Videos zum Kunstprojekt „12 [W]ORTE"

Kunst heißt "anders sehen"

Professor Ralf Frisch erklärt "Der verlorene Sohn" von Judith Siedensberger.

In Betzenstein filmte ein Künstler Rituale aus der Sicht von Außerirdischen. In Hof macht das Kunstwerk "der verlorene Sohn" Herztöne hörbar. Nicht immer erklärt sich Kunst von selbst.

Moderne Kunst heißt "anders sehen" - sagt Theologieprofessor Ralf Frisch. In einer neuen Videoreihe bereist der Kunstkenner zusammen mit Pressesprecher Johannes Minkus Orte und Kunstwerke der oberfränkischen Aktion 12 [W]ORTE - und macht sich so seine Gedanken dazu. 

So sucht er mitten im Schnee die Kapelle auf dem Sophienberg bei Bayreuth, die der Künstler Wolfgang Stephan zu dem Bibelwort "Von allen Seiten umgibst Du mich" (Psalm 139)  errichtet hat,  und findet dort ein luftiges Holzgebilde. "Vielleicht ist es so wie im richtigen Leben", so Frisch. "Wir wissen nicht, ob wir in dieser Eiseskälte der Welt doch letztlich allein sind und kein Gott da ist, der uns umgibt. Und trotzdem ist es uns zugesagt: Einer ist da, der uns beschützt."

"Sieht so die Schöpfung aus? Aber das ist ja total abstrakt?" fragt Frisch in Gemünda bei dem Stahlkunstwerk des Künstlers Gerd Kanz. Und gibt sich gleich selbst die Antwort: "Die Schöpfung ist ja abstrakt." Moderne Naturwissenschaft habe erkannt, dass die Dinge im Innersten abstrakt seien. "Steckt hinter allem ein Schöpfer oder ist es nur Natur?" Moderne Kunst gebe nicht einfach das Sichtbare wieder, sie zeige, was man anders nicht darstellen könne und lehre so, die Dinge neu zu sehen.

Bei der Videoinstallation von Margarethe Kollmer in der Coburger Salvatorkirche, die Füßr bei einem Waldspaziergang zeigt, fragt Frisch "Was hat das mit Liebe zu tun?" In Schottenstein findet er in der Pankratiuskirche das Kunstwerk der "zehn Gebote" von Ute Bernhard vor, das vielleicht noch gar nicht fertig ist, sondern noch weitergeschrieben werden kann - wie die heilige Schrift sich in unserem Leben fortsetzt, meint Frisch. Ein Kunstwerk nach dem anderen nimmt sich der Kunstkenner so auf humorvolle Weise vor.

Der fremde Blick auf das Eigene

"Man muss hin und wieder als Kirche darüber nachdenken, was wir da eigentlich tun, was uns unsere Rituale, unsere Symbole, unsere Kirchenräume bedeuten", meint er beim umstrittensten Kunstwerk des Künstlers Tim Zuber in Betzenstein. Das stelle die Toleranz manchmal sehr auf die Probe. Aber in spannenden Diskussionen werde wieder deutlich "wie viel uns unsere Kirche eigentlich wert ist." Moderne Kunst lehre, das Eigene anders zu sehen. "Das kann schmerzhaft sein, aber das ist gut so."

Noch bis zum 31. Oktober können sich Interessierte auf einen „Pilgerweg“ durch die zwölf Gemeinden begeben, die Bibelwort-Kunstwerke in sich wirken lassen und versuchen, die Welt, Gott und sich selbst durch die moderne Kunst anders zu sehen.

 

 


27.02.2015 / Anne Lüters
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