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"Rastplatz für die Seele"

(c) München, Paul-Gerhardtkirche, Johannes Ludwig. Foto Wameser, München

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern hat seit 1945 weit mehr als 700 Kirchen und Gemeindezentren gebaut. Sie alle zeichnen sich durch eine erstaunliche Bandbreite an Grundrisstypen, Bauformen und Raumkonzepten aus. Diese Vielfalt beleuchtet das Buch "Evangelischer Kirchenbau in Bayern seit 1945", herausgegeben im Auftrag des Landeskirchenrates der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern von Oberkirchenrat Dr. Hans-Peter Hübner und Kirchenrat Helmut Braun.

Das Werk präsentiert 57 Kirchen in Bild, Plan und Beschreibung. Der Fülle an gestalterischem Ausdruck liegen regional unterschiedliche historische, demografische und wirtschaftliche Entwicklungen zugrunde. Zudem wandelte sich seit 1945 das Verständnis von Liturgie ebenso wie das von Kunst – von einer Orientierung an Tradition hin zum Experiment. Die komplexen Zusammenhänge von Raum, Liturgie und Kunst werden in einleitenden Essays kenntnisreich beleuchtet. Die mehr als 700 Kirchen und Gemeindezentren mit Sakralraum werden hier erstmals in einer Bestandsliste erfasst.

"Ein Segen für unsere heutige Kirchenlandschaft"

Stellvertretend für die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern haben die beiden Herausgeber das Buch "Evangelischer Kirchenbau in Bayern seit 1945" am Mittwoch, 28. April, in der Markuskirche in München, Gabelsberger Straße 6, vorgestellt. Dr. Johannes Friedrich (Foto) hat die Präsentation eröffnet. Der Landesbischof unterstreicht in diesem Zusammenhang seine Freude über die Beständigkeit der Rolle, die Kirchen auch heute in Bayern noch spielen, eine Beständigkeit, die nach 1945 wie andernorts auch natürlich zunächst nicht absehbar gewesen sei. "Nach dem Zweiten Weltkreig bestand für die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern die Notwendigkeit, Kirchen wieder aufzubauen beziehungsweise neu zu errichten, zum einen aufgrund der vielen zerstörten Kirchen in den Städten", so Dr. Friedrich. Beispielsweise in der Nürnberger Innnenstadt habe es keine einzige Kirche gegeben, die nicht vom Bombardement getroffen gewesen wäre. Ein anderes Hindernis hätten die Zuwanderungen vieler Flüchtlinge und Vertriebene in ursprünglich rein katholische Gegenden dargestellt.

"Entsprechend den oben genannten Veränderungen und nach dem Dritten Reich einsetzenden Neubeginn gab es auch im architektonischen Bereich Aufbrüche", betont Dr. Friedrich. "Eine Vielfalt an Kirchenarchitektur und neuen Konzepten war da Ergebnis." Nicht immer hätten diese Kirchenbauten einhellige Zustimmung erfahren. "Ihre Architektur und künstlerische Ausstattung können mitunter auch ein Stein des Anstoßes sein", so der Landesbischof. "Im Rückblick auf die letzten 65 Jahre kann man jedoch sagen, dass die Vielfalt der Konzepte und die Experimentierfreudigkeit des einen oder anderen Architekten zu einem Segen für unsere heutigen Kirchenlandschaft geworden sind." Angesichts der über 700 Kirchen und Gemeindezentren, die nach 1945 seitens der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern gebaut worden wären, "freue ich mich, dass wir gegen den Trend und gegen den Abgesang auf unsere Kirchen und trotz der ständig zitierten Ent- und Umwidmungen auch heute noch neue Kirchen zur Ehre Gottes und zur Freude der Menschen bauen dürften", zeigt sich Dr. Friedrich stolz. 

Kirchenräume als "Rastplatz für die Seele"

In seiner Einführung zum Buch bezeichnet Oberkirchenrat Dr. Hans-Peter Hübner (Foto) Kirchen als unabdingbar für eine charakterliche Skizzierung "eines Dorfes, einer Stadt, das Geläut bildet die akustische Signatur. Oft gehörten Kirchengebäude ausdrücklich zu den Wahrzeichen der Orte, mit denen sich ihre Einwohner identizieiren - auch solche, die nicht Kirchenmitglieder sind. So sind Kirchen auch ein Gedächtnis des Gemeindewesens", ergänzt Dr. Hübner. Dies alles seien Eigenschaften, die Kirchenräume zu "Rastplatz für die Seele" erhebten, Potenziale und Chancen, die sich in dem Buch "Evangelischer Kirchenbau in Bayern seit 1945" widerspiegelten.

Das Erscheinen dieses Werkes nun in zeitlicher Nähe zum "2. Ökumenischen Kirchentag", der vom 12. bis 16. Mai in München stattfindet, "symbolisiert die zwischenzeitlich erreichten beachtlichen Fortschritte im Verhältnis der großen christlichen Konfessionen zueinander, die auch in der kirchlichen Bautätigkeit ihren Ausdruck gefunden haben", so Dr. Hübner.  "Abgesehen davon, das seitdem Kirchen in bewusster ökumenischer Nachbarschaft oder Gemeinschaft errichtet worden sind (zum Beispiel das Ökumenische Zentrum Würzburg-Lengfeld und die hier beschriebenen Ökumenischen Zentren Bad Griesbach und München-Riem), haben sich, insbesondere in der übereinstimmenden Bevorzugung des Zentralbaus, wesentliche Annäherungen hinsichtlich der Gestaltung von Kirchenräumen ergeben."

Das Buch "Evangelischer Kirchenbau in Bayern seit 1945", herausgegeben von Dr. Hans-Peter Hübner und Helmut Braun, erschienen im Deutschen Kunstverlag (ISBN: 978-3-422-06953-4, Preis: 29,90 €) können Sie, liebe Leser, hier direkt bestellen:

Landeskirchenamt der ELKB
Kirchenrat Helmut Braun
Referat Kunst und Inventarisation
Katharina-von-Bora-Straße 11-13
80333 München
Tel.: 089/5595-495
E-Mail schreiben

oder über den Buchhandel erwerben.

Im Anschluss an die feierliche Buchpräsentation wurde die gleichnamige Ausstellung "Evangelischer Kirchenbau in Bayern seit 1945" in der Architekturgalerie, Türkenstrasse 30, mit einer Einführung durch Kirchenbaudirektor Harald Hein, eröffnet. Die Ausstellung wird bis einschließlich 22. Mai zu sehen sein. Öffnungszeiten: montags bis mittwoch von 9.30-19 Uhr, donnerstags bis freitags von 9.30-19.30 Uhr, samstags von 9.20-18 Uhr. Weitere Info: www.architekturgalerie-muenchen.de