60 Jahre kda Bayern

"Zeichen der Mitmenschlichkeit setzen"

Dr. Johannes Rehm, Leiter des kda Bayern

Dr. Johannes Rehm, Leiter des kda Bayern

Bild: kda Bayern

Sein 60-jähriges Bestehen feiert der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt (kda) Bayern am 25. September 2014. Im Interview gibt kda-Leiter Dr. Johannes Rehm (Foto) Rück- und Ausblicke.

„menschen. gerecht. arbeiten.“ lautet das Grundanliegen des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt. Wie gut ist es dem kda gelungen in den vergangenen 60 Jahren hierzu beizutragen – wie lautet da ihr Resümee als kda-Leiter?

Dr. Johannes Rehm: „Ganz sicher ist es unseren kda-Mitarbeitenden in zahllosen Fällen gelungen den Schwächeren in unserem Wirtschaftssystem solidarische Mitmenschen zu sein. Dies ist praktizierte Nächstenliebe. Gelegentlich gibt es auch sichtbare Erfolge über die man sich freuen kann. Gemeinsam mit vielen anderen gelang es erst kürzlich einen drohenden Arbeitsplatzabbau in Kitzingen zu stoppen, um nur ein Beispiel von mehreren zu nennen.

Informationen zum Thema

60 Jahre kda Bayern

Der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt (kda) Bayern feiert sein 60-jähriges Jubiläum: am Donnerstag, 25. September 2014 um 18 Uhr gibt es dazu einen Festgottesdienst in St. Sebald, Nürnberg, mit Oberkirchenrat Detlev Bierbaum. Danach folgt ein Empfang im Haus ecktstein, Nürnberg, in Anweseneheit von Dr. Annkathrin Preidel, Präsidentin der Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB), Bernhard Dausend, Landesvorsitzender der Aktionsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, afa, Horst Eggers, Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Handwerk und Kirche in der EKD, Matthias Jena, Vorsitzender des DGB Bayern und Ivor Parvanov, Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, vbw.

Man kann also durchaus etwas für die arbeitenden Menschen erreichen, auch wenn nicht jeder Einsatz von Erfolg gekrönt ist. Immer gelingt es uns als Christen Zeichen der Mitmenschlichkeit zu setzen, die dankbar wahrgenommen werden. Aber der kda wirkt nicht nur nach außen, sondern auch nach innen in die Kirche hinein.“

Wie meinen Sie das?

Rehm: „Zum Beispiel haben wir als arbeitsweltlicher Dienst das Verhältnis von Kirche und Gewerkschaften in den vergangenen Jahrzehnten lokal und überregional auf eine andere konstruktive Ebene gehoben. Durch unser Arbeitsweltpraktikum für Theologiestudierende ist es uns ferner nachhaltig gelungen Generationen von Pfarrern und Pfarrerinnen für Probleme der Arbeitswelt zu sensibilisieren.“

Was ist nicht so gut gelungen?

Rehm: „Die Wahrung des Sonntagsschutzes: es gibt immer mehr Menschen, die sonntags arbeiten, das müssen wir dringend langfristig ändern.“

Eine Herausforderung für den kda mit Blick auf die nächsten 60 Jahre.

Rehm: „Absolut. Ein weiteres Problem ist die zunehmende Entpersonalisierung von Arbeitsplätzen, immer mehr Menschen haben gar keinen eigenen Schreibtisch. Dazu wollen wir das Menschenrecht auf Arbeit stärken, den Dialog mit der Wirtschaft ausbauen und uns für die Mitbestimmung der Mitarbeiter in den Betrieben stark machen.“

Apropos Mitbestimmung: Wie wirkt denn auf Sie als kompetenter Ansprechpartner für Missstände in der Arbeitswelt so ein Streit, wie er gerade bei der Deutschen Bahn ausgetragen wird? Finden Sie die Drohgebärden der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) in bezug auf unbefristete Streiks nachvollziehbar, wenn die Bahn ihren Forderungen (fünf Prozent mehr Lohn, zwei Wochenstunden Arbeitszeit weniger) nicht nachkommt? Oder wird da gerechtet auf Kosten der "kleinen Leute" (nämlich der Fahrgäste)?

Rehm: „Ich möchte mich ungerne in eine laufende Tarifauseinandersetzung einmischen. Wenn ich jetzt doch etwas dazu sage, dann dies: Ich möchte an alle Beteiligten in diesem Konflikt appellieren, eine vernünftige Balance zu wahren. Und darauf hinzuweisen, dass es sehr wichtig ist, dass bei diesen Verhandlungen faire Arbeitsverträge ausgearbeitet werden, mit denen die Mitarbeiter gut leben und arbeiten können. Und dass gleichzeitig bei aller Streikbereitschaft aber auch Maß und Ziel nicht aus dem Auge verloren werden und das Wohl der Fahrgäste gewahrt bleibt.“

Welches kda-Projekt liegt Ihnen zurzeit am meisten am Herzen und warum? Und welche neuen Projekte sind in Planung?

Rehm: „Nach wie vor sehr wichtig ist das Spendenprojekt ,1+1 – Mit Arbeitslosen teilen“, das sich für Arbeitsplätze für langzeitarbeitslose Menschen einsetzt. Dauerthema ist wie gesagt die ,Sonntagsallianz‘; uns ist einfach ein gesunder Rhythmus aus Arbeit und Ruhe ganz wichtig. Weiterhin setzen wir uns für den ethischen Dialog in der Wirtschaft ein, wofür das Forum „Kirche, Wirtschaft, Arbeitswelt“ in Wildbad Rothenburg am 24. und 25. Oktober ganz wichtig ist. Ich selbst habe gerade ein neues Buch unter dem Titel „Arbeitswege“ geschrieben, in welchem ich Menschen an ihrem Arbeitsplatz portraitiere und der Frage nachgehe: wie kann der christliche Glaube im heutigen Arbeitsalltag gelebt werden? Außerdem ist ein neuer kda-Report zu sozialpolitischen Themen in Produktion.“


17.09.2014 / Interview: Almut Steinecke
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