Ergebnisse der Schlusserklärung der 3. EÖV aus der Perspektive der Dekade Gewalt überwinden und des Konziliaren Prozesses (Aspekt Frieden)
Gibt es ihn denn noch, den Konziliaren Prozess? Hat sich diese Bewegung nicht aufgelöst, sind die Forderungen nach Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung und Frieden nicht schon eingelöst?
Vielleicht wurde auf der 3. EÖV selten der Begriff „Konziliarer Prozess“ verwendet und auch nicht der Begriff der Dekade „Gewalt überwinden“ des Ökumenischen Rates der Kirchen, aber die Sehnsucht und Suche nach Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung war weithin spürbar.
In vielen Vorträgen und vielen hearings kamen diese Themen zur Sprache und in der Schlusserklärung werden einige Punkte sehr konkret benannt.
In der Charta Oecumenica wird unter dem Punkt 8 „Völker und Kulturen versöhnen“ folgendes ausgeführt: „Als Kirchen wollen wir gemeinsam den Prozess der Demokratisierung in Europa fördern. Wir engagieren uns für eine Friedensordnung, auf der Grundlage gewaltfreier Konfliktlösungen. Wir verurteilen jede Form von Gewalt gegen Menschen, besonders gegen Frauen und Kinder.“
Im Schlussdokument der 3. EÖV finden sich nun Ausführungen, welche diese Absichten konkretisieren und die ich unter der Perspektive „Gewalt überwinden“ vorstellen möchte:
Der Dialog mit anderen Religionen stellt einen ersten Fokus dar. „Wir appellieren an alle Christen und an alle, die an Gott glauben das Recht anderer Menschen auf religiöse Freiheit zu respektieren und erklären unsere Solidarität mit christlichen Gemeinschaften die im Mittleren Osten, im Irak und überall auf der Welt als religiöse Minderheit leben und fühlen, dass ihre Existenz in Gefahr ist.“
Zum Dialog gibt es keine Alternative, erklärt das Schlussdokument. Der Dialog ist der Weg Gewalt zu überwinden. Es geht dabei nicht um Kompromisse, aber um einen Dialog des Lebens in dem wir die Wahrheit in Liebe sagen können. Dazu gehört es auch, mehr über die anderen Religionen zu lernen, um sie verstehen zu können.
Eigens genannt wird auch der Menschen- bzw. Frauenhandel (trafficking). „Wir fordern die europäischen Staaten auf ……. den Handel mit Menschen und das Ausnützen von ihnen zu bekämpfen.“
Gerade in Rumänien als einer geographischen Drehscheibe für den Menschenhandel von Ost nach West gewinnt diese extra Erwähnung dadurch nochmals an Gewicht. Während in vielen westlichen Kirchen der Menschenhandel längst Thema ist, bleibt zu hoffen, dass auch die Kirchen in Süd-Ost-Europa dies zu einem wichtigen ethischen Anliegen machen und das Thema offen benennen.
Die gewaltfreie Konfliktbearbeitung wird als ein dritter Punkt genannt. „Frieden ist ein außerordentliches und wertvolles Geschenk. Alle Länder sehen sich nach dem Frieden. Alle Menschen warten darauf von Gewalt und Terror befreit zu werden. Wir verpflichten uns dringend unsere Bemühungen zur Beendigung von Gewalt und Terror zu erneuern. Wir schließen Krieg als eine Möglichkeit zur Konfliktlösung aus, unterstützen gewaltfreie Methoden für Konfliktlösungen und sind besorgt über militärische Wiederaufrüstung. Gewalt und Terrorismus im Namen von Religion sind eine Verleugnung der Religion.“
Heinz Dunkenberger-Kellermann



