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"Ein großes Geschenk" - Landesbischof Bedford-Strohm seit hundert Tagen im Amt

Mit einer neuen Microsite www.bayern-evangelisch.de/landesbischof feiert bayern-evangelisch.de die ersten hundert Tagen des Landesbischofs in seinem Amt. Von nun an können dort schnell und übersichtlich Termine, Predigten, Reden und Kontaktadressen abgerufen werden. In einem Interview mit Achim Schmid und Christiane Ried (epd) zieht Heinrich Bedford-Strohm Bilanz über seine ersten 100 Tage und wagt einen Ausblick auf die kommende Zeit. Er habe nicht Landesbischof werden wollen mit der Attitüde "Jetzt wird alles anders gemacht", sagt er. Die ersten drei Monate habe er dazu genutzt, genau hinzuhören, was die Menschen fühlen und brauchen.

Herr Bedford-Strohm, Sie sind jetzt seit 100 Tagen im Amt. Was hat Sie am meisten gefreut in der Zeit?

Bedford-Strohm: Mich haben am meisten die vielen, sehr schönen Gottesdienste bewegt und die Begegnung mit den Menschen. In allen Kirchenkreisen habe ich schon eine Antrittspredigt gehalten. Die Menschen freuen sich natürlich, dass der Landesbischof kommt - besonders der neue, auf den sie neugierig sind. Die Kirchen waren bisher auch immer voll. So etwas beflügelt mich. Ich gehe aus solchen Gottesdiensten gestärkt und froh wieder raus.

Was haben Sie in den ersten 100 Tagen schon in Gang gesetzt?

Bedford-Strohm: Zuerst einmal wollte ich hinhören. Konkret ist das Internet für mich ein wichtiges Thema, das ich vorantreiben will. Ich habe als Landesbischof jetzt auch eine Facebook-Seite, die sehr intensiv wahrgenommen wird. Ich nehme auch selbst viel mit von der Seite: Ich schreibe mir auf, was an Impulsen und Kommentaren kommt.

Sind Sie auch privat ein Facebook-Nutzer?

Bedford-Strohm: Relativ mäßig. Ich nutze Facebook sehr privat im Kreise der Familie und einiger weniger Freunde. Es ist praktisch, weil meine Kinder auf der Welt verstreut sind - ein Sohn ist in Südafrika, der andere in den USA. Ein bisschen Alltagskommunikation ist auch dabei - aber alles wirklich in einem sehr privaten Rahmen.

Können Internet, Facebook oder Twitter helfen, das "altbackene Image" der Kirche loszuwerden?

Bedford-Strohm: Es ist wichtig, dass wir uns gegenüber Kreisen öffnen, die mit Kirche erst mal nichts zu tun haben und sich bei uns noch nicht zuhause fühlen. Ich möchte nicht von ihnen erwarten, dass sie sich einfach an uns anpassen. Vielmehr müssen wir uns selbst verändern im Gespräch mit den Menschen in der Gesellschaft mit all ihren verschiedenen Milieus und Gruppen. Davon können wir als Kirche lernen und profitieren. Das heißt: öffnen, frischen Wind reinbringen und Kirche spannend machen - das ist mir ein großes Anliegen.

Haben Sie es schon einmal bereut, Landesbischof geworden zu sein?

Bedford-Strohm: Nein, zu keinem Zeitpunkt. Ich habe zwar lange gebraucht, um mich für eine Kandidatur zu entscheiden. Doch danach habe ich diesen Schritt nie bereut. Es ist mir ungeheuer wichtig, dass wir die Ausstrahlungskraft des christlichen Glaubens heute deutlich machen. Ich bin davon überzeugt, dass der christliche Glaube Menschen, egal woher sie kommen, ganz viel zu sagen hat. Und dass ich das jetzt zu meinem Hauptberuf machen darf - vom christlichen Glauben überall zu erzählen und mit Menschen ins Gespräch zu kommen -, das empfinde ich als großes Geschenk. Natürlich arbeite ich viel, und meine Arbeitstage sind sehr lang. Aber ich empfinde das bisher nicht als Last.

Bei Ihrem Amtsantritt haben Sie das Bild einer authentischen, öffentlich wirksamen Kirche beschrieben. Wie ist Ihre erste Bilanz dazu?

Bedford-Strohm: Meine Hoffnungen sind absolut in Erfüllung gegangen. Wie ich immer wieder erlebe, interessieren sich viele Menschen für unsere Kirche und ihre Inhalte. Dabei entwickeln sich immer wieder spannende Gespräche. Manchmal müsste ich mich geradezu vierteilen, um allen Anfragen und Bedürfnissen - auch von kirchenfernen Menschen - gerecht zu werden. Bei meinen vielen Besuchen selbst in eher kirchendistanzierten Milieus erlebe ich überhaupt keine Feindlichkeit.

Deshalb hat die Mitgliedschaft in einer Kirche heute als bewusste individuelle Entscheidung einen ganz anderen Stellenwert als vielleicht noch vor 50 Jahren. Umso höher ist zu bewerten, dass rund 50 Millionen Menschen in Deutschland sich aus Freiheit nach wie vor entscheiden, Mitglied in der Kirche zu sein. Trotzdem bleibt natürlich jeder einzelne Kirchenaustritt schmerzlich, weil es uns offensichtlich in diesen Fällen nicht gelungen ist, die Kraft des christlichen Glaubens so darzustellen, dass die Menschen sich für die Kirche entscheiden.

Vielen Dank für das Gespräch.

Quelle: epd