Kirchen im Gespräch: Die orthodoxen Kirchen
Orthodoxes Christentum erscheint dem westlichen Menschen oft beeindruckend und befremdend zugleich. Er bewundert die Sinnlichkeit orthodoxer Gottesdienste, die lebendige Praxis der Meditation und die ansprechende Kunst der Ikonen. Er steht aber auch fragend vor einer vermeintlich altertümlichen Theologie, die auf die Fragen des modernen Lebens kaum Antwort zu bieten scheint.
Seit dem Jahr 1054 geht das Christentum im Westen und im Osten getrennte Wege. Das ist bis heute prägend. Im Westen folgte das Christentum lateinischen Traditionen, im Osten dem griechischen Erbe. Östliches Christentum ist stärker mystisch geprägt: Gottes Gegenwart wird in der Feier der "Göttlichen Liturgie" erlebt, im Gebet und in der Meditation. Theologie ist mehr Dichtung und Poesie als Analyse und Denkmodell. Gott ist - ganz im Sinne Platons - in den Abbildern seiner Herrlichkeit, den Ikonen, gegenwärtig.
Orthodoxes Christentum kennt keine dem Papst vergleichbare Autorität. Es gibt verschiedene eigenständige (autokephale) Kirchen, z.B. die griechische oder die russische Kirche. Sie haben in der Geschichte die kulturellen Eigenheiten ihres Sprachraumes in ihr kirchliches Leben integriert. Miteinander stehen diese Kirchen in Einheit. Als "Ehrenoberhaupt" ohne Weisungsbefugnis fungiert der Patriarch von Konstantinopel, heute Istanbul.


