Begegnungen in Bath

Bath/Südwestengland: 85.000 Einwohner, über 2000 Jahre alt, Weltkulturerbe. Hauptkirche ist Bath Abbey (1499). 85 Kirchen vor Ort.

Abbey, Roman BathsBath ist eine Stadt mit Vergangenheit. Die alten Römer und englische Königinnen und Könige des 18. und 19. Jahrhunderts badeten hier in der heißen Quelle. Der Gründer der methodistischen Freikirche, John Wesley, kam oft die 30 Kilometer von Bristol nach Bath gewandert um hier der besseren Gesellschaft zu predigen.
All das hat die Stadt von heute geprägt. Mit nur 85 000 Einwohnern kann sich Bath dank seiner Architektur Weltkulturerbe nennen und hat über 80 aktive Kirchen (und dementsprechend viele Pfarrerinnen und Pfarrer) in seinem Stadtgebiet.

Wo sich so viele Kirchen auf so engem Raum treffen scheint es unausweichlich, dass auch ökumenisch gearbeitet werden muss. Die römisch-katholische Kirche findet sich mit allen anderen Nicht-Anglikanern im Status der Freikirchen wieder, was hin und wieder ungewöhnlich scheint. Aber mit der anglikanischen Kirche als Staatskirche bleibt keine andere Möglichkeit.

Als bayerische Pfarrerin arbeitete ich in zwei Bereichen: Vier Tage pro Woche in der Studierendenseelsorge mit einen Team, das aus vielen christlichen Konfessionen bestand und auch Kontakte zu anderen Glaubensgruppen suchten wie den Islam, das Judentum, die Ba'hai. Spannend ! Die restliche Zeit in einer Gemeinde und zwar - eine ganz neue Erfahrung - im ersten Jahr in einer reformierte Gemeinde, dann in einer anglikanischen und im dritten Jahr in einer methodistischen Gemeinde.

Diese Zusammenarbeit brachte es mit sich, sowohl den eigenen theologischen Standpunkt als Lutheranerin zu überdenken und zu bestimmen, als auch in der Lage, meine Gegenüber zum ökumenischen Denken herauszufordern - und darüber hinaus. Mehr als einmal hatte ich positive Rückmeldungen, wenn ich zum Beispiel an Veranstaltungen zu Jahrestagen von Ereignissen des zweiten Weltkriegs teilnahm. Etwas wie: "Es ist gut, Dich hier zu haben. Du erinnerst uns daran, dass wir auf dem Weg der Versöhnung sind und nicht in der Vergangenheit stecken bleiben."

Eine wichtige Arbeit der Verständigung - weltlich wie religiös.

Hermine Wieker, Auslandsvikarin in Bath von 1999-2002, jetzt Pfarrerin in Schernau/ Dekan Kitzingen