Zugunglück bei Bad Aibling

Ökumenischer Gedenkgottesdienst

Kerzen

Auch bei der Ökumenischen Gedenkstunde in der katholischen Kirche Mariä Himmelfahrt in Bad Aibling wurden Kerzen entzündet und im Gebet an die Opfer und Betroffenen des Zugunglücks gedacht.

Bild: CommonC/SplitShire

Bei Bad Aibling stießen am Dienstagmorgen zwei Zügen zusammen. Der Ökumenische Gedenkgottesdienst für Opfer, Angehörige und Helfer findet am Sonntag, 14. Februar in St. Georg in Bad Aibling statt.

Nach dem schweren Zugunglück in Bad Aibling mit zehn Toten und fast 100 Verletzten herrscht große Betroffenheit. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sprach am Dienstagmittag Opfern und Angehörigen sein Mitgefühl aus: "Das ist eine Tragödie für unser ganzes Land, die uns mit Trauer und Entsetzen erfüllt." Er sei bestürzt und tief betroffen. Auch die bayerischen Bischöfe Heinrich Bedford-Strohm und Reinhard Marx drückten ihre Verbundenheit mit Opfern und Angehörigen aus.

Am Dienstagmorgen waren auf der eingleisigen Strecke zwischen Holzkirchen und Rosenheim zwei Züge frontal zusammengestoßen und teilweise entgleist. Nach Angaben der Polizei gab es bislang zehn Tote, 18 Schwer- und 63 Leichtverletzte. Eine Person werde noch vermisst. Die Unfallursache ist bisher noch unklar. Der Polizeipräsident von Oberbayern Süd, Robert Kopp, sprach vom "schwärzesten Faschingsdienstag in der Region", sagte aber auch, dass das Zugunglück noch weitaus schlimmer hätte verlaufen können. Insgesamt befanden sich 150 Fahrgäste an Bord - wegen der Faschingsferien allerdings deutlich weniger als an normalen Werktagen.

Zur Person

Pfarrkirche St. Georg Bad Aibling, Bild: © Pfarrkirche St. Georg Bad Aibling

Ökumenischer Gedenkgottesdienst am 14. Februar 2016 in Bad Aibling

 Mit einem Gedenkgottesdienst am Sonntag, 14. Februar, um 16 Uhr in der Pfarrkirche St. Georg in Bad Aibling (Sonnenstraße 38) erinnern die katholische und die evangelische Kirche an die Opfer des Zugunglücks von Bad Aibling. Kardinal Reinhard Marx und Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler, die Ständige Vertreterin des Landesbischofs, feiern den ökumenischen Gottesdienst gemeinsam mit Angehörigen der Opfer, Unfallbeteiligten, Rettungs- und Hilfskräften und weiteren Gläubigen. Der Gottesdienst wird zusätzlich in den Pfarrsaal St. Georg neben der Kirche übertragen.

Der bayerische Landesbischof und EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm sagte dem epd: "Es ist etwas Fürchterliches, wenn man zur Arbeit fährt, mitten im Alltag ist, und dann plötzlich so etwas Schlimmes passiert." Die kirchlichen Notfallseelsorger vor Ort täten seit den frühen Morgenstunden alles, um die Menschen so gut wie möglich zu begleiten. Auch die Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler äußerte sich erschüttert über das Unglück. "Mein ganzes Mitgefühl und meine Gebete gelten den Familien, die einen ihrer Liebsten verloren haben."

Der Münchner Erzbischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Marx, sagte: "Unsere Gedanken und unsere Anteilnahme gehören den Opfern dieses Unglücks." Mit großer Erschütterung fühle man sich den Angehörigen der Opfer als Kirche verbunden. "Wir erbitten Gottes Beistand und Trost für sie."

Ein großes Team von evangelischen und katholischen Notfallseelsorgern kümmerte sich ab den frühen Morgenstunden um Opfer und Angehörige. Nach Auskunft des Dekanats Rosenheim sind mindestens sechs evangelische Pfarrer an der Unglücksstelle; weitere Seelsorger seien in Rufbereitschaft. "Notfallseelsorger kümmern sich um Leichtverletzte und Menschen, die das Unglück miterlebt haben", sagte Hanjo von Wietersheim, Notfallseelsorge-Beauftragter der bayerischen Landeskirche, dem epd. Insgesamt gibt es in Bayern rund 600 evangelische Notfallseelsorger, die in ökumenischen Teams eng mit ihren katholischen Kollegen zusammenarbeiten.

Die Notfallseelsorger wüssten in der Regel, was sie am Unglücksort erwarte, erläuterte von Wietersheim. Da die Schwerverletzten von den Rettungskräften versorgt würden, kümmerten sich die Notfallseelsorger vorwiegend um Leichtverletzte. "Manche Menschen kommen mit so einer Situation sehr gut klar, für sie geht es eher um organisatorische Fragen, ob sie zum Beispiel einen Anschlusstermin noch erreichen", sagte der Pfarrer. Andere seien sehr erschüttert, vor allem wenn es ein Unglück mit Toten und Schwerverletzten sei. "Die fragen sich: Hätte mir das auch passieren können?" Solche Gespräche seien dann Aufgabe der Notfallseelsorger, sagte der Koordinator.

Der Blutspendedienst in München hat inzwischen auf seiner Homepage dazu aufgerufen, Blut zu spenden. Nach dem Zugunglück bestehe ein "akut deutlich erhöhter Bedarf an lebensrettenden Blutkonserven". Das Zugunglück von Bad Aibling ist das schwerste in Bayern seit dem Unfall bei Warngau von 1975. Damals waren zwischen Lenggries und München zwei Züge frontal zusammengestoßen, 41 Menschen starben.


11.02.2016 / epd
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