Gottesdienst

Demenzkranke Menschen sind in der Regel in ihrer zeitlichen, räumlichen, situativen und persönlichen Orientierung beeinträchtigt und können sich nur kurze Zeit konzentrieren und sich etwas merken. Ihr Langzeit- oder Altgedächtnis bleibt am längsten erhalten. Diesen Krankheitsphänomenen wird bei der Gottesdienstgestaltung Rechnung getragen.

Konkret bedeutet das:
BibelDer Gottesdienst fällt zeitlich und inhaltlich kürzer aus als ein normaler Hauptgottesdienst (etwa 30 Minuten, kurze Lesung, Anzahl der Lieder kürzen, Predigt maximal 5-8 Minuten, …)

Der Gottesdienst ist orientierungsfreundlich durch einen klaren, gleich bleibenden, festen Ablauf und durch äußere Gegebenheiten, die mittels des Altgedächtnisses wieder erkennbar sind, z.B. liturgische Kleidung (Talar, eventuell Stola), Altargestaltung mit Kreuz, Kerzen, Bibel, Gesangbuch…

Der Gottesdienst ist emotionsfreundlich und multisensorisch ausgerichtet d.h., es werden möglichst viele Sinne angesprochen und dabei unterschiedliche Medien verwendet, z.B. Lieder mit Bewegungen und Instrument(en) begleiten, einen Text visuell durch ein Bild unterstützen oder durch ein passendes sichtbares und greifbares Symbol, Düfte einsetzen (Weihrauch, Kerzenduft, Salböl) etc.

Der Gottesdienst ist altgedächtnis- und biografiefreundlich. Es werden vertraute Gebete (bekannte Psalmen, Liedtexte mit Gebetscharakter, das Vaterunser, Gebete aus der Kindheit, Luthers Morgen- und Abendsegen), vertraute Lieder und musikalische Kurzformen (möglichst nur aus einem Satz mit leicht eingängiger Melodie) verwendet.

Als Grundlage für die Predigt eignen sich besonders gut narrative Texte oder Basissätze der Bibel (besonders wenn die Aufnahmefähigkeit für komplexere Darstellungen nicht mehr vorhanden ist). Die Inhalte sind relevant und greifen prägende Schlüsselsituationen des Lebens (Zuhause, Heimat, Freundschaft, Schule, Kinder, Taufe, Konfirmation, Hochzeit, Kirche, Gebet, …) auf. Wichtig ist dabei, besonders an positive Erinnerungen anzuknüpfen, da viele demente Menschen depressiv gestimmt sind und die Gefahr besteht, ins Negative abzugleiten.

Wer einen Gottesdienst mit dementen Menschen gestaltet, wird sich auf einige Besonderheiten einstellen müssen. Das gilt auch für Gottesdienste für die Angehörigen.

Hier finden Sie zwei Beispiele für Andachten mit demenzkranken Menschen.