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"Die wichtigste Grundlage für unseren Glauben"
Die Schöpfermacht Gottes preist der Bibelsonntag, den evangelische, katholische und orthodoxe Christen seit 1982 am letzten Sonntag im Januar feiern. In Predigten, Liedern und Aktionen erinnern Kirchengemeinden an die zentrale Bedeutung, die das Buch der Bücher für das Christentum hat. bayern-evangelisch.de sprach mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bibelgesellschaft, Altlandesbischof Dr. Johannes Friedrich, über diesen besonderen Sonntag.
Herr Dr. Friedrich, welche Bedeutung hat der ökumenische Bibelsonntag, der jährlich gefeiert wird, für Sie persönlich?
Die Bibel ist das wichtigste Medium, nein die wichtigste Grundlage für unseren Glauben. Daran explizit an einem Sonntag in jedem Jahr erinnert zu werden, finde ich wichtig. Und ich freue mich, wenn viele Gemeinden diesen Aufhänger benutzen, um die Bedeutung der Bibel für unseren Glauben in Erinnerung zu rufen.
Welche Bedeutung hat hier der ökumenische Aspekt? Streng genommen dürfte der Gottesdienst doch gar nicht ökumenisch gefeiert werden, oder doch?
Nun, zur normalen Gottesdienstzeit verbietet die katholische Kirche einen gemeinsamen Gottesdienst, aber dieser kann ja auch am Samstag- oder am Sonntagabend gefeiert werden. Im übrigen ist es aber wunderbar, dass dieser Bibelsonntag gemeinsam begangen wird. Früher war es ja vor allem die evangelische Kirche, die die Bibel so herausgestellt hat. Dass dies jetzt gemeinsam geschieht, ist ein großer Fortschritt.
Ist der Bibelsonntag nicht wie ein Gedenktag für eine besonders gefährdete Spezies?
Nein, auf keinen Fall. Solange es christlichen Glauben und christliche Kirche gibt, ist die Bibel nicht gefährdet. Sie ist aber in unserer Gesellschaft längst nicht mehr so bekannt wie früher. Da ist der Bibelsonntag ein guter Aufhänger, wieder darauf aufmerksam zu machen.
Der Schwerpunkttext in diesem Jahr stammt aus Jesus Sirach – ein katholischer Fokus?
Der frühere Präsident des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland, Hermann Barth, hat uns immer wieder mit Stellen aus Jesus Sirach und seiner Botschaft aufmerksam gemacht: Das ist auch für Evangelische von hohem Nutzen.
Was empfehlen Sie Gemeinden zum ökumenischen Bibelsonntag?
Nicht nur – wie jeden Sonntag – aus der Bibel zu lesen und darüber zu predigen, sondern sich über die Bedeutung der Bibel für unseren Glauben Gedanken zu machen. Vielleicht kann man auch in der Woche davor oder danach in besonderer Weise eine öffentlichkeitswirksame Aktion zur Bibel oder zum Beispiel zur neuen Basisbibel machen.
Seit 2009 sind Sie Vorsitzender der Deutschen Bibelgesellschaft. Welche Projekte beschäftigen Sie dort im Moment?
Die Frage, ob wir es finanziell schaffen, nach dem Neuen Testament auch das Alte Testament der Basisbibel zu übersetzen und herauszubringen. Da fehlt noch viel Geld, aber der Erfolg beim Neuen Testament ist so groß, dass wir das unbedingt schaffen wollen. Wir sind für jeden Spender dankbar
Was ist denn das Besondere an der Basisbibel?
Es ist die erste Übersetzung, die sich in jeder Weise für einen digitalen Gebrauch eignet. Sie bietet auch in der gedruckten Fassung Erklärungen zu jedem wichtigen Wort und ist gut zu lesen: Kein Satz darf länger als eine Druckzeile sein!
Was hat Sie bewogen, sich in der Bibelgesellschaft zu engagieren?
Seit meiner Promotion im Neuen Testament habe ich ein besonderes Herz für die Bibel. So kam die Anfrage, ob ich dieses Amt auch in meinem Ruhestand würde ausüben wollen, gerade recht. Denn es ist schön, auch im Ruhestand noch eine wichtige Aufgabe zu haben.
Am 5. Februar, dem Sonntag nach dem Bibelsonntag, werden Sie unter großem öffentlichem Interesse in ihr neues Amt als Pfarrer im mittelfränkischen Bertholdsdorf eingeführt. Worauf freuen Sie sich am meisten?
Vor allem auf das regelmäßige Predigen vor einer Gemeinde, die ich kenne. Daneben auf die Besuche, die ich gerne machen möchte, und die Arbeit mit dem Kirchenvorstand.
Wie hat die Gemeinde Sie aufgenommen?
Der Kirchenvorstand und insbesondere die Vertrauensfrau sowie die Pfarramtssekretärin haben mich außerordentlich freundlich aufgenommen, ich stehe mit denen bereits in einem engen Arbeitskontakt. Bei anderen ist noch eine gewisse Scheu zu spüren, die ich aber bald zu überwinden hoffe.
Wie den Vorsitz der Bibelgesellschaft bekleiden Sie ja noch weitere nationale und internationale Ämter. Haben Sie Sorge, zu wenig Zeit für die Gemeinde zu haben?
Die Gemeinde hat ja von ihrer Größe her nur eine halbe Pfarrstelle, die werde ich sicher ganz ausfüllen können.
Wird die Bibel in der Gemeinde des Vorsitzenden der Bibelgesellschaft eine herausragendere Rolle spielen als in anderen Gemeinden?
Ja, ganz sicher.
Herr Dr. Friedrich, wir wünschen Ihnen Gottes Segen für Ihre Aufgaben in der Deutschen Bibelgesellschaft und auf der neuen Stelle in Bertholdsdorf!


