Die Delegation
Aus Deutschland reisten rund 180 Delegierte nach Rumänien, die meisten davon Vertreterinnen und Vertreter der EKD und der Deutschen Bischofskonferenz, aber auch Abgesandte anderer christlicher Kirchen, Gemeinschaften und Werke.
Delegierte aus Bayern:
- Synodalpräsidentin Heidi Schülke
- Kirchenrat Ivo Huber, Ökumenereferent der bayerischen Landeskirche
- Pfarrer Christian Schmidt, Ökumenebeauftragter Dekanat Kitzingen
Beobachtergruppe aus Bayern:
- Andrea Wagner-Pinggéra, Beauftragte für den Ökumenischen Kirchentag 2010
- Petra Sieber, Frauenwerk Stein, ÖFA
- Pfarrer Reiner Apel, ÖFA
- Sandra David, Jugend
- Heinz Dunkenberger-Kellermann, Landeskirchenamt München
Das Team von bayern-evangelisch.de fragte die Teilnehmenden vor der Abreise nach ihren Erwartungen:
Ivo Huber:
Europa steht vor großen Herausforderungen: es geht darum, ob die Europäische Union eine Wirtschaftsgemeinschaft ist oder ob sie darüber hinaus in der Lage ist, für bestimmte Werte zu stehen. Die Diskussion beispielsweise über die Charta der Grundrechte oder über den Gottesbezug in der Europäischen Verfassung zeigen dies. Die Kirchen werden in Sibiu versuchen müssen, zu klaren Aussagen zu kommen, was sie unter der europäischen Wertegemeinschaft meinen und wie sie sich einbringen können. Letztlich geht es darum, ob es den Kirchen gelingt, mit einer klaren Programmansage zu Europa sich als unverzichtbare gestaltende Kraft zu erweisen. Hier wollen wir in Sibiu intensiv arbeiten.
Andrea Wagner-Pinggéra:
Europa soll zusammenwachsen. Die Kirchen Europas haben diesen Prozess mit den Europäischen Ökumenischen Versammlungen bereits vor fast 20 Jahren eingeläutet. Viel ist seither an Annäherung geschehen. Gleichzeitig sind wir uns dessen bewusst, dass die Vorbehalte zwischen den Kirchen des westlichen und östlichen Europas nach wie vor existieren, ebenso wie diejenigen zwischen den Konfessionsfamilien. Die geschichtlichen, kulturellen und der Tradition her bestimmten Spannungen abzubauen, wird meines Erachtens eine wichtige Aufgabe der 3.EÖV sein – gerade, wenn und weil wir die Rolle der Kirchen in Europa überhaupt und in seinen unterschiedlichen Gesellschaften stärken wollen.
In diesem Zusammenhang scheint mir das Motto „Das Licht Christi scheint auf alle“ von großer Bedeutung zu sein: Es ist eine kräftige Zusage und Ermutigung, den Blick zu weiten, im andern die Möglichkeit und nicht die Gefährdung zu sehen. Ich wünsche mir, dass die Teilnehmenden etwas von diesem Licht Christi erfahren, es in ihren Kirchen weitergeben, es auch scheinen lassen. Denn dieses, uns verbindende, Licht ist unser gemeinsames Zeugnis für Europa und die Welt.
Reiner Apel:
Ich bin gespannt, ob sich auf Grund der Charta Oecumenica neue Impulse für die Arbeit der Kirchen in Europa ergeben haben. Werden Impuse der Basisbewegungen aufgenommen, und wie bringt sich die Orthodoxie in die ökumenischen Prozesse ein? Ist - nach dem EU-Beitritt verschiedener osteuropäischen Staaten - eine Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls zu spüren, oder steht Profilierung und Eigeninteresse im Vordergrund? Ich wünsche mir, dass die Versammlung ein motivierendes geistliches Ereignis wird und sich von innerkirchlichen Problemen ab- und den drängenden Menschheitsproblemen zuwendet.
Christian Schmidt:
Das Leitthema der Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung in Sibiu/Hermanstadt „Das Licht Christi scheint auf alle - Hoffnung auf Erneuerung und Einheit in Europa“ lädt mich als Christ dazu ein, das Licht als Motiv der biblischen Botschaft und des christlichen Lebens in den Mittelpunkt zu stellen. Auch im 21. Jahrhundert soll die Kraft und Schönheit des Evangeliums von Jesus Christus leuchten. Menschen sollen erfahren, was es heißt, aus der Freiheit des Glaubens zu leben. Viele Christen stellen sich in ihren Gemeinden täglich in den Dienst der Aufgabe - zu bezeugen, dass Jesus Christus von Gott in unsere dunkle Welt gesandt ist. Im Jahr 2001 haben die christlichen Kirchen in Europa mit der Charta Oecumenica „Leitlinien für die wachsende Zusammenarbeit unter den Kirchen in Europa“ das erste ökumenische Dokument des 21. Jahrhunderts unterschrieben. Diese Selbstverpflichtung der Kirchen für eine gelebte Ökumene stellt für mich eine Zusammenstellung elementarer ökumenischer Regeln und Selbstverpflichtungen für mein Leben als evangelischer Christ gerade auch im zunehmend gesellschaftlich-säkular geprägten Umfeld dar:Gemeinsam zur Einheit im Glauben berufen, gemeinsam das Evangelium verkündigen, aufeinander zugehen, auf allen Ebenen des kirchlichen Lebens gemeinsam Handeln, miteinander beten, Dialoge fortsetzen, Europa mitgestalten, Völker und Kulturen versöhnen, die Schöpfung bewahren, allen Formen von Judenfeindlichkeit in Kirche und Gesellschaft entgegentreten, Beziehungen zum Islam pflegen und Muslimen mit Respekt begegnen, die Religions- und Gewissensfreiheit aller Menschen anerkennen und für das Gespräch mit allen Menschen guten Willens offen sein und ihnen den christlichen Glauben bezeugen.Es ist ein ökumenischer Weg. Gemeinsam. Hinein in die zersplitterte Einheit unserer Kirchen.
Heinz Dunkenberger-Kellermann:
"Drei Perspektiven sind für mich wichtig: Wird es gelingen, die Charta Oecumenica als einen Schwerpunkt der Tagung auch mit Leben zu
füllen, das auch uns in Bayern inspiriert und frischen Schwung verleiht? Kann die Dekade Gewalt überwinden des ÖRK (Ökumenischer Rat der Kirchen) verbunden werden mit den Themen des Konziliaren Prozessen auf der Konferenz und gemeinsame, grenzüberschreitende Schwerpunkte vereinbart werden?
Und welchen Eindruck bekomme ich vom Land selbst, von dem mir schon so viel erzählt wurde von PfarrerInnen der evangelischen Kirche dort und von Aussiedlern aus Siebenbürgen? Wie erlebe ich evang. Gemeinden dort, wie die soziale Situation, wie das Miteinander der Konfesssionen?
Ich hoffe, ich kann Sie aktuell teilhaben lassen an meinem Perspektiven."



