Forum Spiritualität

„Lebe so, dass Du das Rätsel in Dir selbst lernst zu verstehen.“ Formuliert Pater Enzo Bianchi, priore di Bose, in seinem Eröffnungsvortrag im voll besetzten ehemaligen Gewerkschaftshaus. Geistliches Leben entsteht für Bianchi nicht aus reiner intelektuellen Auseinandersetzung. Für ihn ist das geistliche Leben nicht ein anderes Leben sondern das Leben des Menschen, anders gelebt. Geistliches Leben entsteht durch praktische Erfahrung, durch das tägliche Leben. Für Bianchi verbirgt sich in jedem Menschen ein inneres Wesen (1 Petr. 3,4). „Seine Aufgabe ist es, sich dessen bewusst zu sein und alles zu tun, damit diese innerste Identität wachsen und sich erneuern kann.“ Die Sehnsucht nach Spiritualität entspringt einer Suche nach Kommunikation und Gemeinschaft mit Gott. Für uns Lutheraner nicht nachvollziehbar war sein Gedanke, dass der Christ in der Nachfolge Jesu dazu aufgerufen ist, „sich selbst zu verleugnen. Dies kann ein Christ nur dann tun, wenn er sich selbst kennt und in Freiheit und aus Liebe sein Leben zu einem Geschenk für die Schwestern und Brüder macht, indem er ihnen mit seiner eigenen Existenz ein Beispiel für die Existenz Christi schenkt.“

Nach seinen enthusiastischen Ausführungen geistlichen Lebens entschlummerte Bianchi sanft und gab für  alle sichtbar ein Zeichen für geistlichen Rückzug für den Rest des Podiums.

Warum sollte ich zu Gott beten, einem Gott, der durch seine Allwissenheit eigentlich schon alles weis? Ausgehend von dieser Frage führt H.G.Bishop Hillarion of Vienna, Moscow Patriarchate, Russia, in seine Sicht geistlichen Lebens ein, Wenn Christen beten, treten sie in Gemeinschaft mit Gott, haben eine Begegnung mit Gott. Weitergehend steht das Gebet auch für eine Begegnung mit uns selbst, stellt in der Folge sogar Regeln für das Leben auf. Für lutherisches Verständnis eher befremdlich war die Bedeutung der körperlichen Haltung während des Gebets, des „sich auf den Boden werfen“ als vertiefte Spiritualität. Abschreckend wirkte die Praxis der Gebete an Pfingsten für diejenigen, die „in der Hölle sind“. Es widerspricht lutherischem Gebetsverständnis, Gebete als Mittel zur Errettung aus der Hölle zu verstehen.

Leben im Glauben – Glauben im Leben stellt die Kernaussage des Vortrags von Pfarrerin Dr. Stephanie Dietrich, Norwegische Kirche, Vize Präsidentin der GEKE, dar. Kirche als Heimat, mit Räumen für Menschen, die sich in ihr beheimatet fühlen, ist ein von ihr gezeichnetes Bild. Gott gebraucht Menschen, um auf sich aufmerksam zu machen und macht sie so zu Werkzeugen.

Der hier gezeichnete kurze Ausschnitt stellte eine Rededauer von zwei Stunden dar, die angekündigte Diskussion fiel aufgrund der fortgeschrittenen Zeit leider aus. Somit wurde das dringende Redebedürfnis aller TeilnehmerInnen  wieder nicht befriedigt.

Christian Schmidt
Petra Sieber