Interkulturelles und Ökumenisches Lernen
Der Ökumenische Studienkurs in Josefstal versteht sich als ein gelungenes Beispiel für interkulturelles und ökumenisches Lernen.
Grundsätzlich lassen sich drei Grundauffassungen für interkulturelles Lernen differenzieren.
- Zum einen steht interkulturelles Lernen für die Ausländerpädagogik in der Bundesrepublik, deren pädagogische Bemühungen das Ziel verfolgen, Einwanderer in die deutsche Gesellschaft so gut wie möglich zu integrieren.
- Die zweite Definition versteht interkulturelles Lernen als Lernen einer fremden Kultur und somit werden auch so genannte Inländer angesprochen. Bei dieser Auffassung geht es in erster Linie um die Aneignung von Wissen über die fremde Kultur und ihre Traditionen.
- In einer dritten Beschreibung von interkulturellem Lernen wird von einem „Prozeß der Auseinandersetzung mit fremden Kulturen unter kritischer Reflexion der eigenen historisch gewachsenen Kultur(en)“ gesprochen. Die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Kultur kann eine genauere Analyse und Relativierung der eigenen kulturellen Normen und Sozialsysteme, sowie den Abbau von Vorurteilen zur Folge haben.
Der Begriff „ökumenisches Lernen“ geht noch einen Schritt weiter, indem er einen umfassenderen, existenzielleren Lernprozeß beschreibt.
Ökumenisches Lernen geht davon aus, dass die Kirchen eine große Gemeinschaft darstellen: eine „Gemeinschaft des Bekennens“, eine „Gemeinschaft des Miteinanderteilens“, eine „heilende Gemeinschaft“, eine „Gemeinschaft der Versöhnung“, eine „Gemeinschaft in Einheit“ sowie eine „Gemeinschaft der Erwartung“.
In einer Arbeitshilfe der EKD zum ökumenischen Lernen werden spezifische Merkmale ökumenischen Lernens beschrieben. Demnach ist es ein „grenzüberschreitendes, handlungsorientiertes“ Lernen und zugleich „soziales und verknüpfendes Lernen“, das „interkulturelles Lernen“ mit einschließt und einen „ganzheitlichen Prozeß“ darstellen muss. Ähnlich wie bei dem interkulturellen Lernen geht es beim ökumenischen Lernen nicht primär um Wissensvermittlung. Im Vordergrund steht die Befähigung von Christen, die universale Gemeinschaft Christi in ihren Grundzügen schon jetzt zu entdecken und z.B. im Gottesdienst zu feiern.
Dabei kann man drei Lernwege für ökumenisches Lernen beschreiben:
- wesentlich ist die ökumenische Begegnung selbst, der direkte Kontakt zu den Christen aus anderen Kirchen, Konfessionen, Kulturen und Traditionen;
- einen zweiten Schritt stellt das langsame Wachsen einer Beziehung dar aus der schließlich ein gemeinsamer, dauerhafter Lernprozess entstehen soll;
- ein kritischer und analytischer Umgang mit der Situation der eigenen Kirche und den Formen des individuellen Glaubens ist Voraussetzung hierfür, wie auch der Wille, Gemeinsamkeiten zu entdecken, aber trotzdem Unterschiede wahrzunehmen, zu benennen und sich damit auseinander zu setzen.


