Bayerisches Bündnis für Toleranz

Viel Lob zum zehnjährigen Bestehen

Augsburger Schüler-Big-Band beim Festakt 10 Jahre Bayerisches Bündnis für Toleranz

Eine Augsburger Schüler-Big-Band eröffnete den Festakt mit dem Hit "Respect".

Bild: Annette Zoepf

In Augsburg wurde das Jubiläum des Bündnisses gefeiert, das im Juli 2005 gegründet wurde. Es setzt sich mit verschiedenen Projekten gegen Rassismus, Rechtsextremismus und Antisemitismus ein.

Das »Bayerische Bündnis für Toleranz –Demokratie und Menschenwürde schützen« hat am Montag in Augsburg sein zehnjähriges Bestehen gefeiert. Dem Bündnis, das für sein Engagement in den vergangenen Jahren mehrfach ausgezeichnet wurde, gehören 56 Organisationen aus den Bereichen Kirche, Staat, Wirtschaft und Gesellschaft an.

„Die Herausforderung ist klar: Alle menschenfeindlichen Einstellungen der Gesellschaft aufdecken, wahrnehmen, dagegen streiten, aufklären“, erklärte der Sprecher des Bündnisses, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. „Rassismus und Antisemitismus beim Namen nennen, da wo er aufkommt. Und dafür werben, dass ein Zusammenleben, in dem allen Menschen einander achten, ein viel glücklicheres Leben ist“, so Bedford-Strohm. Das Bündnis könne auf einige Erfolge hinweisen, „die Hoffnung auf eine andere Gesellschaft machen“.

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, warnt vor einer Zunahme der Fremdenfeindlichkeit in Deutschland. Die Zahl fremdenfeindlicher Handlungen sei seiner Ansicht nach in den vergangenen Jahren zwar weder gestiegen noch gesunken, sagte er am Montagabend beim Festakt zum zehnjährigen Bestehen des Bayerischen Bündnisses für Toleranz in Augsburg. Allerdings gebe es eine klar erkennbare qualitative Zunahme. Heute würden Dinge eher ausgesprochen, die viele Menschen bisher offenbar nur gedacht hätten. Der Kampf gegen den Antisemitismus müsse fortgesetzt werden. "Kein Mensch wird als Rassist oder Judenfeind geboren", hob er hervor.

Zitat

Das bayerische Bündnis für Toleranz ist ein Zeichen der Reife unserer demokratischen Kultur. Dass sich so viele unterschiedliche Organisationen aus der Mitte der Gesellschaft in Bayern zu diesem Bündnis zusammengefunden haben, ist ein Riesenschatz. Es zeigt: Toleranz, Menschenwürde und Demokratie sind so verwurzelt in Bayern, dass rechtsradikale Hetze nicht hingenommen wird. Die Menschen zeigen Flagge für die Demokratie!

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm

Schusters Vorgängerin Charlotte Knobloch lobte die Organisation dabei als große Erfolgsgeschichte. Was vor zehn Jahren mit acht bis zehn Menschen begonnen habe, sei inzwischen eine große Organisation, die für die Verteidigung der demokratischen Werte in Deutschland viel bewirkt habe, sagte die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Viele junge Menschen seien im vergangenen Jahrzehnt mit zahlreichen Aktionen und Bildungsarbeit erreicht worden.

Auch der erste Sprecher des Bündnisses, der frühere evangelische Landesbischof Johannes Friedrich, hob die erfolgreichen Aktionen des Bündnisses hervor. So seien mit Plakaten auf Fußballplätzen, mit denen sich Amateurvereine gegen Rechtsextremismus aussprachen, viele Menschen angesprochen worden, sagte er.

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) warnte vor einer Pauschalisierung bei der Kritik an Israel. Jeder dürfe die israelische Regierung wegen bestimmter Maßnahmen kritisieren. Es gebe aber von der extremen Rechten bis zur extremen Linken die Tendenz, dies zur generellen Israel- und Judenfeindlichkeit zu machen. Es haben während der Weltfinanzkrise Stimmen gegeben, die dem "Weltjudentum" die Schuld daran gegeben hätten. So eine Anlehnung am NS-Wortschatz sei eine Gefahr. Mit Blick auf die Flüchtlingsdebatte und die Anschläge auf Flüchtlingsheime betonte er, dass sich jeder Mensch in Deutschland sicher aufhalten können muss - egal, ob es sich um einen Kriegsflüchtling handle oder um Menschen, die keine Chance auf Asyl hätten.

Der Präsident des Landessportverbands, Günter Lommer, hob ebenfalls den Beitrag des Fußballs im Kampf gegen Intoleranz hervor. Früher habe es auf bayerischen Sportplätzen immer wieder rechtsextreme oder antisemitische Ausfälle gegeben. "Wir haben mit Plakaten, Durchsagen und Pressekonferenzen mit Unterstützung der Kirchen klargemacht, dass wir das nicht wollen", sagte Lommer. Dieses Vorgehen sei erfolgreich gewesen. Heute sei Rechtsextremismus beinahe kein Thema mehr auf den bayerischen Plätzen.

Der Erfolg des Bündnisses liege vor allem an der konsequenten Aufarbeitung von rechtsextremen Ausfällen, ergänzte der Präsident des Bayerischen Fußballverbands, Rainer Koch. Jeder Fußballer und jeder Zuschauer wisse, dass kein Vorfall kleingeredet werde. "Fußball ist mehr als 90 Minuten Spiel. Er soll Werte vermitteln und erreicht als mit Abstand größte Sportart auch besonders viele Menschen", so Koch.

Als großes Zukunftsthema des Bündnisses sieht der DGB-Landesvorsitzende und Synodale Matthias Jena die sozialen Netzwerke. Dort werde nicht von wenigen Hundert Demonstranten sondern von Zehntausenden Anonymen Hetzte betrieben. "Wir müssen uns überlegen, was man dagegen tun kann", sagte er. Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm sagte, die Organisation müsse weiter von der Vision angetrieben werden, dass die Welt ein Ort werde, an dem alle die gottgegebene Würde aller Menschen anerkennen.


15.07.2015 / epd/ELKB
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