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Ein 'Weckruf für Politik und Zivilgesellschaft'
Als Reaktion auf die "erschütternden" Äußerungen von Charlotte Knobloch hat sich Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm für die Akzeptanz der jüdischen Beschneidung in Deutschland ausgesprochen. Es sei sehr sinnvoll, das "hohe Gut der Menschenrechte" nach Kräften zu stützen. Dieser Sinn werde jedoch in sein Gegenteil verkehrt, "wenn das Recht als Kampfinstrument gegen Religion verwendet wird."
Freie Religionsausübung nicht in Frage stellen
Es sei "unerträglich", so Bedford-Strohm, "wenn Jüdinnen und Juden in Deutschland heute Anlass für die Frage sehen, ob sie als Religionsgemeinschaft in Deutschland noch eine Zukunft haben. Die männliche Beschneidung ist für das Judentum konstitutiv. Wer sie in Frage stellt, muss wissen, dass er damit jüdisches Leben in Deutschland überhaupt in Frage stellt." Der Landesbischof appellierte an die Kritiker der Beschneidung, "bei ihren Äußerungen den Schaden wahrzunehmen, den gedankenlose Worte anrichten können". Unabhängig von den jeweiligen religiösen oder religionskritischen Überzeugungen dürften die Grundlagen der freien Religionsausübung in Deutschland nicht in Frage gestellt werden. Er sei jedoch sicher, "dass die Politik hier bald Klarheit schaffen wird."
Große Resignation
Charlotte Knobloch hatte in der Süddeutschen Zeitung geschrieben, angesichts der erregten Debatte um die Beschneidung frage sie sich, "ob dieses Land uns noch haben will". Erstmals spüre sie Resignation, so die Präsidentin der israelitischen Gemeinde in München. Es werde Zeit, dass die Juden in Deutschland, die trotz der Schoah in diesem Land lebten und es liebten, "für das Vertrauen, das wir hier wagen, neue Bestätigung erhalten."


