Öffentliche Schulen und Religionsunterricht
Der evangelische Religionsunterricht an öffentlichen Schulen erreicht Woche für Woche rund 400.000 Schülerinnen und Schüler und ist damit das zentrale evangelische Angebot für Kinder und Jugendliche, mit christlichen Inhalten bekannt und vertraut zu werden. Aufgrund des Traditionsabbruchs in Familien und gesellschaftlichen Strukturen spielt die Vermittlung von religiösem Grundwissen eine zunehmende Rolle. Zugleich darf der personale Aspekt der Begegnung mit dem Evangelium durch die Person des Lehrers bzw. der Lehrerin und durch die Klassengemeinschaft nicht in den Hintergrund geraten.
Im Religionsunterricht werden Kinder und Jugendliche im Raum der Schule in die Weltsicht des christlichen Glaubens eingeführt und auf ihrem Weg zur Selbstfindung begleitet. Ein evangelischer Religionsunterricht, der die Kommunikation der Schülerinnen und Schüler mit dem Evangelium fördert, ermutigt die Schülerinnen und Schüler zu einem Leben aus der Hoffnung des christlichen Glaubens im Vertrauen zu sich selbst, zu ihren Mitmenschen und auf Gott. Aus dem Blickwinkel des christlichen Menschenbildes wird soziales und kommunikatives Leben eingeübt; (spirituellen) Formen wie Innehalten, Feiern und Beten kommt dabei ein besonderes Augenmerk zu.
Im Zusammenhang mit staatlichen Programmen einer Entwicklung von Schule bekommt der „Lebensraum Schule“ für Schülerinnen und Schüler und für Lehrkräfte eine zentrale Bedeutung. Eine kirchliche Förderung dieses Bildungsprogramms, die im Religionsunterricht beginnend sich auf das ganze Schulleben auswirken kann, stellt eine Herausforderung für die aktuelle Religionspädagogik und die kirchlichen Ressourcen dar. Die Chance für die Kirche, als Partner in der Schulentwicklung und in der Neuformulierung von Lehrplänen gefragt und geschätzt zu werden, waren noch nie so groß wie heute.
Kirchliche Vertreter/innen gewinnen zunehmend an Bedeutung als Indikatoren im Raum der Schule, ob der in der Schulpolitik verstärkt festzustellende Trend einer wachsenden Leistungsmessung dem Wohle aller Beteiligten entspricht oder als Instrument eines frühzeitigen Ausleseprozesses missbraucht wird. Auf dem Hintergrund einer grundsätzlichen Bejahung von Leistung und Leistungskontrolle, zählt es zu den besonderen Aufgaben von evangelischen Lehrkräften, für leistungsschwächere Schüler/innen einzutreten, die Würde des Menschen nicht von seiner Leistungsfähigkeit abhängig zu machen und bewerten zu lassen und für gezielte Angebote für leistungsschwächere Schüler/innen Sorge zu tragen.
In der aktuellen Diskussion um die Ganztagsschule und die Ganztagesbetreuung unterstützt die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (ELKB) insbesondere den in dieser Form verstärkt umzusetzenden Aspekt eines ganzheitlichen Bildungsansatzes und die Chance einer intensiveren Förderung von leistungsschwächeren Schüler/innen bzw. von Schüler/innen aus einem schwierigeren familiären und sozialen Umfeld. Die ELKB fördert die Einbindung von außerschulischen Partnern in der Ganztagesbetreuung, auch von Einrichtungen der evangelischen Kirche, der evangelischen Jugendverbandsarbeit und von Kirchengemeinden vor Ort.
Das Religionspädagogische Zentrum der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern / RPZ (Heilsbronn) ist die zentrale Aus- und Fortbildungsstätte für den schulischen Bereich. Im RPZ werden Lehrkräfte, Pfarrer/innen und Religionspädagog/innen durch gezielte Aus- und Fortbildungsangebote auf ihre Aufgaben in der Schule und die Herausforderungen im evangelischen Religionsunterricht vorbereitet und qualifiziert. Darüber hinaus werden, wie auch in der Gymnasialpädagogischen Materialstelle in Erlangen, Unterrichtsmaterialien erarbeitet, neue Lernformen erprobt (Lernwerkstatt) und Lehrpläne für Evangelische Religionslehre entwickelt. Am Institut für Lehrerfortbildung, das dem RPZ angeschlossen ist, besuchen jährlich rund 1.400 staatliche und kirchliche Religionslehrkräfte Fortbildungslehrgänge.
Näheres zum Religionsunterricht an bayerischen Schulen finden Sie in unserem Spezial „Kirche in der Schule“.



