Evangelische Kindertagesstätten als Orte der Begegnung
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Ayse und Achmed in der evangelischen Kindertagesstätte
Kindertagesstätten sind inzwischen in vielen Regionen Bayerns, nicht nur in den Städten, multikulturelle Orte. In 1.080 evangelischen Kindertagesstätten sind derzeit etwa 3.700 muslimische Kinder. Vor dreißig Jahren noch waren muslimische Kinder türkischer Staatsbürgerschaft die ersten ausländischen Kinder in evangelischen Einrichtungen. Inzwischen ist das Bild bunter geworden und Kinder vieler Nationen und Religionen beleben den Alltag in evangelischen Kindertagesstätten.
Manche evangelischen Kindertagesstätten haben bereits türkische Eltern muslimischen Glaubens in der dritten Generation. So konnte sich vor Ort ein Vertrauensverhältnis aufbauen, wenn muslimische Nachbarn wissen, dass die Kindertagesstätte ihre Glaubenstraditionen und Bräuche achtet und Wert schätzt. Oftmals gehen muslimische Eltern bewusst auf kirchliche Einrichtungen zu, weil sie sich hier mehr Sensibilität und religiöse Achtsamkeit wie auch gelebte Frömmigkeit erhoffen.
So sind Kindertagesstätten Treffpunkt für Eltern und ihre Kinder und ein besonders geeigneter Ort für interreligiöse und interkulturelle Erziehung. Bereits in der frühen Kindheit werden grundlegende Haltungen eingeübt und multi-kulturelles Miteinander ist dabei eine Chance für die Entwicklung aller Kinder.
Dies täuscht aber nicht darüber hinweg, dass der Dialog seine Begrenzung durch die sozialen, ökonomischen und politischen Realitäten findet. In Zeiten von hoher Arbeitslosigkeit, Spardiskussion und eines generellen Umbruchs in unserem Sozialstaat werden zunehmend Widerstände spürbar, die den Aufbau von nachbarschaftlichen Beziehungen zu den muslimischen Mitbürgern und Mitbürgerinnen erschweren.
Interkulturelle Erziehung bedeutet nicht einseitige Integration in deutsche Sprache und Kultur. Sie wendet sich an alle Kinder - ausländische und deutsche gleichermaßen. Sie bietet eine Chance für alle, die Verschiedenheit der unterschiedlichen Lebensformen und Kulturen als Bereicherung zu nutzen. Es geht nicht um Anpassung, sondern um einen wechselseitigen Prozess, der auf beiden Seiten Veränderungen bewirkt. Da kann z.B. ein Türkisch-Sprachkurs, den eine türkische Mutter für die pädagogischen Mitarbeiterinnen anbietet, den wechselseitigen Dialog erleichtern.
Damit ist interkulturelle Begegnung im Alltag weit mehr als folkloristische Buntheit.


