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Gewalt gegen Frauen

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Die alltägliche Gewalt

Über Gewalt zu sprechen, stößt bei Gruppen häufig auf Ablehnung. Das Thema ist zu stark emotional besetzt; die Gefahr, bei Berichten über persönliche Erlebnisse und Erfahrungen die Kontrolle zu verlieren, ist für Teilnehmende wie Leitende groß. Dazu kommt die Angst, - vor allem in Gemeinden, in denen man einander gut kennt -, dass auch bei neutral dargestellten Erlebnissen alle wissen, von welchen Personen die Rede ist. Auch die Ratlosigkeit, wie man bei Gewalttätigkeiten oder Vergewaltigungen in der nächsten Umgebung angemessen helfen kann, ob man sich überhaupt "einmischen" soll, spielt eine Rolle.

Formen der Gewalt

Vor allem durch die Ökumenische Dekade "Kirchen in Solidarität mit den Frauen"(1988-1998) wurde das Thema "Gewalt gegen Frauen" in den Vordergrund gerückt, da bis dahin häufig in den Kirchen dieses Problem zu wenig wahrgenommen oder mit Schweigen belegt wurde. Gewalt gegen Frauen, Mädchen und Jungen ist eine Realität unseres Alltags. Sie äußert sich in vielfältigen, oft subtilen Formen von unerwünschten sexuellen Annäherungsversuchen, Herabsetzung der Frauen durch sexistische Bemerkungen, in der Ignoranz gegenüber den Bedürfnissen der Frauen, bis hin zu lebenszerstörerischen Formen von Vergewaltigung und Misshandlung. Diese Form der Machtausübung findet in allen gesellschaftlichen Gruppierungen und Bereichen und auch in der Kirche statt. Hierarchische, sexualisierte Gewalt begünstigende Strukturen führen dazu, dass Gewalt zumeist von Personen männlichen Geschlechtes ausgeht und vorwiegend Frauen, Mädchen und Jungen betrifft.

In den Kirchengemeinden der Evang.-Luth. Kirche in Bayern (ELKB) wurde eine Antigewaltkampagne begonnen. Dazu gehören Bildungs- und Aufklärungsarbeit zur Klärung des Gewaltbegriffes, Benennung des Gewaltphänomens, des Ausmaßes und der Orte von Gewalt. Die Reflexion über Leitbilder in Theologie und Kirche, die die Einstellung zu Gewalt prägen, findet Resonanz; Projekte zur Prävention von Gewalt und zur Hilfe für Gewaltopfer, z.B. Frauennotruf, Frauenhaus werden initiiert. Auch das Thema "Frauenhandel" wird punktuell aufgegriffen.

Seit Anfang 1996 versucht ein landesweiter Arbeitskreis "Gewalt gegen Frauen und Mädchen" bei der Frauengleichstellungsstelle Initiativen zu vernetzen und Projekte anzustoßen. Über die theologischen Aspekte des Themas bietet der Bayerische Mütterdienst einen Fortbildungsbaustein für Gemeindearbeit an.