Frauenfußball-WM 2011: Frauen und Fußball aus Sicht der Kirche
Seit dem 1. Mai 2011 ist Pfarrerin Julia Arnold Beauftragte der Evangelisch- Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB) für Kirche und Sport. Auch sie fiebert bei der Fußball-WM der Frauen (26. Juni bis 17. Juli 2011) mit. bayern-evangelisch.de befragte die Pfarrerin zu Frauenfußball, Ihrem Interesse an Sport und zu den Schnittstellen zwischen Kirche und Sport.
Frau Arnold, am 26. Juni beginnt die Fußball-WM der Frauen. Freuen Sie sich darauf?
Julia Arnold: "Ja, klar. Ich denke das ,Sommermärchen' bei der Fußball-WM 2006 hat Lust gemacht auf mehr. Die Karten finden guten Absatz – das Interesse ist (schon) da. Ich habe das letzte Spiel der Deutschen Frauen gegen Norwegen gesehen. Das hat mich sehr beeindruckt, wie athletisch und körperbetont das war. Die Frauen haben wirklich Power. Die beiden Tore von Alexandra Popp waren einfach klasse. Mädchenfußball ist das nicht."
Werden Sie dabei sein?
Arnold: "Ich werde am 2. Juli in Augsburg sein. Allerdings weiß ich noch nicht, ob ich das Spiel im Stadion oder auf Bildschirm oder Leinwand sehen werde. Für Kirchengemeinden gibt es wieder die Gelegenheit, über die EKD eine Lizenz für Public Viewing zu erhalten. Ich hoffe, dass viele Gemeinden dieses Angebot wahrnehmen! Gemeinsam mitfiebern ist einfach noch viel schöner!.
Plant die Evangelische Kirche etwas zur WM der Frauen?
Arnold: "Zusammen mit den Kollegen von der DJK, dem katholischer Bundesverband für Breiten- und Leistungssport bieten wir einen ,Lauf-im-Puls!' für alle Laufbegeisterten durch den Augsburger Siebentischwald an (2. Juli, 10 – 12 Uhr). Das ist ein ca. acht Kilometer langer Jogginglauf mit spirituellen Impulsen zu Themen wie Begleitung, Rhythmus, Weg – Themen, die in Sport und spirituellen Leben eine Rolle spielen.
Seit dem 1. Mai sind Sie Sportbeauftragte der Bayerischen Landeskirche – was hat Sie an dieser Aufgabe gereizt?
Arnold: "Meine eigene Freude an Spiritualität und an Bewegung. Es ist so wichtig, dass wir uns als Ganzes, als eine Einheit von Körper, Seele und Geistbetrachten und auch so leben. Die Freude am Körper bedingt die Freude am Geist und umgekehrt. Trotzdem muss man auch unterscheiden zwischen Sport und Religion. Sport kann und darf nicht zum Ersatz für Freundschaften, Familie oder auch Spiritualität werden. Grob gesagt erlebe ich heute zwei Gruppen: Die einen, die in ihrer Freizeit so intensiv Sport treiben, dass er zu ihrem Lebensinhalt wird. Diesen Menschen möchte ich dafür sensibilisieren, dass, Gottvertrauen ihrem Leben wirklich Tiefe und Halt gibt. Die spirituelle Suche der Menschen kann der Sport nicht befriedigen. Der Glaube schon. Da gibt es aber auch die andere Gruppe von Menschen, die so gestresst sind, dass sie ihren Körper total vernachlässigen. Und diejenigen, die denken, sie müssten sich nur um das Geistige kümmern und das Körperliche, z.B. auch die Sexualität, gering achten. Das begegnet mir auch in der Kirche. Ich möchte diesen Menschen Lust darauf machen, ihre eigene Freude an der Bewegung zu finden. Jeder Mensch ist religiös und sportlich - davon bin ich überzeugt und das möchte ich anderen vermitteln –auch auf intellektuelle Art. Das ist für mich eine sehr reizvolle Aufgabe.
Treiben Sie selbst Sport?
Arnold: "Ja, ich spiele Tennis in einer Damen-Mannschaft. Das Gesellige im Verein schätze ich sehr als Ausgleich und als Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen."
Was hat die Kirche im Feld des Sportes zu suchen?
Arnold: "Es ist Auftrag der Kirche, nahe bei den Menschen zu sein. Sie sucht nicht den Sport, sondern die Menschen, die Sport treiben und ihre Sehnsucht nach einem sinnvollen Leben. Und sie kann anknüpfen bei den Werten, die im Sport zu finden sind: Gemeinschaft, Integration, Toleranz spielen ja in Kirche und Sport eine ganz große Rolle."
Was kann die Kirche da machen und einbringen?
Arnold: "Sie kann durch diese gemeinsamen Werte über den Glauben an Gott ins Gespräch kommen. Sie kann zeigen: Bei uns Christinnen und Christen sind Werte wie Toleranz im Gottesbild begründet. Und sie kann die Menschen dazu anregen, ihrer Sehnsucht nachzugehen, der Sehnsucht nach etwas, das sie im Sport nicht finden können – aber im Glauben."
Was bieten Sie den Gemeinden?
Arnold: "Zu großen Sportereignissen gestalten wir Andachten und Gottesdienste. Zum Beispiel bei der Endrunde des KonfiCups auf dem Nürnberger Clubgelände am 9. Juli. Unter dem Motto ,Bunt ist cool' werden wir einen Gottesdienst zu Fairness und Toleranz feiern. In der Andacht zeigen Schülerinnen und Schülern mit einer selbstgeschriebenen Geschichte, wie im Verein aus Fremden Freunde werden. Jugendliche erleben, dass sie der Fußball verbindet."
Was steht nach der WM an?
Arnold: "Im Herbst bieten mein Kollegen von der Eichenkreuz-Sportarbeit und ich ,Bergexerzitien von Hütte zu Hütte' an. Die nächsten größeren Veranstaltungen sind die Biathlon Weltmeisterschaft in Ruhpolding im Februar/März 2012 und die FußballEuropameisterschaft in der Ukraine. Die Ukraine ist ja die Partnerkirche der ELKB. Hier wie dort werden wir – in enger Zusammenarbeit mit den Pfarrerinnen und Pfarrern vor Ort – mit einem geistlichen Angebot als Kirche präsent sein. Wir wollen zeigen, dass wir uns freuen, Gastgeber zu sein."
Was wünschen Sie sich für die Frauen-WM?
Arnold: "Dass die Frauen als Frauen gesehen werden und nicht als schlechter Abklatsch des Männerfußballs. Das ist für mich Emanzipation, wenn man die Frauen im Sport nicht mehr mit den Männern vergleicht. Frauen spielen natürlich in einer anderen Liga, weil sie körperlich anders gebaut sind. Wer sagt: Die Männer sind aber schneller, hat die falsche Brille auf. Besonders fatal ist es, wenn es heißt: Wenn die Frauen schon nicht so schnell spielen wie die Männer, dann müssen sie wenigstens sexy aussehen. So werden Frauen immer wieder diskriminiert. Dagegen wende ich mich als Pfarrerin meiner Kirche, weil unser Gott ein Gott des Lebens ist."
Wer wird Weltmeister?
Arnold: "Ich hoffe doch, dass es die Deutschen diesmal wieder schaffen; das Zeug dazu haben sie jedenfalls und tausende Fans, die mitfeiern."


