KEK-Zentralauschuss fordert: Stopp dem Frauenhandel bei der WM - und danach
Der Zentralausschuss der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) hat an seiner Sitzung von 25.-31. Mai 2006 in Londonderry/Derry, Nordirland, die folgende Erklärung verabschiedet:
Jetzt, wo die Fussballweltmeisterschaft bald beginnt, die von Menschen auf der ganzen Welt mit Spannung und Freude verfolgt wird, hoffen und beten wir, dass dieses Ereignis für alle ein Grund zur Freude sein wird. Weite Kreise zeigen sich jedoch darüber besorgt, dass der Handel mit Frauen in Deutschland zur Zwangsprostitution führen wird. Menschenhandel ist ein verabscheuenswürdiges Verbrechen, das mit allen verfügbaren Mitteln bekämpft werden muss. Die Würde der Opfer muss in jedem Fall geachtet werden, und es sollte ihnen alle nur mögliche Hilfe und Unterstützung zukommen.
Der Zentralausschuss der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) begrüsst das Zeugnis der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und des Diakonischen Werkes der EKD, die sich für die Bekämpfung des Frauenhandels einsetzen. Die deutsche Kampagne « Abpfiff » hat viel Aufmerksamkeit hervorgerufen, was eine wichtige Voraussetzung für die Bekämpfung des Menschenhandels ist. Mit der Kampagne wird versucht, das Bewusstsein zu stärken, den « eingeschleusten » Menschen beizustehen und auch die Kunden anzusprechen. Diese Arbeit geschieht in enger Zusammenarbeit zwischen Kirchen, Frauenorganisationen, anderen nichtstaatlichen Organisationen, politischen Führungskräften, Behörden und dem Deutschen Fussballverband.
Die Aktionen in Deutschland können auf mehrere Jahre der Zusammenarbeit und Vernetzung zwischen Kirchen und kirchlichen Hilfswerken in ihrem Kampf gegen Menschenhandel in ganz Europa aufbauen, vor allem CATNET (Christliches Handeln und Netzwerk gegen Frauenhandel) und dem Ökumenischen Forum Christlicher Frauen in Europa. In mehreren europäischen Ländern wird diese Arbeit schon seit vielen Jahren durchgeführt. Die Zusammenarbeit zwischen Kirchen, NGOs, Behörden und Polizei verbessert sich. Das Europäische Parlament hat am 15. März 2006 eine Entschliessung verabschiedet, in der der Kampf gegen Zwangsprostitution unterstützt wird. Der Menschenhandel hat jedoch ein solches Ausmass angenommen, dass unbedingt weitere gemeinsame Aktionen und politische Beschlüsse notwendig sind.
Die Arbeit muss nach der Weltmeisterschaft weitergehen, denn andere Sportveranstaltungen, grosse Firmenanlässe oder Messen haben ähnliche Auswirkungen. Deshalb dürfen wir unsere Augen vor diesen Verbrechen nicht verschliessen und uns blind stellen, damit solche Veranstaltungen nicht zu einem Markt für internationale Verbrecher werden können. Deshalb rufen wir Kirchen überall in Europa dazu auf, das Eintreten gegen den Menschenhandel bei solchen Gelegenheiten zu fördern. Ausserdem ruft der Zentralausschuss Kirchen und Behörden zur Unterstützung von Programmen auf, mit denen den Opfern des Menschenhandels geholfen wird und das Bewusstsein für diese Problematik weiter wachgehalten und gestärkt wird.
Die Konferenz Europäischer Kirchen ist eine Gemeinschaft von 125 orthodoxen, protestantischen, anglikanischen und alt-katholischen Kirchen aus allen Teilen Europas, sowie 40 assoziierten Organisationen. Sie wurde 1959 gegründet und hat Büros in Genf, Brüssel und Strassburg.
Für weitere Informationen:
Luca Negro,
Büro für Kommunikation der KEK
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