Auswahl von Kampagnen gegen Zwangsprostitution während der Fußball-WM 2006

Als Begleiterscheinung der Fussball-WM 2006 wurde das Thema „Frauenhandel/ Zwangsprostitution“ vielfach von der Presse aufgegriffen und öffentlich gemacht. Dies ist auch als Erfolg der Kampagnen verschiedener Träger von kirchlichen Organisationen zu werten.

In Bayern wurde vom Ökumenereferat die Kampagne „SCHAU GENAU – EINE FRAU“ im Rahmen der Dekade "Gewalt überwinden" unterstützt und gefördert. Ein Hauptschwerpunkt dieser Kampagne lag auf der Plakatwerbung. 269 Flächen für Plakate wurden mit Hilfe der professionellen Sanitärwerbung in Herrentoiletten während der Fussball-WM ausgehängt in den Orten Augsburg, Erlangen, Ingolstadt, Regensburg und Würzburg. Parallel dazu lief die Postkarten-Aktion: 49.000 Postkarten wurden in 490 Lokalen zwei Wochen lang ausgelegt, 170.000 Postkarten wurden von verschiedenen Organisationen in Bayern verteilt.

Bei Solwodi, die eine Hotline im Zeitraum Anfang Mai bis Ende Juli geschaltet hatte, gingen 2.200 Anrufe dazu ein.Verschiedene kirchliche Einrichtungen arbeiteten bei dieser Kampagne erfolgreich zusammen unter der Federführung der Fachstelle für Frauenarbeit in Stein. Erwähnenswert ist hier auch die gute Koordination mit dem Katholischen Frauenbund, welche in dieser Qualität zum ersten Mal stattfand.

Das europäische Parlament und Frauenhilfsorganisationen wie die Evangelische Frauenarbeit in Bayern und der Katholische Deutsche Frauenbund wollten mit ihren Aktionen in erster Linie potentielle Freier auf die Probleme Frauenhandel und Zwangsprostitution aufmerksam machen. Die Männer, die mit Zwangsprostituierten in Kontakt kommen, hätten meist keine Vorstellung von deren Lage, so die Organisatoren. An ihre Verantwortung appellieren die Aufklärungskampagnen. Längerfristig soll mit den Aktionen auch die allgemeine Öffentlichkeit für das Leid der Opfer sensibilisiert werden.

Eine Auswahl der laufenden Kampagnen und Aktionen gegen Zwangsprostitution und Menschenhandel während der Fußball-WM 2006 möchten wir Ihnen hier vorstellen:

Zu den Informationen: bitte den jeweiligen Link anklicken!

>> Schau genau ... eine Frau
>> www.stoppt-zwangsprostitution.de
>> Diakonisches Werk der EKD
>> Deutscher Frauenrat
>> SOLWODI
>> BAN YING
>> Context e.V.

Schau genau ... eine Frau

Die Postkarte zur KampagneDie Evangelische Frauenarbeit in Bayern, der Katholische Deutsche Frauenbund und das Europäische Parlament starteten in den Austragungsorten Nürnberg und München eine Postkartenkampagne gegen Zwangsprostitution.

Auf der Rückseite der Postkarte befanden sich Anzeichen, woran Opfer von Menschenhandel zu erkennen sind.

schau genau ... EINE FRAU,
• die verängstigt ist oder weint,
• die willenlos alle Kundenwünsche erfüllt,
• die in verschlossenen Räumen arbeitet,
• die wenig oder kein Deutsch spricht,
• die minderjährig ist,
• die das Geld für ihre Dienste nicht selbst in Empfang nimmt,
• die nicht auf dem Gebrauch eines Kondoms besteht,
• deren Körper Spuren von Misshandlungen aufweist,

... sie könnte ein Opfer von Menschenhandel sein und Hilfe brauchen.

Zusätzlich waren Beratungsstellen wie JADWIGA in München und Solwodi genannt, die Hinweise auf Opfer von Menschenhandel entgegennahmen und  Frauen berieten. An die 50.000 Postkarten wurden in Lokalen ausgelegt und weitere 30.000 im Rahmen von Hilfsaktionen verteilt. Zudem wurden in München und Nürnberg rote Heftchen und Plakate verbreitet, die auf die Notsituation von verschleppten Frauen hinwiesen.

>> Adressen weiterer Beratungsstellenfinden Sie hier.

>> Unter www.franka-kassel.de, einer Website der hessischen Fachberatungsstelle FRANKA e.V., sind die möglichen Erkennungsmerkmale von Zwangsprostituierten neben Deutsch in elf weiteren Sprachen zu lesen.

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www.stoppt-zwangsprostitution.de

Rote Karte für die ZwangsprostitutionDie hessische Fachberatungsstelle „FiM – Frauenrecht ist Menschenrecht e.V.“ setzt sich für Opfer von Menschenhandel und Sozialbetrug für Frauen aus Afrika, Lateinamerika, Mittel- und Osteuropa sowie Asien ein. Mit der  Kampagne gegen Zwangsprostitution während der Fußball-WM, die auch vom Diakonischen Werk unterstützt wurde, wollte FiM den Freiern die problematische Lage von Zwangsprostituierten bewusst machen. Zudem ging es um das Verständnis, dass die Freier mit ihrer Nachfrage den Markt steuern.

Über Anzeigen in verschiedenen Medien, Plakate und Flyer während der WM sollten Männer für das Thema sensibilisiert werden, bevor sie sexuelle Dienstleistungen nachfragen. Mit der Kampagne sollten sie ermutigt werden, sich mit ihrem Verdacht auf Zwangsprostitution anonym an regionale Polizeidienststellen bzw. Fachberatungsstellen zu wenden.

Auf der Website www.stoppt-zwangsprostitution.de finden Sie weitere Informationen zu der Kampagne sowie den Beratungsstellen und Organisationen, die sich gegen die Zwangsprostituition engagieren.

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Diakonisches Werk der EKD

Bereits seit 2004 setzt sich das Diakonische Werk der EKD mit einem TV- und Kinospot gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution ein. Während der Fußball-WM 2006 wurde das Diakonische Werk ebenfalls mit einer Kampagne gegen Zwangsprostituiton und Frauenhandel aktiv. Das Diakonsiche Werk sieht seine Aufgabe insbesondere darin, als Bundesbverband die diversen Aktivitäten seiner Mitglieder zu bündeln und zu koordinieren, also ein Angebot an diese zu formulieren und entsprechenden Kommunikationsmaßnahmen zu schaffen, die dann von den Mitgliedern übernommen werden können.

Die Kampagne des Diakonischen Werks nutzte verschiedene Möglichkeiten, um Männer als potentielle Kunden von Zwangsprostituierten für das Thema Frauenhandel zu sensibilisieren. Plakate in den WM-Städten, Anzeigen in Zeitschriften und Zeitungen, mehrsprachige Postkarten in Restaurants und Kneipen verwiesen auf die Problematik und enthielten Hinweise auf weiter führende Informationen. Eine temporär zur WM geschaltete Internetseite sollte zudem als Informationsplattform dienen. Auch wurde ein Infotelefon geschaltet, das rund um die Uhr erreichbar war und Anrufenden die Möglichkeit bot, Beobachtungen zu melden. Auch Opfer konnten diese Nummern wählen und wurden an Beratungsstellen weiter vermittelt.

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Deutscher Frauenrat

Unter der Schirmherrschaft des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Klaus Wowereit, und des DFB-Präsidenten, Theo Zwanziger, wendete sich der Deutsche Frauenrat (DF) mit seiner Kampagne gegen Zwangsprostitutuion und Menschenhandel. Anhand von Flyern und einer Aktionsbroschüre sollte einerseits die Öffentlichkeit für das Problem des Frauenhandels sensibilisiert werden. Darüber hinaus sollte die Problematik mit expliziten Forderungen an politisch Verantwortliche herangetragen werden.

Logo der Kampagne "Abpfiff" „Abpfiff – Schluss mit der Zwangsprostitution“ – so lautete das Motto einer Unterschriftenaktion des Deutschen Frauenrats. Über 17.000 Unterschriften gingen ein, die der Deutsche Frauenrat im Herbst Bundeskanzlerin Angela Merkel überreichte.

Ziel der Kampagne war es, langfristig eine breitere gesellschaftliche Diskussion dieses Themas über die WM hinaus und auf einem höheren Niveau als bisher zu erreichen. Zu den Kooperationspartnern der Kampagne gehörten u.a. amnesty international, das Ökumenische Forum Christlicher Frauen in Europa, die Männerarbeit der EKD, der DGB und der Bundesweite Koordinierungskreis gegen Frauenhandel.

Näherer Informationen zur Kampagne „Abpfiff – Schluss mit der Zwangsprostitution“ finden Sie hier.

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SOLWODI

Der Verein SOLWODI e.V. wurde 1985 als Ausstiegsprojekt für Prostituierte in Kenia gegründet und unterhält mittlerweile zwölf Beratungsstellen und sieben Schutzwohnungen für Frauenhandelsopfer in Deutschland. SOLWODI steht für „Solidarity with women in distress“ (Solidarität mit Frauen in Not) und richtete während der Fußball-WM eine Hotline mit 20 Ordensfrauen aus unterschiedlichen Ländern als Ansprechpartnerinnen ein. Außerdem erstellte SOLWODI Flyer und Infoblätter, die allgemein über das Thema Zwangsprostitution informierten. Des Weiteren wurde eine „Rote Karte für sexuelle Ausbeutung bei der WM 2006“ verteilt, auf der die kostenlose Notrufnummer verzeichnet war.

Weitere Informationen zu SOLWODI finden Sie unter www.solwodi.de.
 

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BAN YING

Die Beratungs- und Koordinationsstelle gegen Menschenhandel Ban Ying hatte während der Fußball-WM die Internetseite www.verantwortlicher-freier.de sowie ein Infotelefon in Berlin eingerichtet, durch die Freier ermutigt werden sollten, sich bei Verdacht auf Zwangsprostitution zu melden.

Ban Ying ist thailändisch und bedeutet „Haus der Frauen“. Bereits seit 1988 engagiert sich der Verein Ban Ying für Migrantinnen mit Gewalterfahrung. Der Verein unterhält zwei Projekte, eine Zufluchtswohnung für Frauen aus Südostasien und eine Beratungs- und Koordinationsstelle gegen Menschenhandel. Beide Projekte werden von der Berliner Senatsverwaltung für Frauen finanziert.

Weitere Informationen zu Ban Ying können Sie unter www.ban-ying.de lesen.

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Context e.V.

Der gemeinnützige Verein Context e.V. startete seine Initiative „freiersein“ bereits im Herbst 2005. Auf der Internetseite www.freiersein.de sollen Männer ermutigt werden, bei Verdacht auf Zwangsprostitution zu reagieren. Verschiedene Aktionen zu dem Thema sind in Frankfurt am Main und Berlin geplant.

Context e.V. gibt es seit 2003 mit Sitzen in Berlin, Frankfurt am Main und Rio de Janeiro. Menschen aus unterschiedlichen Organisationen und Verbänden rund um Prostitution bringen in dem Verein ihre Fachkenntnisse, Erfahrungen und Kontakte zusammen. Aktionen und Kampagnen zur Sensibilisierung und Aufkärung, Austausch von Experten, Schulungen und fachliche Beratung etwa für Vertreter von Kommunen, Politik, Polizei und Medien gehören zu den Tätigkeitsfeldern von Context e.V.

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