Erfahrungen in einer christlich-muslimischen Ehe

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Für viele ist die Vorstellung von einer christlich-muslimischen Ehe geprägt von dem Buch "Nicht ohne meine Tochter". Die Realität muss aber nicht so sein: Ein Ehepaar - Alexandra und ihr ägyptischer Ehemann Khaled - erzählt:

Alexandra, ihr habt dreimal geheiratet. Warum?

A: Die Ehe versprochen haben wir uns in Ägypten. Als Khaled nach Deutschland kam, haben wir geheiratet. Rechtsstaatlich gültig wurde die Ehe durch die standesamtliche Trauung, aber wir haben auch in der Moschee die Trauungszeremonie vollzogen, damit er vor Allah mit mir verheiratet war. Das war für ihn sehr wichtig und für mich kein Problem. Für mich war es wichtig, dass wir außerdem noch kirchlich getraut wurden.

Was gab es bei eurer Eheschließung zu beachten?

A: Wir machten beim Notar einen Ehevertrag, der auch Regelungen einer eventuellen Trennung und hier bezüglich der Kinder bedenkt. Und wir mussten eine Morgengabe vereinbaren. Ich habe mir nur einen Ring gewünscht, da ich finanziell selbst abgesichert bin.
K: In der Moschee wollten einige Frauen Alexandra überreden, doch mehr zu fordern, aber sie ist bei dem Ring geblieben.

Wodurch unterscheidet sich euer Zusammenleben von dem eines deutschen Paares? Müsst ihr euch in vielem anpassen?

A: Es ist manchmal schwer zu unterscheiden, was durch das normale Zusammenwachsen eines Paares und was durch kulturelle und religiöse Unterschiede bedingt ist. Ich habe jedenfalls von Anfang an freiwillig auf Alkohol verzichtet, ohne dass es mir schwer gefallen wäre. Wenn Gäste kommen, möchte Khaled nicht, dass wir Wein anbieten. Das konnte ich zuerst nicht akzeptieren. Inzwischen ist es mir durch einen Vergleich klar geworden: Ich möchte ja auch nicht, dass unseren Gästen ein Joint gereicht wird.
Ungewohnt war für mich auch, dass Zärtlichkeiten austauschen in der Öffentlichkeit tabu ist, dass man in Ägypten gern aus einer Schüssel isst - solche alltäglichen Unterschiede stören mich nicht. Aufgrund seiner Erziehung geht Khaled sehr respektvoll mit anderen Menschen, besonders Frauen und Älteren, um. Das gefällt mir sehr.

K: Ich habe meine Frau unabhängig von ihrer Nationalität oder Religion lieben gelernt. Nach Deutschland zu kommen, war für mich ein Risiko, aber ich habe ihr von Anfang an vertraut.
Sie respektiert, dass ich weder Schweinefleisch noch Alkohol zu mir nehme. Ich freue mich natürlich, dass sie auf Alkohol verzichtet.

Welche Rolle spielt der Glaube des anderen in eurem Leben?

K: Von Kindheit an kannte ich das Christentum durch Nachbarn und gute Freunde. Daher kann ich es leicht akzeptieren. Gut ist, dass Alexandra - ebenso wie ich - Respekt vor allen Religionen, auch vor dem Islam, hat. Und Weihnachtsbaum oder Osterstrauß sind für mich schöne Traditionen.

A: Ich hätte nicht gerne einen Alltagsatheisten geheiratet. Ein überzeugter und gleichzeitig toleranter Moslem ist mir viel lieber. Wir können gemeinsam beten. Eine Freundin hat einmal gesagt: "Jetzt hast du doppelt so viele Feste!" Wir versuchen, den anderen in der Freude und Besinnlichkeit der Feste zu unterstützen. Teilweise habe ich im Ramadan mitgefastet, zumindest in Khaleds Anwesenheit nichts gegessen. Abends haben wir schön zusammen gekocht.

Werden eure Kinder Christen oder Muslime?

A: Noch haben wir keine. Doch das macht uns sicher das meiste Kopfzerbrechen. Schließlich wollen wir unsere Kinder weder zerreißen noch ohne Wurzeln aufwachsen lassen. Wir haben uns geeinigt, dass wir ihnen beide Religionen im Erzählen nahe bringen wollen, ohne Polemik gegen die jeweils andere. Zuletzt werden sie selbst entscheiden.
Auf keinen Fall sollen sie dabei das Gefühl haben, sich zwischen uns entscheiden zu müssen!

Was würdet ihr anderen christlich-muslimischen Paaren raten?

K: Vor der Eheschließung alles besprechen und offen diskutieren. Vor allem den Partner, die Partnerin gut wählen. Bereits am Anfang die Andersartigkeit des anderen annehmen und als Chance sehen.

Mehr Informationen zu Ehe, Familie und Scheidung im Islam.

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