Frauenfußball-WM 2011: Mädchen und Fußball in der Literatur
"Seit ich mich erinnern kann, bin ich dem Ball hinterhergerannt", erzählt die eingefleischte Mönchengladbach-Anhängerin und leidenschaftliche FC-Bayern-Gegnerin Corinna Behrens (Foto links: epd / Peter Gardill-Vaassen). Die 43-Jährige hat sich als Spielerin, Trainerin und Schiedsrichterin in einer Männerdomäne durchgebissen, sie spielte zeitweise in der 2. deutschen Frauenfußball-Liga. Heute arbeitet Behrens in der Verwaltung im evangelischen Landeskirchenamt in München und schreibt Fußball-Romane für Mädchen.
Die ersten Schritte im Fußball-Geschäft waren schwierig. "Es war eine schöne Zeit, aber Mädchen mussten sich damals noch alles hart erkämpfen", erinnert sich Behrens. Mädchenvereine gab es in den 70er Jahren nur wenige, die gebürtige Wilhelmshavenerin musste daher mit elf Jahren in einer Jungen-Mannschaft spielen.
Anriss der Achillessehne beendet Karriere abrupt
Mit 13 Jahren kam sie in die erste Frauenmannschaft: nicht unbedingt, weil sie so gut spielte, sondern weil es eben nur dieses eine Team für das weibliche Geschlecht gab. "Da hat alles mitgespielt", erzählt Behrens fast schon belustigt. "Vom elfjährigen Mädchen bis zu über 50-jährigen Frauen." Zum Glück habe sich bis heute viel geändert, Mädchenmannschaften seien inzwischen etwas Selbstverständliches.
1989 zog es Corinna Behrens, die auch ausgebildete Trainerin und Schiedsrichterin ist, nach München. Zunächst spielte die Spielmacherin beim SC Armin München in der Bezirksliga. Nach zwei Jahren wechselte sie zum ESV Neuaubing, wurde dort Oberbayerischer Pokalsieger und Bezirksliga-Meister und stieg daraufhin in die Verbandsliga auf, die damalige 2. Liga: "Das waren meine größten Erfolge als Spielerin", sagt Behrens stolz - und natürlich ein 1:0-Sieg gegen die Damen des FC Bayern. 2007 war nach einem Anriss der Achillessehne aber abrupt Schluss mit der Fußball-Karriere.
Susanne Breit-Keßler Fan von Romanheldin und Fußballerin Imke
Dafür war aber nun genug Zeit, sich einem anderen Hobby zu widmen: dem Schreiben. "Mir ist aufgefallen, dass es kaum Bücher über Mädchen und Fußball gab", erzählt die jugendlich und offen wirkende Frau. "Das wollte ich ändern." Schon mit elf Jahren hatte sie mit dem Schreiben begonnen, ihre Gedichte und Kurzgeschichten aber nie veröffentlicht. Gesagt, getan. Bis heute hat sie drei Jugendromane über die junge Fußballerin Imke geschrieben.
"Fußballkrimis" nennt Behrens ihre Bücher, auch wenn mit jedem neuen Roman vermehrt andere Themen in den Mittelpunkt gerückt sind als die reine Aufklärung eines Falls. Zunächst müsse Imke noch herausfinden, wer kurz vor dem entscheidenden Meisterschaftsspiel die Trikots ihrer Mannschaft geklaut hat, "später werden die Romane aber gesellschaftskritischer", erklärt Behrens. Es geht um aktuelle Themen wie Hartz IV, Homophobie und Missbrauch.
"Es gibt sehr viel talentierte Mädchen auch in den unteren Ligen"
Ihr sei inzwischen aufgefallen, dass nicht nur Mädchen, sondern auch viele Frauen ihre Bücher lesen. Selbst die Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler habe sich als Fan der Imke-Reihe geoutet, erzählt Behrens stolz. Und auch der Deutsche Fußballbund (DFB) ist auf die schreibende Kickerin aufmerksam geworden und empfiehlt ihre Bücher auf seiner Homepage.
Sie möchte dazu beitragen, dass sich Mädchen mehr mit ihrem Sport identifizieren, erläutert die Autorin. Denn dass der Frauenfußball immer noch zu wenig Beachtung findet - daran hätten auch die Frauen selbst Schuld, meint Behrens. Ausgebildete Trainerinnen gebe es kaum, und die Spielerinnen interessierten sich meist selbst nur für den Männerfußball. "Es gibt sehr viele talentierte Mädchen auch in den unteren Ligen, die aber einfach nicht den Ehrgeiz haben, höherklassig zu spielen", bedauert sie.
Dem normalen Spielbetrieb mangelt es an Akzeptanz
Unglaublicherweise bekäme sie von den Mädchen, die sie trainiert, oft zu hören: "Och, Frauenfußball ist doch langweilig." Solange sich das nicht ändere, bleibe Frauenfußball immer eine Randsportart, da helfe auch die WM im eigenen Land nichts, sagt Behrens fast schon ein wenig resigniert.
Zwar sei die Nationalmannschaft inzwischen akzeptiert, aber der normale Spielbetrieb, also die Bundesliga, nicht. "Das ist das eigentliche Problem", ist Behrens überzeugt. Jetzt sei Frauenfußball in Mode, aber nach dem Hype um die Weltmeisterschaft in Deutschland (26. Juni bis 17. Juli) spielten die Frauen wieder vor den üblichen 300 bis 1000 Zuschauern.
"Girls Soccer Camp" vom 8. bis 10. Juli in Nürnberg
Trotzdem freut sich Behrens auf die WM. Auch Favoriten hat sie schon: Deutschland, USA und Brasilien. Doch ihr Daumendruck gelte natürlich vor allem den Deutschen sowie ihrer Lieblingsspielerin und dreifachen Weltfußballerin Birgit Prinz.
Hinweis: Unter der Leitung von Corinna Behrens findet vom 8. bis 10. Juli in Nürnberg das Girls Soccer Camp - ein Fußballcamp der Evangelischen Jugend für Mädchen im Alter von 9 bis 15 Jahren - statt. Anmeldungen sind telefonisch unter: 09 11/43 04-251 oder per E-Mail: schweiger@ejb.de möglich.
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Quelle: Christiane Ried (epd) über Corinna Behrens


