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Israelsonntag

Wüste Zin in Israel, (c) Paul Sippel / PIXELIO.Was während des gesamten Kirchenjahres immer wieder aufleuchtet, wird in den evangelischen Kirchen einmal im Jahr explizit zum Thema gemacht: die Verbundenheit von Christen und Juden. Am Israelsonntag, dem 10. Sonntag nach dem Trinitatisfest, denken wir an Israel als das von Gott bleibend erwählte Volk, an Gemeinsamkeiten von Christen und Juden und an die komplexe, vielfach mit Schuld beladene Geschichte der Kirchen im Umgang mit den jüdischen Gemeinden und dem Judentum.

Das Thema Christen und Juden bewegt 2010 die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern in besonderer Weise. Derzeit wird in den Gemeinden, Dekanaten, Diensten und Werken über eine Ergänzung der Kirchenverfassung um eine Aussage nachgedacht, die die besondere Beziehung der Kirche zum Judentum deutlich macht. Der Satz, der in die Präambel eingefügt werden soll, lautet: Mit der ganzen Kirche Jesu Christi ist sie [die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern] aus der tragenden Wurzel des biblischen Israel hervorgegangen, sie bezeugt mit der Heiligen Schrift die bleibende Erwählung des Volkes Israels und weiß sich dem jüdischen Volk geschwisterlich verbunden. Bereits zwölf Mitgliedskirchen der EKD haben seit 1987 ähnliche Passagen in ihre Grundordnungen eingefügt.

Die Entwicklung des Israelsonntags zeigt die Problematik der Geschichte der Kirche in ihrem Verhältnis zum Judentum: Seit dem 16. Jahrhundert wurde der 10. Sonntag nach Trinitatis als Gedenktag der Zerstörung Jerusalems gefeiert, im 19. Jahrhundert warb und sammelte man an diesem Tag für die Mission unter Jüdinnen und Juden.

Das intensive theologische Nachdenken in den letzten Jahrzehnten trug jedoch Früchte und führte in den evangelischen Kirchen zu einer neuen Verhältnisbestimmung gegenüber dem Judentum, die auch dem Israelsonntag eine neue Ausrichtung gab. Die Treue Gottes zu seinem Volk Israel, wie sie Paulus im Römerbrief vehement betont, gibt uns Christen Grund zur Dankbarkeit und zur Erinnerung an das, was wir mit unseren jüdischen Geschwistern gemeinsam haben: das Vertrauen auf den einen Gott, das von der Liebe bestimmte Verhalten zu unseren Mitmenschen und die Hoffnung auf eine durch Gott bestimmte Zukunft.

Eine Predigt- und Arbeitshilfe zum Israelsonntag 2010 mit dem Titel "Persönlich – verwurzelt – theo-logisch: Gelobt sei Gott!", erstellt von Pastorin Eva Hadem, können Sie bei Begegnung von Christen und Juden in Bayern (BCJ.Bayern), dem Verein zur Förderung des christlich-jüdischen Gesprächs in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, unter BCJ.Bayern@elkb.de bestellen.

Die Kollekte am Israelsonntag ist für die Arbeit von BCJ.Bayern bestimmt. Der Verein fördert mit den Geldern Veranstaltungen und Initiativen, die dem christlich-jüdischen Gespräch dienen.