Kirchen im Gespräch: Die orthodoxen Kirchen

Orthodoxe Spiritualität

Orthodoxer Glauben hat sein Zentrum in der Feier der "Göttlichen Liturgie": "In der Liturgie der orthodoxen Kirche ... sind Lehre und Erlebnis, Symbol und Wirklichkeit, Geschichte und Gegenwart, Gott und Mensch vereinigt", sagt der orthodoxe Theologe Stefan Zankow. Im Gottesdienst wird die Trennung zwischen Gott und Mensch, zwischen Heiligem und Unheiligem, zwischen Ungeschaffenem und Geschöpfen aufgehoben. Hier wird vergegenwärtigt, was in der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus schon vorweggenommen wurde.

orthodoxe Frömmigkeit, Foto : epdDies ist der tiefe Grund, warum die Orthodoxie "moderne" Gottesdienste (z.B. für bestimmte Gruppen oder zu einem bestimmten Thema) nicht kennt. Der Gottesdienst kann keinen pädagogischen oder politischen "Zweck" haben, er ist allein Feier der Gegenwart Gottes.

Das höchste Fest der Orthodoxie ist Ostern, die Feier der Auferstehung Jesu Christi. Der Osterjubel in den Kirchen, die besondere Schönheit der Hymnen und Gesänge, der Glanz der Lichter, alles gibt Zeugnis von der Überwindung des Todes durch das Leben. Für die häufig verfolgten orthodoxen Kirchen in den Ländern Osteuropas war die Osterfeier in besonderer Weise Hoffnung und Kraft: Christus allein ist Herr über Leben und Tod.

Bilder (Ikonen) sind für den orthodoxen Glauben von großer Bedeutung. Der unsichtbare Gott ist ja selbst in Christus für uns zum Bild geworden. So kann die Herrlichkeit Gottes überall in seiner Schöpfung geschaut werden, als Abglanz seiner Herrlichkeit: in den Heiligen genauso wie in der Schönheit der Natur. Alles ist Hinweis auf Christus, das eine Bild Gottes.

Bekannt wurde im Westen auch das Herzensgebet. Nach einer alten Gebetstradition vom Heiligen Berg Athos in Griechenland spricht der Gläubige beständig die Worte "Jesus Christus, erbarme Dich meiner". In der Übung soll das Gebet verinnerlicht werden, bis es sich wie der eigene Herzschlag von selbst vollzieht. So übt der Mensch sich in das Bewusstsein ein, beständig in der Gegenwart Gottes zu leben.