Zwei Beispiele
Eine alte Dame hatte unbemerkt das Heim verlassen, pflückte einen Tulpenstrauß in den Parkanlagen und wurde von der Polizei ins Heim zurückgebracht. Was erfahren wir aus ihrer Biografie? Sie hatte einen großen Garten und liebte Blumen. Jetzt war sie örtlich, zeitlich und situativ desorientiert, freute sich über die Blumen, die sie gerade vor sich sah, nahm sie mit.
Erkennbar wird in diesem Beispiel: Die alte Dame mag Blumen. Wir bringen ihr beim Besuch Blumen mit oder arrangieren für sie eine Möglichkeit, im Garten des Heims mitzuarbeiten. Ein alter Herr hält Sie als Besucherin immer wieder für seine Schwester, weil Sie ihr ähnlich sehen, so wie sie als junge Frau war. Damit haben Sie eine gute Ausgangsposition. Der alte Herr mag Sie einfach. Schwieriger ist es, wenn er sie für die böse Nachbarin hält, die früher immer ihr Gras über seinen Gartenzaun geworfen hatte. Hier kann eine validierende Strategie weiterhelfen.
Oder, eine alte Dame, örtlich desorientiert, fühlt sich in ihrem Altenheimzimmer wohl und äußert im Gespräch: „Hier in meiner Wohnung fühle ich mich wohl, da habe ich alles, auch meine Ecke fürs Beten, da will ich nicht raus in ein Heim!“ Die Dame fühlt sich wohl in ihrer Umgebung. Vielleicht erfahren wir mehr über ihre Ecke zum Beten und ihre Vorstellungen und Glaubenschätze. Wir sind offen für Rituale, denn diese ordnen das Leben. Sie geben dem Tag, der Woche, dem Jahr eine hilfreiche Struktur. Rituale verbinden Menschen miteinander. So wird christliche Gemeinschaft erfahrbar. Und schließlich haben Rituale eine heilende Wirkung.



