Zum Tod von Wolfhart Pannenberg

Ein großer Mann der Ökumene

Pannenberg

EIn streitbarer Wissenschaftler: Wolfhart Pannenberg starb im Alter von 85 Jahren (Bild aus dem Jahr 1983)

Bild: Bundesarchiv, B 145 Bild-F065001-0017 / Reineke, Engelbert / CC-BY-SA

Nach dem Tod von Wolfhart Pannenberg haben zahlreiche Kirchenvertreter den evangelischen Theologen gewürdigt. Die Landeskirche sei ihm zu großem Dank verpflichtet, betonte Landesbischof Bedford-Strohm.

Um für seine Überzeugungen einzutreten, scheute der renommierte Münchner Theologieprofessor Wolfhart Pannenberg auch nicht vor publikumswirksamen Aktionen zurück. Da für den streitbaren evangelischen Theologen eine an der Bibel orientierte Kirche beim Thema Homosexualität "enge Grenzen" hat, gab er sein Bundesverdienstkreuz zurück. Zur Begründung führte er an, auch "Vorkämpfer der Gleichstellung homosexueller Lebensgemeinschaften mit der Ehe" hätten diese Auszeichnung erhalten. Am 4. September ist der Theologe im Alter von 85 Jahren gestorben.

gegen den "Geist des Säkularismus"

Auch der kirchlichen Obrigkeit schrieb Pannenberg immer wieder mit deutlichen Worten ins Stammbuch, dass sie sich nicht vorschnell dem jeweils herrschenden Zeitgeist anpassen sollte. Vielen Bischöfen fehle es an theologisch begründetem Selbstbewusstsein, so dass es ihnen nicht gelinge, die christlichen Positionen "energisch zur Geltung zu bringen", sagte Pannenberg in einem Interview. Die Ausdünnung der christlichen Botschaft durch Anpassung an den "Geist des Säkularismus" führe zum Verschwinden der Kirchen, die diesen Weg gehen.

Kondolenzschreiben des Landesbischofs

Der bayerische evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm schrieb in seinem Kondolenzschreiben an Pannenbergs Ehefrau: "Unsere Kirche, mit der er ja so oft nicht einverstanden war, die aber immer zentral in seinem Horizont war, ist ihm zu großem Dank verpflichtet." Pannenberg habe die Kirche immer wieder zur Ökumene aufgerufen. Damit habe er immer an etwas erinnert, "was nie aus dem Blick geraten darf, wenn wir unser Bekenntnis der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche wirklich ernst nehmen wollen".

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Prägend für die evangelische Theologie ist bis heute Pannenbergs dreibändige große "Systematische Theologie" und sein theologischer Neuansatz. Nach Auffassung Pannenbergs, der damit eine ganze wissenschaftliche Richtung begründete, bezieht sich der christliche Glaube nicht allein auf das "persönliche Bekenntnis" des einzelnen Menschen. Vielmehr habe er auch einen allgemeingültigen, "universalen" Wahrheitsanspruch, der in Wissenschaft und Gesellschaft wirksam sei. Damit setzte sich Pannenberg von der bisherigen theologischen Richtung ab, wie sie von Karl Barth und Rudolf Bultmann verkörpert wurde.

ein wichtiger Vordenker der Ökumene

Eine entscheidende Rolle spielte Pannenberg, der 1928 in Stettin geboren wurde und nach einer schnellen wissenschaftlichen Karriere 1967 den Lehrstuhl für Systematische Theologie der neu gegründeten Evangelisch-Theologischen Fakultät an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) übernahm, in der Ökumene. Als einer der ersten Universitäts-Theologen hielt er bereits 1969 ein ökumenisches Seminar zur "Lehre vom geistlichen Amt in katholischer und evangelischer Perspektive".

Für die evangelische Kirche saß Pannenberg in der "Gemeinsamen Kommission", die in fünf Jahre langer Arbeit die noch zwischen den Kirchen stehenden gegenseitigen "Lehrverurteilungen" angehen und überwinden sollte. Der damalige Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, schrieb zum Ruhestand Pannenbergs, dem evangelischen Theologen sei "die Suche nach der Einheit der Christen zu einem Herzensanliegen" geworden.

zahlreiche Ehrungen

Für seine Forschung und Lehre, mit der er ganzen Pfarrer-Generationen das wissenschaftliche Rüstzeug für ihren Beruf mitgab, wurden Pannenberg viele Ehrungen und Auszeichnungen zuteil. Er erhielt mehrere Ehrendoktorwürden, war Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und korrespondierendes Mitglied der British Academy (London).

Privat hörte Pannenberg gern Mozart und Vivaldi und spielte nach seiner Emeritierung - wie er es selbst ausdrückte - den "Hilfsarbeiter" im Garten seiner Frau. Er hielt zwar noch einige Zeit Gastvorlesungen an der Universität Berlin und Lehrveranstaltungen in den USA. In den letzten Jahren zog sich der einst so streitbare Theologe aber immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück.


15.09.2014 / Achim Schmid (epd)