicht aufhören“.

Diesen Appell setzten die Teilnehmer der Veranstaltung sogleich um und gingen – verbunden mit blauen und grünen Seidentüchern – von der Petruskirche in Neu-Ulm über die Donaubrücke nach Ulm ins evangelische Münster. Dort feierten alle Beteiligten einen festlichen Gottesdienst. Die Bischöfe setzten den Amostext „Es ströme das Recht wie Wasser“ in Bezug zu den Herausforderungen in ihren Ländern. ÖRK-Generalsekretär Tveit predigte über das Motto der Internationalen Ökumenischen Friedenskonvokation „Ehre sei Gott und Friede auf Erden“.

Nähere Informationen unter http://www.donaufriedenswelle.eu/ oder bei:
Claudia Dunckern
Landeskirchenamt der ELKB
Telefon 089 / 55 95 – 475
E-Mail: claudia.dunckern@elkb.de