"Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe"
Innerhalb der evangelischen Kirche bahnt sich eine Annäherung zwischen Lutheranern und Baptisten an. Nach sechsjährigen Beratungen wurde jetzt ein sogenanntes Konvergenzdokument veröffentlicht, das die Aufnahme von Kanzel- und Abendmahlgemeinschaft zwischen lutherischen Landeskirchen und der Freikirche empfiehlt. Die Erklärung "Voneinander lernen – miteinander glauben" gilt als wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer vollen Kirchengemeinschaft. Eine Arbeitsgruppe der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden führte die theologischen Lehrgespräche.
Als besonders bedeutsam werten die Verfasser die Anerkennung der gegenseitigen Taufpraxis. Gerade in dieser Frage erschienen in den bisherigen Dialogen die Differenzen zwischen Lutheranern und Baptisten als unüberbrückbar. Das Papier stellt nun fest: "Baptisten und Lutheraner können beide Taufverständnisse als legitime Auslegungen des einen Evangeliums anerkennen."
Glauben und Taufe: unterschiedliche biografische Abfolgen
Baptisten lehnen die Taufe von Kindern ab. Nach ihrem Verständnis kann nur ein bewusst gläubiger Mensch getauft werden. Die Kirchen der Reformation bekämpften jahrhundertelang die Praxis der nochmaligen Taufe durch die Baptisten. In den Beratungen wurde die Idee entwickelt, dass Glaube und Taufe zwar zusammengehörten, sich diese aber in unterschiedlichen biografischen Abfolgen ausdrücken kann.
So sei die Säuglingstaufe nicht nur ein Bekenntnisakt, sondern eingebettet in eine Glaubensbiografie, die die Konfirmation als Taufbestätigung einschließt.
Baptisten: rund 5800 Mitglieder in 59 Gemeinden
Die bayerische Delegation verhandelte zugleich im Auftrag der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Die evangelische Kirche in Bayern zählt rund 2,6 Millionen Protestanten in über 1500 Gemeinden. Sie ist die drittgrößte der 22 Landeskirchen in Deutschland.
Zum bayerischen Landesverband der Baptisten gehören nach eigenen Angaben etwa 5800 Mitglieder in 59 Gemeinden. Deutschlandweit vertritt der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden mehr als 80 000 Mitglieder in rund 800 Ortsgemeinden.
Das Konvergenzdokument im Original finden Sie hier.


