Ökumene nach vier Seiten: Die Coburg- Konferenzen
"Um sich zu vereinen muss man sich lieben. Um sich zu lieben, muss man sich kennen. Um sich kennen zu lernen, muss man sich treffen." Kardinal Mercier
In diesem Sinne entstand in den 80er Jahren eine bemerkenswerte ökumenische Partnerschaft zwischen der anglikanischen Diözese Chichester, der katholischen Erzdiözese Bamberg, dem evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Bayreuth und der evangelischen Kirche von Berlin-Brandenburg. Die historischen Wurzeln dieser Partnerschaft liegen in einer engen Freundschaft zwischen Dietrich Bonhoeffer und dem anglikanischen Bischof Bell begründet, die beide dem Dritten Reich zu trotzen versuchten. Beide betonten den verbindenden Charakter des Evangeliums über alle Konfessionsgrenzen hinaus und sahen dies als entscheidenden Faktor für eine friedliche Koexistenz der europäischen Nationalstaaten. 1984 fand in Chichester das "Bell-Colloqium" in Erinnerung an den großen Visionär statt. Die Konferenz würdigte das Erbe des anglikanischen Bischofs und beschrieb in seinem Sinne die Herausforderungen für die Zukunft der europäischen Kirchen.
Ein Ergebnis des "Bell-Colloqiums" war die Gründung regionaler Partnerschaften. So treffen sich seit 1985 alle 2 Jahre Delegationen aus den vier Partnerkirchen zu den sogenannten "Coburg-Konferenzen" - benannt nach der ersten Tagung in Coburg. Tonie Smith, eine anglikanische Delegierte der ersten Stunde, beschreibt die anfängliche Stimmung in ihren Aufsatz "The German Connection": "Es galt eine Unmenge an Informationen in den offiziellen Sitzungen aufzunehmen, aber schnell wurde klar, wie ängstlich jeder war ... ." (S. 9) So habe vor allem das persönliche Kennenlernen dazu beigetragen, gegenseitiges Vertrauen zu schaffen trotz aller Verschiedenheit das "gemeinsame Gute" zu suchen.
Aus den Konferenzen heraus entstanden vier Gemeindepartnerschaften zwischen dem ev.-luth. Kirchenkreis Bayreuth und der Diözese Chichester: Bad Berneck - Lavant, Pegnitz - Crowborough, Münchberg - Durrington und Bayreuth St. Johannis - Lewes. Eine besondere Partnerschaft bildete sich zwischen den Prediger- bzw. Priesterseminaren von Chichester, Bamberg und Bayreuth. Sie nennen sich nach der kath. Jugendbildungsstätte Burg Feuerstein in der fränkischen Schweiz "Feuerstein-Konferenzen". Seit Beginn des "Coburg-Prozesses" ist auch die Kirchenmusik ein wichtiges "Medium", um Kultur und geistliches Leben des Partners kennenzulernen. Der Domkantor und Leiter des Domchores der Kathedrale in Chichester, Alan Thurlow, vermochte mit der Kirchenmusik die Herzen der Menschen zu öffnen. Gemeindekantoreien und Posaunenchöre begründeten vielfältige Partnerschaften. Im schulischen Bereich entstand eine Partnerschaft zwischen der "Bishop Luffa School" in Chichester und dem Graf-Münster-Gymnasium in Bayreuth.
Die Verbundenheit zwischen dem Kirchenkreis Bayreuth und der Kathedrale in Chichester belegt besonders eindrucksvoll ein Wandteppich der Marktredwitzer Künstlerin Ursula Benker-Schirmer, der sich im rückwärtigen Chor der Kathedrale neben dem Grabmal von Bischof Bell befindet. Auch "offiziell" gewinnt die Partnerschaft an Profil. So wurde dem Regionalbischof des Kirchenkreises Bayreuth, Oberkirchenrat Wilfried Beyhl im Januar 2002 der Titel eines "Canon of honour" (Domkapitular ehrenhalber) an der Kathedrale Chichester verliehen. Auch Prof. Wolfgang Klausnitzer, Ökumenereferent der röm.-kath. Erzdiözese Bamberg, wurde dieser Titel verliehen - damit wächst über den "Umweg" von Chichester auch die Ökumene in Oberfranken.
Pfarrer Daniel Tenberg, Referent des Regionalbischofs, Bayreuth


